Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 10 (5.3.1846)
- Date
- 1846-03-05
- Page
- Spalte 155-156 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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155 ( Der biblische Traum» Um nun speciell von dem biblischen Traum zu sprechen, so ist vorerst hier zu bemerken, daß schon die ältesten Commentatnren der Bibel, worunter namentlich die Talmudisten mit der Ergründung und Erklärung desselben vielfach sich beschäftigte, ohne jedoch zu einer klaren Erkenntniß glommen zu sein, wie dies aus Masechet Berachot fol. 55. ff. zu ersehen ist. Einer der scharfsinnigsten Talmudisten fühlte freilich schon die, in der Bibel scheinbar herrschende Contradietion, indem' einerseits die göttliche Autorität der Träume aus allen , historisch dargesteUten Facten , nicht minder, aus allen .prophetischen Aussprüchen klar hervorleuchtet; andrerseits aber, wieder scharf vor allem Mauben an Träume und deren Deu- > langen gewarnt wird. So heißt es Berach. 55 brRaba warf die Frage auf: „Einmal heißt es in der Bibel (Nummer! 12, 6): Ich (Gott) rede im Traum mit ihm (mit dem Propheten) und ein andermal (Zach. 10, 2.) lesen wir: Träume reden trügerisch ". Diese Frage beantwortet er sich selbst mit folgender Modisication: Beide Stellen sprechen von zwei verschiedenen Traumen und zwar die erstere von einem solchen Träume, der durch einen Engel oder sonst einen Boten Gottes — die andere Stelle aber von einem Traume, welcher durch einen Dämon — 'W1-6)—, mitgetheiltwurde. Ist dieser Ausdruck an und - für sich auch nicht ganz klar, so lassen sich doch andrerseits die Träume überhaupt und die der Bibel insbesondere nicht wohl.anders clasfisiciren als in eben diese zwei Klassen, nämlich in ech t e und u nechte Träume, 'v) d. h. in solche , die aus innern,. geistigen O.uellen ihren Ursprung und ihre ^weitere'Entwicklung nehmen und somit als vom Geiste, vom Verstände.— nicht von der irdischen Seele, von Phantasie — herstammend, auch < 15) hat bekanntlich in der Bibel, wie im Talmud, sehr ausgedehnte Bedeutungen, die jedoch alle in der Stammform? schicken zusammenfließen, daher überhaupt eine mütelbare Sendung und zuerst Bote, dann ii£ozrjv Bote Gottes, mit und ohne cen Beisatz u.s.w. Ueber die Wurzel siehe ausführlich in Fürst's Concord. 16) NLk ursprünglich Götze oder Hex, daher wie dasSyr. böser Dämon. 17) Synesius (^icepb. Schöl ia Synes. de insom- «ns, ed Paris p. 407) unterscheidet 5 Arten von Lraumerscheinungen: 1) die Tr äu mer.e i (8vv7tvcog), bestehet in einem Andrang der Sorgen und Gescha'stigkeiten des Tages. 2) Das Traumbild (cpavraolia]), ein buntes Gemisch von riesenhaften, oder sonst seltenen Gestalten und Erscheinungen, wie sie uns etwa beim Einschlafen Vorkommen/ 3) Die.Warnstimme, der Orakelspruch (xQ^uaTLufiog),;: wobei.bec Träumende etwa durch die Gestalt des Vaters.oder einer andern Ehrfurcht gebietenden Person., vor naher. Gefahr gewarnt wird u. s. f. 4) Das Gesicht wobei der Seele ein noch künftiges Ereigniß deutlich vorgestellt wird. 5) Der symbolische oder gemeine Traum {ontgog), wobei sich der Seele das Vergangene, oder Künftige unter allerhand rätselhaften, schwer zu deutenden Bildern zeigt. 156 höheren, göttlichen Ursprungs sein müssen-und in die entgegengesetzten, die nämlich aus äußern , zufälligen, durch Zeit und Raum beschränkten Motiven sich herleiten lassen . z. B. durch Temperament, Klima, Jahreszeit, Krankheit rc. . . (Fortsetzung folgt.). Literarische Analekten Das Brasilienholz. In der Voice of Jacob Nr. 119 wird die Frage zur Beantwortung vorgelegt: wie Kimchi, ein Gelehrter des 13. Jahrhunderts, in seinem Wurzelbuch (Nad. Mlöta mit Brasilienholz übersetzen konnte da doch Brasilien erst am Ende, des 15.. Jahrhunderts entdeckt worden sei. Den Irrthum' des Fragestellers, als wenn dieses Holz erst seinen Namen von Brasilien und nicht umgekehrt dieses seinen Namen von jenem erhalten habe, hat'bereits Adelung s. v. nachgewiesen. Daß man schon vor der Entdeckung Amerika's ein rothes Holz mit dem Namen' Brasil belegte/ geht aus einer Handschrift von 1400 (in Carpent. Glos.) hervor, wo es heißt: Niesillum est arbor quaedarii, e cujus succo optimus fit color rubeus; ebenso ist in einer Urkunde von 1193 (Muratori ant. 2, 594) die Kochenille §rana de VrasNe genannt. Das Wort selbst könnte man von dem alten Bras, Feuer, vom griechischen ßgafr, ßgafriv, brennen, ableiten. In der Beschreibung, die Abufadlr bei Celsius 1. 182. von dem Baume macht, dessen Holz Kimchi albakam. nennt, fanden neuere Naturforscher, das Sappanholz, Caesalpinia Sappan, Pao cto Brasil (Okcns Botanik III. 1726) oder das Sandelholz, Pterocapus Santa!inus. Nach dem Chronisten (2, 2, 7) ist das Algumimholz ein Produkt des Libanons, was mit der Versicherung Abufadlis (l. c.), daß das Sandelholz auch in Syrien wachse, übereinstimmt, was aber' bis jetzt noch' ohne weitere Bestätigung geblieben ist. (Wiener Realwö'rterbuch II.'S. 446«)',) * K—m. *) Gesem'us im Thesaurus I. S. 93 handelt ausführlich darüber, und hat schon diese Frage in Bezug auf Kimchi. Der Ursprung des Namens ist wohl ^'^2, has harte Holz, von ^2 . Ijact fctny-unb bie gorm ist für ^-T2. Dasselbe ist mit ^2. der Fall , das für- >!2 steht. S. Lehrg. der aram. Idiome?. 178 und Concord. zu,^2. - Plinius kennt schon diese Wurzel, wie dort angegeben ist,' und es ist wohl möglich, vaß dann.von diesem Holze der Ländername entständen. ' Red. Studien. Der biblische Traum. — Das Brasilienholz.