Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1846)
- Date
- 1846-03-12
- Page
- Seite 80 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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80 messen heit, welche nur von der maßlosen Unfähigkeit ihrer Mehrzahl übertröffen wird, auf ein nagelneues „tel est »olre xlalslr", nämlich auf ihre Eigenschaft als ,Männer, die im Am Le stehen", stützten undderWahrheit in's Gesicht schlagend, aus ihren -Beruf pochten, der ihnen-ja die Wahrheit zur heiligsten Pflicht und die Lüge zum Verbrechen mache! Und so nahm.es ihn denn auch nicht Wunder, wenn die neue angebliche Geistlichkeit ebenso wie die alte, wirkliche, jenseitige die Mittel fand, sich zuerst Hörer für ihre Predigten und alsdann auch Anhänger und Werkzeuge für ihre Pläne zu erwirken, wenn sie bald mit der Orthodoxie liebäugelnd, bald wieder mit der Aufklärung kokettirend, beiden, heuchlerischen Beifall nickend und beide verrathend, auf beiden Seiten sich kurzsichtige Anhänger,- oder auch allzu feine Huldiger fand^ die das Pfaffenthum zu überlisten und zu benutzen -wähnten, während sie selbst, von ihm' überlistet und benutzt, längst in seinen Netzen verstrickt und. seine unwillkürlichen Werkzeuge -geworden waren. Zu welcher von beiden letzterwähnten Klassen ich Sie, mein werther Freund K—m, rechnen soll, bin ich in diesem Augenblicke noch ungewiß, obgleich die Ahnung des wahren Sachverhalts bereits mir so ziemlich nahe liegt und sicherlich weit eher als sie es Ihnen zu handgreiflicher Offenkundigkeit und zu Ihrer 'Enttäuschung heranreifen dürfte. In Nr. 8 des „Orient" haben Sie das Publikum mit dem ersten Ergebniß einer vielleicht stillschweigend getroffenen Uebereinkunft zwischen Ihrer Partei, und Her^n Rabbiner Stein. überrascht. Sie haben da einen jener kuriosen Artikel zum'Besten gegeben, worin Sie eine Wahlverwandtschaft kundgaben mit dem alten französischen'Adel, der, als das ancien regime nun einmal nicht mehr ms Leben zu rufen, der angeborene Höflingsinstinkt aber auch, nicht aus dem Herzen z'u bannen war, lieber dem Erzfeind Napoleon die devote Huldigung' darbrachte, der Loch' wenigstens auch ein.Despot war, als daß er d'en noblen Ünter'thanentrieb unbefriedigt gelassen hätte. Wohl einsehend, daß die Konfirmation, wie' man sie bisher in der Hiesigen Gemeinde abhiclt und betrachtete, das jüdische Element beibehieltindem sie ein bloses Relig i o n S e xa m e n, ein feierliches Abtegen des israelitischen Bekenntnisses und sonst nichts war, genügt Ihnen die dem neuen Institut (ungeeigneterweise) .beigesegte christelnde Benennung nicht, .ruld Sie schließen sich plötzlich Ihrem - bischöflichen Antagonisten au, um mit der Bencnnung'auch den Begriff zu vereinigen und die erbauliche Ceremonie der Religionsprüfung — welche doch von Ihrer Partei' schon eben wegen ihrer christlichen Benennung stets verworfen worden — eine wirkliche „Konfirmation^, ... oder sakramentale Bestäiigung des Glaubensbekenntnissesein Unding im Iudenthüm , umzuwandeln', und natürlich folgerecht für diese „heilige' Handlung" l wie die Nenjudm sie, die Christennachäffend , benennen, den priesterlichen Segen des —- israeli11schen Priesters?, - o neinder ist zwischen Himmel und Erde nirgends zu finden! nein,- die „Einsegnung des Herrn Leopold Stein, Verfassers der „Stusengesänge^>, -zu vindiciren! Das wagen Sie nun freilich ' nicht so ganzgerade, herauszüsagen; haben Sie selbstsich doch schon einmal günstig über Dr. Au erb ach's Vollzug der nämlichen-Handlung („Orient" von 1844) geäußert! Aber. Hr. Auerbach mit seiner Konfirmation genügt, wie alles Jüdische, nur „b e sch e i d en e n Ansprüchen" , und Sie, Herr K—Inhalten cß mit. den un b escheidenen Priesteransprü- -chenwie sehr sie auch, und zwar im schlimmsten Sinne des Wortes,. D^n niprn sein wögen, Wenn die Konfirmation erst eine w a hr h aste geworden, wenn das Konflrmiren erst zu den Amisverrichtungen und—Emolumenten des Rabbiners gehört, warum sollte dann eine christliche Regierung, die das Wort natürlich nach ihrem Sinne deutet, nicht zu beredensein, die Handlung zu den unerläßlichen ^fordernissen eirus Bürgers zu klassificiren und von der rabbinischen Bescheinigung ihres Vollzugs die Erthcitung des Bürgerrechts, der Heirathserlaubniß re. abhängig zu machen? Das giebt alsdann nicht nur wieder eine Ouelle neuer Emolummte—7die möchten wir den Herren Rabbinern noch sehr gerne gönnen! — sondern es giebt auch - eine neue Gelegenheit-, wo der „Geistliche" zur Schwelle wird, über die Ihr schreiten müßt, wo er Euch, so zu sagen, in Händen hat, wie gegenwärtig etwa,, wenn Ihr einen Eid leisten, euch'verehelichen wollt, oder'allenfallsauch, wenn Eure Hinterlassenen Eure Leiche beerdigen lassen wollen -rlauter Aussichten, mit denen die allzu „bescheidenen" Ansprüche des Dr. Auerbach, wie überhaupt das bescheidene Judenihum, gar nichts zu schaffen hatten. Freilich, Freund K—m, ist Ihnen dies Alles so ganz recht und erwünscht; freilich freut es Sie, daß der Mann, der Ihnen rmd den Ihrigen bisher ein Dorn im Auge war-, „nu n mehr emgeschen hat," und daß er sogar, unmittelbar nach dein Erscheinen Ihres Aufsatzes, am 21. Febr., in dem Sinn gepredigt hat, wie „ein Religionsunterricht, der nicht auf die Kenntniß der heiligen Schrift in-der Ursprache bttsivt ist", ein bloses Stümperwerk sei, wie der Rabbiner denn auch in besagter Predigt den Satz vertheidigte, daß,/, wenn auch das deutsche Element für uns deutsche Juden^ atterdingserforderlich sei., doch die Hauptandacht in. der hebräischen Sprache bestehe, in welcher sich der liebe Gott-unfern Vätern geoffenbart und welche viel mehr. „Saft" in sich habe als irgend eine andere Sprache; freilich wäre es Ihnen lieb, wenn der Herr Rabbiner, „in das empfängliche Gemüth der Jugend" den Samen einstreute, der ihm eines Tages eine Gemeinde aüfwachfen ließe, wie er sie wünscht und brauchen kann, und welche einst uns Erwachsene m unserm Greisenalter dafür mit Hohn