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Der Orient · 1846-03-05 · 10 (5.3.1846) · p. Spalte 151-152

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Spalte 151-152 (sequence 4)
Language
German
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151 In Folge des Besagten finden wir keinen Grund dazu, die Endung v in als eine Pluralendung anzunchmen, (Beschluß folgt.) Der Traum bei den alten Hebräern. Ein archäologische und philosophisch - theologische Abhandlung ■ ' - von E. We.iwann, cand. theoL Der Traum nimmt in der Bibel eine wichtige, vielbedeutende Stelle ein. Die Schicksale einzelner Menschen, ja ganzer Stämme und Völkerschaften werden durch Träume vorausgesagt, bestimmt. Natürlich muß dabei dem Träumen alle prophetische Kraft, dem Träumenden aller prophetische Geist zuertheilt werden, wie denn? auch wirklich an vielen Stellen der heiligen Schrift deutlich .der Traum, der eigentlichen, göttlichen Prophetie nicht nur nicht nachgesetzt, sondern sogar derselben gleichgestellt, wenn nicht gar, wie wir später sehen werden, über dieselbe gesetzt wird. ' Finden wir nun aber gleich unzählige Beweise dafür, daß . dem biblischen Traume, als unmittelbar von Gott kommend, göttliche Bedeutung, somit der allerhöchste Ursprung zu Grunde gelegt wird; so finden wir nicht minder, wie in eben demselben Buche nachdrücklkgst und scharf gegen' allen Glauben an Träume gewarnt wird, wobei, wie sich von selbst verstehet, diese Träume als unecht, als falsch bezeichnet werden müssen. Wie läßt sich nun dieser, scheinbar so große Widerspruch rechtfertigen, oder doch wenigstens erklären? Wie die echten Träume von den unechten unterscheiden? Giebt es überhaupt einen wesentlichen oder überhaubt einen Unterschied unter den Träumen, als solchen, oder nicht? Giebt es einen — was ist in das G.ebiet des einen, was in das Gebiet des andern zu verweisen? ' Um diese Fragen nach ihrem ganzen Umfange zu beantworten, müssen wir zuerst vom psychologischen Standpunkte aus und von dem Wesen des Traumes im Allgemeinen, sodann von dem des biblischen im Speziellen sprechen. V on d eni Tr au me i m Allgem einen. Der Traum entstehet durch das Zurückziehen der Seele aus ihrer Thätigkeit vermittelst der Sinneswerkzeuge aus den Geist; dadurch kommen eben diese Sinneswerkzeuge in einen ruhenden Zustand — Schlaf genannt — und sind eben dadurch bewustlos, weil sie als e n t s e e l t, unthätig sein müssen. Nun aber beginnt das innere Leben und beginnt um so kräftiger als der Geist, durch keine äußerlichen Eindrücke mehr gestört, sich ganz seinen Beschäftigungen überlassen -- träumen kann. „Es geschieht dann dem Geiste, sagt v. Schu- 132 bert »), wie einem, dessen Augen plötzlich geblendet oder verbunden worden sind, und der überall m seiner sonstigen, bekanntesten Umgebung anstößt , weil er sie nicht mehr sieht. Denn die Anziehung der umgebenden, schweren Massen auf den Leib, ihr Bor- .und Hinter- und Nebeneinanderstehen, wodurch sie verdecken und unsichtbar machen, wird von dem wach und frei gewordenen, innern Sinne nicht bemerkt, sondern dieser folgt nun einem andern eigentlichen Zuge, der ihn auf einmal, unaufgehalten durch das, für ihn durchsichtig gewordene , oder vielmehr, gar nicht vorhandene Gemäuer, und durch alle dazwischen gelegene, trennenden Räume, nur das sehen und bemerken läßt, was seine Welt "ist. Es fällt unter Anderem den Hellsehenden schon peinigend schwer, wenn sie den Menschen nicht zunächst in seiner, geistigen, selbständigen Erhabenheit "über die Schranken der äußern Korporation und des.Ranges betrachten und anreden sollen." > In diesem reinen Leben ist vollständigere und genauere Erinnerung des Vergangenen, als im irdischen Wachen.- So erzählt Moritz in seinem „Magazin zur Erfahrungs-Seelenkunde" -), ein glaubwürdiger Mann habe meine r Nacht in mehreren, wach auf einander folgenden Träumen nicht nur alle Schicksale seines eignen,, vergangenen Lebens, sondern auch das seiner Bekannten und Freunde so deutlich gesehen, als wenner in einen, ihm vorgehaltenen Spiegel geblickt hätte/ Dasselbe sei auch nach Moritzen's Erzählung?) dem berühmten Kardan begegnet? Und nicht blos Begebenheiten des wachen Lebens ^), sondern die magische Darstellungsweise des Traumes scheint auch in gewissen Fällen in, das Jenseits hinüber zu reichen. .So wird z. B. dem Dietrich v. Werthern im Traume sein nahes Ende voraus verkündigt. Es ist psychologisch sehr leicht zu erklären, wie der Geist in diesem Zustande der Abstraktion sowohl Vergangnes als Zukünftiges genau umfasset. Denn beim irdischn Wachen strömt das All durch die ausgeschlossenen Pforten der Wahrnehmung zu gewaltsam und beinahe betäubend ein. Darum suchen wir so oft selbst während des irdischen Wachens Einsamkeit und Stille und ziehen uns von außen gleichsam zusammen und mögen nicht sehen, nkchthören, wenn wir ernst und tief nachzudenken begehren. Je entfernter der Geist vom Außenleben sein kann, je mehr er sich seinem reinen Zustande naht, abgeschieden von Sinnenthätigkeit, um so Heller und sichererdenkt er;wieschonPlato richtig bemerkt: AoyVQszcu ds ys tvov zözs yAXXlgza, ozccv ^rjdsv ZOVTCÜV CiVZTjV TtZQC&Vnrj ) ^ZS CCU07] {.ITjZs oapL£ fitfzs dXyrjdcov [irjzs zl£ 7}dovrh dXXözi [idXiGza ccvzrj xd& avzrjv ylyvr\zm scoGa %ciLquv to Gcüficc yia.1 na®’ ogov ßvvazat .firj kolvco' vovGd civzcß [A,7id’ ditzo^iviq OQhyiqzcd zov övzog.“ „Jene 1) Dr. G. H. v. Schubert, Geschichte der Seele, 3. Aufl. Stuttg. und" Tüb. 1839. §. 26 S. 381. 2) 5. Bd. 1 St. S. 55. 3) Ebendaselbst. 4) Vergl. Symbolik des Traumes von Schubert. Bamberg. 1821. 5) Plat Phaecl. c. X, 35. Studien. Der Traum bei denalten Hebräern..

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