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Der Orient · 1846-03-05 · 10 (5.3.1846) · p. Spalte 153-154

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Spalte 153-154 (sequence 5)
Language
German
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153 154 Studien. Der Traum bei dm alten Hebräern. Sprache 6), die alsdann der, selbst im Schlafe thätige Geist im innern.Grunde der Seele vernimmt, ist eine andre, als die, welche das Ohr Hort und die Zunge spricht. -Sie wird in den Regionen des gewöhnlichen leiblichen Zustandes eben so wenig verstanden und vernommen , als das.inwendige geistige Selbstgespräch eines denkenden Mannes vom Ohr der Umstehenden." Daß der Träumende gar oft auch mit äußeren sinnlichen, iw Wachen ihm.nahe liegenden und ihn umgebenden Gegenständen umgehet, ist bekannt und nicht schwer zu begründen. Denn l), da den Traum überhaupt der l etzt e Reitz der Sinne und die erste Thätigkeit des freien, innern Lebens veranlaßt, so ist der Geist in diesem Zustande eigentlich, nicht ganz aus den Schranken, der Sinnestha'tigkeit und der Sinnenwelt herausgetretcn/befindet sich vielmehr noch in einem Zustande zwischemSchlaf und Wachen, sein Stadium ist daher, immer noch ein schwankendes. In einem solchen beschäftigt er sich in seiner'inneru Thätigkeit mit dem, was ihm im äußern Leben anziehend gewesen. Darin haben auch die talmudischen Worte ihre Begründung, welche die Stelle, Jerem. 23, 28 benutzend und zugleich auch erklärend, auf den, von äußern Einflüssen beherrschten Traum abzielen: mbrib. ityöN 'n p pn labhsdn w ptto OiblSD und der noch etwas weitcrgehende, und jedenfalls gewagtere allgemeine Ausspruch des R. Berechja: U'd! lblD D’'p mapDlff B"jfN Olbn, welch' letzterer. Passus aus der Lebensgeschichte Josef's (Gen. .37, — Ende) hervorgehen und,durch dieselbe bestätigt werden soll: j1? n\3D mn Nb »ton Nnyty Nnm/ui rrpni-.Bwn rpni rrnirn welche Grelle zwar von Jbn - Esra (nach Bereschit Rabbä) dahin.gedeutet wird, daß Josef's'Traum dennoch nach seinem ganzem Umfange in Erfüllung gegangen sei, indem der, im Lraume symbolisch sich zeigende Ausdruck für Mutte r, nämlich gar wohl auf seine Pflegemutter Dilha bezogen werden kann. Darauf hin ward im Talmud an .derselben Stelle3 8) , der allgemein geltende Satz ausgestellt N1? n^D D«pp: n^D D"pD iOUD welche Schlüsse der Talmud freilich ,' wenn überall, hier besonders nur a posteriori deducirt.' ' „Dieses Fern gesicht des Traumes gehet zuweilen gleich den Warnungen und Voraussagungen des Sokratischen Dämons, die näher oder'ferner liegenden, wichtigern Schicksale des Träumers, oder der ihm nahe verbundenen Personen, an. Träume dieser Art, welche vor einer nahen Gefahr des innern Menschen warnen; Traume, welche mit voller Sicherheit und Klarheit'den/Tod .eines, damals noch gesunden,'innig geliebten Menschen vorausverkündigt.en, oder, 'welche unter stets sich gleichbleibenden , - symbolischen Bildern eine eigentliche Krank¬ 6) Schub. Gesch. d. S. S. 412. 7) Vgl. Zschokkes Verklärungen« 8) Berachot 55 ff. * 9) Schub. Gesch. d. S. S. 412. heit andeuteden „ kenne ich aus eigner Erfahrung und kann ihr wirkliches Vorkommen bezeugen." — Dergleichen Fälle finden sich aus älterer, wie aus neuerer Zeit eine große Zahl ausgezeichnet. Ein bedeutungsvoller Traume des Vaters war 'es, der dem Galen endlich zu seinem eignen Berufe, der ausübenden Arzneikunde den Weg bahnte. 10) — Ein deutlicher Traum sagte dem Herodes den Tod seines Bruders JosefH), und Archelaus 12) träumt: er sehe 9 volle große Aehren, welche von Ochsen abgefressen wurden, was ihm der Essäer Simon dahin deutete, daß die Aehren Jahre, die Ochsen den Wechsel der Dinge bedeuteten (weil nämlich der Ochs beim Pflügen das Land umkehre) *3). Aus dem, oben berührten Wechselverkehr des innern und äußern Lebens läßt'sich auch —beiläufig, erwähnt — das Treiben der Nachtwandler erklären. Wenn die Nachtwandler bei wieder aufgeschlossenen äußern Sinnen sich auch nichts mehr von dem erinnern, was sie während ihres außerordentlichen Zustandes gethan, so kann es ihnen doch nachher wieder im Traume Vorkommen. „Dies ist auch, sagt Spinoza in seiner Abhandlung über die Propheten^), ganz natürlich, daß sie (die Propheten) wachend sich nicht mehr oder doch nur dunkel daran erinnern, weil ihre Einbildungskraft zu schwach ist, das Geträumte zu behalten. So war auch Daniel nicht gleich geschickt, wachend wie im Träumen zu prophezeien, was ' sich auch' daraus ergiebt, daß er gleich zu Anfänge der Offenbarung dergeßalt erschüttert war, daß er fast an seiner Kraft verzweifelte." Durch Viesen erinnerlichen Traum scheint uns zuweilen auch jener Zusammenhang beleuchtet zu werden, in welchem die Schlafzustände eben so untereinander stehn, wie jene des Somnambulismus. Wir erinnern uns im Traume diese Empfindung, jenen.innern Seeleneindruck schon sehr oft gehabt zu haben. So sehen wir oft im Leben einen Menschen, der uns so bekannt vorkömmt, als hätten wir ihn mit Bestimmtheit irgendwo schon gesehen , ohne daß wir uns jedoch im Geringsten erinnern könnten, denselben im wachen Zustande wirklich jemals gesehen zu haben. Wir erinnern uns in diesem oder jenem Verhältnisse des Wahnlebens uns schon sehr oft befunden zu haben , und doch w.ar Beides niemals im Wachen der Fall gewesen; der Traum konnte seine Erinnerungen nur an seine eignen, vorgehenden Nachtgebitde geknüpft und angespönnen haben. 10) Galenus de praecognitione 1 il>e c. 2. 11) F. Josephus, Gesch. d. jüd. Krieges. Th. 1. 1. K. 17. 12) Ebendas. B. 2. K. 8. 13) Mag man auch den Josephus im Allgemeinen mit Recht der Unredlichkeit in seinen Erzählungen zeihen; sd kann doch dies die oben berührte Erzählung um so weniger verdächtigen, als dem Jos. hier durchaus keine parteiische Absicht untergeschoben werden kann. — Die auffallende Aehnlichkeit mit dem pharaonischen Traume springt hier freilich gleich beim ersten Anblick in die Augen. 14) Spinoza, tractatus theol. polit, c. 2. de proplietis.

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