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Der Orient · 1846-03-12 · Heft 11 (12.3.1846) · p. Seite 79

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (12.3.1846)
Date
1846-03-12
Page
Seite 79 (sequence 5)
Language
German
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- 79 - Knaben verketzerte, und in seinen alten Tagen von einer das Recht des Stärkern gegen einen „alten Sünder" : oder NntDD spl miöbrauchenden Jugend das.wieder zu leidenwas ereinst als „junger von den damals starkem altem Leuten zu erdulden hatte. Darum hat auch der besagte Mann sich stets mit allen seinen Kräften und Waffen dem Aufkommen und Umsichgreifen der frisch angestrichenen oder eigentlich angepinselten Pfaffengewalt eifrig widersetzt; darum, damit nicht neben und -nach ihm ein . Geschlecht aufwachsen möge, das den widerlichen Gespenstern seiner Jugendzeit gleicht, hat er getrotzt den geifernden Anfeindungen und Angebereien eines delatorischen, denunciationssüchtigen Bachur-Pfasfengeschlechts; darum , hat er nicht gescheut die lächerlichen Verdächtigungen gedankenloser Philister, die das Steckenpferd des Tages zum Idol erheben und ein Abweichen voll dern, was sie zeitweilig ihr Betenntniß oder gar ihr „Priiieip" nennen, mit fanatischer Galle als Heidenthum, oder was noch wirksamer, als Orthodoxie*) verketzern; darum hat er sich sogar zu trösten gewußt'über den Verlust manches lieben Freundes, dessen Herz ihm der satanische Nenpietismus abwendig gemacht; er setzte sich über das Gefühl der Unannehmlichkeit hinaus, welches die Verkennung mancher der Bessern und Verständigern ihm nothwendig verursachen mußte, und cs kostete ihm nur ein stilles Lächeln, als er neulich selbst in einem Briefe des Dr. L. aus B. als „völlig orthodox" angeredet wurde. Denn er hatte gesehen, welcher dringenden Gefahr die Freiheit des Gedankens im Judenthum, und somit das wahre Judenthum selbst in seinem innersten wesentlichsten Lebensprincip ansgesetzt war. Er hatte gesehen, wie mit dem Absterben jener alten, lediglich auf das Besserwissen begründeten und nur bis an die Grenzen desselben sich erstreckenden Autorität allmälig, aber mit ganz sichern^ gemessenen Schritten, eine neue sich aufdrängte und Platz griff, weit schlimmer Mld gefährlicher als ihre veraltete Vorgängerin, weil sie sich keineöweges auch auf ein Besserwissen stützte, auch sich in der Regel gar nicht die Muhe nahm, etwas wirklich besser zu wissen als Andere, sondern sich damit begnügte, Alles wissen oder wenigstens entscheiden zu wollen, sich Alles anzumaßen, nach Allem die langen Finger anszustrecken und für das Uebrige den lieben Gott und in dessen Ermangelung — denn Gott haßt die Heuchler und die Hochmütigen — den lieben S ch n e rd c r sorget! zu lassen. Er hatte gesehen, wie der vormalige *) Zu den Hauptkunstgriffen unsrer neuen Bischöfe und ihres Anhangs gehört es, alles, was sich ihren Anmaßungen widersetzt, als orthodox.zu verschreien, weil'sie dann, nach dem noblen Grundsätze, daß ntyü orthodox sei, eine Unwahrheit oder -Verleumdung eher für erlaubt halten — ähnlich den Geistlichen der engf. High-Church, die alle ihre Widersacher für verkappte Papisten ausgeben.' Gewissensrath bon einem „Seelsorger", abgelost worden, wie oitS dem einfachen, bescheidenen, patriarchalischen und vor Allem jüdischen Rabbi ein diplomatischpfiffiger, hochmüthiger, verschmitzter und vor Allem christeluder „Geistlicher" geworden., nicht christlich in. dem edlern, humanen Sinne, sondern nachahmend und parodirend den hierarchischen Geist des ordinirten Priesterthums, welches den Flecken und die Geißel des Christentums ansmacht. Nicht mehr sollte das Judenthum wie vor undenklichen Zeiten her ein bloses Bekenutniß (eynkessio) seiner Anhänger sein; man fand für nützlich und zweckmäßig, eine Kirche (eeelesia) i:. h. einen gleich der Staatsgescttschast zur Ein-, gehnng gewisser Verbindlichkeiten zusammengetretenen und sich deren Erfüllung gegenseitig garantirenden Verein daraus, und folglich ans dem neuen „Seelsorger" und „Geistlichen" so ein Stück Obrigkeit zu machen, das sich sofort als einen „Manu im Amte", gerirte, Gehorsam und Hochachtung verlangte und somit der Mühe ükerhoben war, sich solche erst zu verd.ieuen, und nötigenfalls,, als eine Art von Behörde, sich in dem Requisitions-, i. e. Denuneiationswesm' gar wohl gefiel und es weder unwürdig noch posfirlich fand, in der schwarzen Kutte mit dem Baret auf dem Haupte, ein Mann des Friedens, neben dem Mann im rothen Gewände mit dem Czako auf dem Kopfe einherzugehen und dessen langen Arm zur Befriedigung der großen Herrschsucht und der winzigen Leidenschaften' zu borgen. - Das IM hatte der Mann gesehen, dem einst als - Knabe wegen Erlernung der Geographie polizeilicheVersolgung zugedacht war; Stück für Stück hatte er die alte israelitische Glaubensfreiheit und Gedankenunabhängigkeit niedcrreißen und zerstören, und Stein auf Stein hatte er hmzutragen sehen zur Erbauung einer, christlich neuen Glaubmszwingbnrg, die man, den Abgott der Mode und des äußern Glanzes als einen für zweckdienlich erkannten, die entschwundene wahre Religiosität ersehenden Hebel erkennend und ' benutzend, mit eitlem irdischem Tand und Flitter auszierte und ansschmückte, um sie der verblendeten Menge für ^„Gotteshaus" auszugeben, während sie' doch keine andere Gottheit enthielt und beherbergte als den Stolz und die Prunksucht, das Einzige, wofür man noch Gläubige gewinnen, womit man noch Anhänger werben konnte.- Er hatte gesehen, wie sie znsammentraten und sich vereinigten, um zu denken und zu'handeln, für uns Alle, um ans ihrer blos gleichberechtigten Stellung hinauszustreben zu legislativem. Ansehen, während sie dabei , die Statthalter St. Petri parodirend, nicht müde wurden, von ihrer dcmuthsv ollen Anspruchslosigkeit zu reden. Mit eignen Augen hatte er gcsehen und mit eignen OHrm gehört, wie die kleinen Männlein des Tages die absurdesten Anmaßungen, die ungereimtesten Widersinnigkeilen, die offenkundigsten Unwahrheiten mit einer Vcr- 11*

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