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Der Orient · 1846-03-12 · Heft 11 (12.3.1846) · p. Seite 82

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (12.3.1846)
Date
1846-03-12
Page
Seite 82 (sequence 11)
Language
German
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82 - ©cfot heilig sein, welches euch warnend zürnst: „>r^ W rnpm pbn;!"'-. Damascenus. ■ Breslnn, 23. Febr. Fassel war hier! Auf wessen Wunsch? Zu welchem Zweck? Das sind Kabinetsgeheimniffe, davon der gemeine Mann Nichts zu wissen braucht. Es wird Ihnen bekannt sein, wie lange die Verhandlungen mit dem würdigen F. bereits währen, ohne daß man es bisher zu einem festen Resultate -gebracht hat. Doch genug, Fassel predigte vergangenen Sonnabend zum zweiter: Male in unserer Synagoge mit ung eth eiltem Beifall und hätte zum Schluß seiner Rede wohl ausrnftn .können: veni> vidi,' yici; — ob. er mit eben soviel Recht das viel hinzufngen könnte, wirduns erst die Folge belehren. Der Text war aus-Mäleachi Kap. 3, 23. 24. re. »t6n dn uob nbw M lmfc Hr. F. begann nun damit, die beiden Hauptparteien im Judenthume, aus der einen Seite vertreten durch die fortschreitente Orthodoxie, aus der anderen durch die prineiplose Rcfornlstlcht in einem schrecklichen^ ber nicht minder wahren Lichte darzustellen; er beleuchtete die Kluft, die sich zwischen beiden aufgethan und das undurchdringliche Eis des Jndifferentismuö, von dem sie au.sgefüllt ist, Er war gerecht genug, auch die Mängel der Hyperorthodoxie, des Chasidismus hervorzuheben, doch nannte er ihn schonend eine unschuldige Träumerei und seine Verfechter betrogene Betrüger. Um so schärfer und schonungsloser maskirte er das Wesen jener Betrüger, die nurthwillig ein ganzes Volk irre leiten und an allem Bestehenden und Herkömmlichen rütteln; in strengen.Worten geißelte er diese uwist aus Egoismus , im bestkir Falle aus Bewußtlosigkeit hervorgegangene Aufktärnngssucht und nannte sie recht bezeichnend: die Jerobeam der Gegenwart, welche dem Volke ihre selbstgefertigten Götzen aufbürden wollen, da sie ihnen das Wahre und Gute nicht zu bieten im Stande sind. Hier hat Herr F. des Guten vielleicht zu viel gethan und sich in eine zu ausführliche Polemik gegen jene Herren, eingelassen. Es blieb , ihm, daher nur wenig Zeit übrig, über den ausgleichettden und versöhnenden Moment, als welchen er den Cliasgeist bezeichnte, zu spEen. Herr F. erklärte, daß er wohl für den Fortschritt, keineswegs aber für die rasenden Seitensprünge unserer tendenziösen Reformer sei; er'sprach über die Einführung deutscher Gebete neben den.bedeutendsten hebräischen, welche in der Ursprache beiznbehälten wärm. Hier kam Herr F, ^anf die Zerwürfniß in Israel zurück und hob, mit mancher Bezugnahine auf unsere Gemeinde, in. eindringlichen 'Worten die nächtheiligen Folgen derselben hervor. .Schließlich betheucrte Herr F., daß er nur nach den Eingebungen ' seines Herzens, nicht wie es ihm'.die Klugheit geböte»:, gesprochen habe^ Zum Erstaunen aller Anwesenden darck'te Herr F. für das ihm erwiesene Vertrauen, mdertz' man ihm die Rabbincrwürde über nufere Gemeinde angetragen und bedauerte, daß er ihr statt des ersten den letzten'Segen ertheilen müsse, da er die Gemeinde wie Moses zu einer Heerde ohne passenden Hirten:(njn ^2) verglich, zu welcher Stelle er sich selbst aber nicht stark genug fühle. — Dieser ergreifende Schluß steigerte den günstigen Eindruck, welchen die ganze Predigt auf das Publikum machte, bis zum Enthusiasmus. Die Entsagung Fassels, welche seinen Urtheilen den Stempel der Unparteilichkeit aufdrückte, rührte sämmttiche Anwesende von beiden Parteien, und man ist gesonnen, Alles auszubieten, dresm würdigen Mann für die hiesige Rabbinatsstelle zu gewinnen. Wohl wäre es auch einmal Zeit, sich einmal los zu machen von den kleinlichen Interessen des Lebens und den angestammten Vorurtheiten, um etwas Tüchtiges für das Heil in Israel zu thun. Ohne Zweifel wäre Fassel, dem in Oesterreich die Hände gebunden sind, in Preußen recht Vieles ju wirken im Stande. Auch ist es ihm in der That Ernst darum. Sein Glaubensbekenntniß ist, nach den wenigen Andeutungen, die er Gelegenheit nahm, uns davon zu geben, ganz nach dem Frankel'schen Princip. Fassel ist keineswegs zum Redner geboren, ja sein Organ eignet sich am allerwenigsten für dieses Fach, stünde ihm nicht eine ungewöhnliche Macht über seine Stimme zu Gebote, und hätte er dieselbe nicht so zu moduliren gewußt, daß ihm von keiner Seite der Beifall versagt werden konnte. Gewiß wäre Hr. F. im Stande sich die Herzen Aller zu gewinnen und ,,die Eemnther der Väter den Söhnen und die der Söhne den Vätern wieder zuznfuhren". Von der nächsten Zukunft haben wir Alles zu erwarten, da der Aktiv-Vorstand, dem Vernehmen nach, eifrig mit dem Beschluß'der Wahlen beschäftigt ist. Bei der diesjährigen Stadtverordnetenwahl soll man für unsere Glaubensgenossen die alte deutsche Komödie anfgeführt haben. — Ob der Frankelsche Mammon von seinem Besitzer zu einer stabilen Ruhe vermtheitt worden, oder ob er in der That den Verfügungen der humanen Ttstamentserekttioren überlassen ist, ist noch nicht bekannt»— Herr G.hatjetzt einmal ein schönes Werk zu Stande gebracht, das gewiß von sehr bedeutenden Folgen für den Anbau' der jüdischen Kultur sein wird. Wir wollen hoffen, nicht ans Selbstsucht. Den Bemühungen desselben wie noch einiger der achtbarsten hiesigen jüdischen Burger ist es gelungen, eine bedeutende Summe zur freien Beköstigung unbemittelter Studircnder zusammen zu bringen; es soll sogar eine der besten Restautionen für das Unternehmen gewonnen sein. Gebe Gott diesem neuer: Bestreben des Hrn. G. mehr Gedeihen und eine längere Dauer als den meisten seiner früheren. — 8. Berlin, 10. März. Die Resormgettossenschast erhielt dieser Tage von einem ihrer Mitglieder, Hrn. H. H. Goldschidt in Frankfurt a. M. ein Geschenk von 100 Thlrn. Hr. G. hat dabei den'Wunsch aus-' gedrückt, daß dieses Geld' zur Erleichterung deö Zutritts zu dem neu eingerichteten Gottesdienste für Unbemittelte

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