Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1846)
- Date
- 1846-03-12
- Page
- Seite 81 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 81 und Verachtung bestraft, daß wir jetzt groß-J Lentheils unser religiöses System abgeschlos- | feit " , (auch Sie Haben ein abgeschlossenes S y st em? Et tu, Brüte üli l) mithin dem Einflüsse der rabbinischen Predigten größtentheils entwachse!! sind; freilich eröffnet sich Ihnen, Hr. K—m., die wunderliebliche. Aussicht, daß Ihr Rabbiner Sie recht bald von den „Auswüchsen moderner Afterweisheit", von der Sie so Manches zu erzählen wissen, befreien, nämlich ,,die Leitung und Oberaufsicht des Religionsunterrichts" und ganz natürlich mit der Zeit . auch, damit nicht etwa der profane Geschieht- oder Physiklehrer die frische, geistliche Saat wieder.mit kräftigem Fuße zerstampfte, die Ueberwachung des Unterrichtswesens überhaupt an sich reiße, oder sich vom Staate etwa in einer erlauerten schwachen Reaktionsstunde übertragen lasse, wo ,,alsdann die Konfirmation nicht ein Ablegen", sondern eine neue — Auflage für uns werden wird. (Sie sehen, wie ansteckend der schlechte Wortwitz ist.) Aber bedenken Sie doch gütigst, Herr K-—m., daß Sie noch vor ganz kurzer Zeit, bevlsir Sie sich noch auf das Transagiren eingelassen, das Uebergchen des Unterrichtswesens in die Hände des nämlichen Rabbiners, wo nicht als eine zweite Sündfluth, so doch mindestens als einen zweiten oder, modern zureden, als einen zweiten Reformverein , oder mindestens doch als eine zweite oder dritte Rabbinerversammlung angesehen und. beklagt hätten! Sie sind nun freilich jetzt — wenigstens über gewisse Punkte ■— mit Ihrem vormaligen Gegner einig, und Sie haben nicht uöthig, so gerecht zu sein, den nämlichen anmaßlichen Einfluß . auf die Jugenderziehung auch jetzt noch zu perhorresciren, etwa weil jetzt ich und meine Meinnngsgenossen diesen Einfluß schädlich und höchst gefährlich finden. Aber, wenn irgend Jemand in der Welt,/so sollten Sie,, lieber Hr. K—m., des uralten Sprichworts ein- * gedenk sein: „Tempora mutanlur el nos mutamur in Ms"; Sie sollten doch wenigstens die Möglichkeit, daß ein Mensch seine An- und Absichten ändern könne, niemals ans den Augen lassen.. So gedenken Sie denn der Möglichkeit, daß Hr. Stein auch wieder einmal in einer andern Rolle auftretcn könnte, an die schreckliche Möglichkeit, daß Sie die Dupe sieines Witzes, Sie sein Werkzeug, Sie von ihm benutzt.sein könntenl 'Wehe Ihnen dann, wenn Sie sich, eine Beihilfe zur Uebertraguug des Schulunterrichts in seine Hände vor- ' zuwerfen haben! Was wird es Ihnen dann helfen, wenn Sie. die Waffen wieder gegen ihn kehren und fulminante Artikel gegen ihn schreiben? Von der Höhe seiner bischöflich geistlichen Macht wird er Sie verächtlich ignoriren, und wenn Sie dann zu mir kommen und Trost suchen, so lache ich Sie hiermit schon im Voraus aus, und wenn Sie in Ihrer Verzweiflung den lieben Gott behelligen und ihn anrufen wollen, Sie von dieser Geißel zu befreien , so erinnere ich Sie jetzt schon an. den Propheten Samuel , welcher (I. Sam, 8, 18) sprach: „Da. werdet ihr rufen au demselben Tage wegen eures Königs, dm ihr euch gewählt habt, doch der Herr wird euch an demselben Tage nicht erhören". So wird es euch mit dem selbst herattsbeschworenen Gespenste der Priestermacht ergehen! Ihr aber,, die ihr es redlich und gut meint mit der Wahrheit, der Aufklärung , dem, Judenthnm, .und vor Allem mit euern Mitmenschen, und auch in der redlichsten Absicht und mit der besten Meinung umgarnen und umstricken lasset von den künstlich gewebten Schlingen eines.neuen, gefährlichen Jesuitismus , o.laßt euch von einem durch bittere Erfahrungen Geprüften ein warnendes „cayeant consules"! nicht vergeblich zugerufen sein! Habt Acht, seid sorgsam und umsichtig! überschätzt nicht eure Widerstandskräfte, die euch schwerlich mehr zu retten vermögen, wenn ihr es leichtsinnig dahin kommen lasset, daß wirklich Hannibal vor euern Thoren erscheint. Wenn erst die Mode, der äußere Glanz und der Unterhattungstrieb nicht mehr die vorzüglicher oder einzigen Mittel sein werden 'in den Händen eurer Priester, wenn im Publikum der erkünstelte Eifer ein wirklicher geworden und noch daneben eine Generation herangewachsen, die man im Sinn des „Geistlichen", oder die gar er selbst sich nach seinem Sinne erzogen — dann werden die kostspieligen und prunkenden Tempel, die ihr heute, um vor dem Christep zzr glanzen, erbauet, euch, wie einst den Christen , .zur „Kirche", mrd diese, sofort zum Kerker werden für eure geistige Entwickelung und für die des Fortschreitend bedürftige Judcnheit. Das „Kirchenrecht", schon in der ersten - Rabbinerversammlung, aber noch etwas zu früh, angekündigt, * wird nicht ausbleiben, wenn nur erst einmal eine Priestergcwalt auch bei den Juden in gewissen Kreisen aus wohlbekannten Gründen wünschenswerth gefunden wird. - Ihr selbst werdet alsdann „die Alten" heißen, noch aus der frivolen, Voltairc'- sichen Zeit herstammend, wo man noch nicht einmal recht wußte, daß ein Rabbi auch eigentlich ein geistliches Haupt sei; ihr werdet zuerst „unpopulär" sein, dann werdet ihr nur noch eine unbedeutende Minderzahl bilden, und zuletzt wird der große Haufe euch verachten, weil ihr. nicht verächtlich sein werdet wie er. Schauet um euch, ihr sehet schon jetzt an manchen Orten einen ähnlichen Geist um sich greisen! Die. Macht und Herrschaft des Ehristenthmns wird euch stets versagt bleiben, und Heil euch, daß dem also ist! Hütet euch aber, das Christenthmn da na.chznahmen, wo, wie die Christen gerade jetzt recht deutlich empfinden, das alte Judenthum ihm gegenüber beneidenswerth erscheint! Hütet euch vor christlichem Gtaubenszwang, vor christlicher Geistlichkeit, vor christlicher Knechtschaft l Wenn irgendwo in der Welt, so laßt euch Hier das mosaische