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Der Orient · 1846-03-05 · Heft 10 (5.3.1846) · p. Seite 75

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Seite 75 (sequence 13)
Language
German
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75 Schreiben au Sir Moses Möntefiore in London ergehen lassen. W ist dieses ein neuer Beweis, daß sich der richtige Takt unserer' Gemeinde auch bei der letzt Statt gefundenen Vertreterwaht bewährt hat. Während wir in Herrn Neck. vr. Bach einen Mann der Intelligenz und der Nationalität besitzen, dessen verdiente Beliebtheit bei.unseren humanen Behörden ihm den seiner Stellung nöthigen Einfluß gewinnt, haben wir in Herrn Leo Janowitz, den Mann der Thal, mit allezeit bereitwillig offenem Herzen und offener Hand, denen Herr Salomon Holländer mit seiner im jüdischen Gemcmdeleben gemachten Erfahrung und Genmeindc-Praxis zur Vervollständigung des ganzen Körpers um so treffender zur Seite gestellt ward, als dessen' jüdisches Leben selbst dem kritischen Auge der orthodoxen Umgebung feine Bloßen giebt, und somit der Gemeinde auch auf diese Seite hin das Vertrauen nicht fehlen kann. Wenn nun dieser Vorstand irr beständiger Harmonie mit ihrem Geistlichen auf den Gemeiusinn der Art rückwirkt,', daß selbst die sonst nur dem Geschäfte lebende Jugend davon ergriffen wird, so wird es nicht 'auffallen , , daß inmitten unserer slavisch-deutschen Stadt sich eine ungarische Ratio n al-Jugend heranbildet, die selbst ihren Erheiterungen das Princip der Wehlthätigkeit zu Grunde legt, und wie' es zwei Mal, auf Anregung des Herrn Dr. Schiller und Herrn Leo Holländer der Fall war, beziehungsweise bedeutende Kollekten für Krank e n l) a u s und arme r u s s i s ch e A u s w a n d e r e r gesammelt hat. Die Adresse lautet: ,,Hochgeehrtester Herr!. Unsere. Brüder in Rußland sind heute in der fürchterlichsten Alternative: entweder den Gott unserer Väter abzuschwören, oder das Land zu verlassen, in dem sie zwar bedrückt gelebt, das aber doch ihr geliebtes Vaterland gewesen, wenn nicht das Herz ihres Kaisers mildern Gesinnungen sich öffnet, oder für selbe gestimmt wird. Wir haben mit das ticfschmerzende Bewußtsein von den herben Lei-/ den unserer nachbarlichen Brüder, ohne ihnen aus uns ^selbst helfen zu können; auch keinen Netter wissen wir in der Nähe, außer Gott, der das Herz des Fürsten lenkt. Und doch hat cs Israel nie an einem Retter gefehlt! Sie großmüthiger-, hochherziger Mann, Sie hat der "Gott .unserer Väter mit dem edlen Willen allsgerüstet, helfen zu wellen, Sie hat Er auf eine Stufe gestellt, hat Ihnen Einfluß, der Rede Macht verliehen, helfen zu können, Sie haben Meere durchschifft, mit eine Gemeinde vor Tyrannei und die Ehre ganz Israels zu retten; Sie sind als Bürger einer freien Nation geboren, Sie, Sie allein können und werden in freier Rede dem Czar die Würdigungdes Menschenrechts zu Gemüthe führen. Das Schicksal von zwei Millionen Brüdern soll und wird begeisternd Ihrem Wirken Kraft verleihen , und der wunderthätige Gott wird daö Herz des nordischen HerscherS vor einem andern Moses erweichen. Unsterblicher Ruhm, der Zeitgenossen Segen, des eigenen Herzens hehercs Gefühl und unser tiefster Dank wird dem Retter lohnen. Eperies am 12. Februar 1845. Dr. pliilos. S al. Mar k. Schiller, Rabbiner. Die Vertreter der Gemeinde: Nikolaus Bach, ' - 0r. med., ordentl. Mitglied der Kömgl. Ungar. Naturforscher Gesellschaft, H. Physikus des lobt. Seröser Komicats. Leo Janowitz, Sal omon Holländer. Eperies am 12. Februar. Diese Woche verläßt der evangelische Pfarrer Herr Moritz Kolben ha yer .unsere Stadt , um einem ehrenvollen Rufe nach Dodenburg zu folgen.' Dem tiefen Bedauern seiner Gemeinde gesellt sich das der Israeliten in gerechter Innigkeit bei. In seinem vorurtheilsfreien Gemnthe ist ,,die christliche L i e b en nicht bloß e Phrase geblieben, und sein beredter Mund scheute sich nicht sie auözusprechen. Mögen einige seiner vor Kurzem gesprochenen bereits m Druck erschienenen Worte, die auf christlicher Kanzel einer Ungar.-cvangel. Gemeinde gegenüber allerdings Bedeutung haben, hier Platz finden. ,,Ein Volk, das in der Schrift sogenannte Lieblingsvolk Jehovah's, irrt seit Jahrtausenden, heimatlos, geächtet, verfolgt und geschmäht auf dem Erdboden umher. ,,,, Sie haben den Heiland der/Welt gctödtct, und ihr trauriges Loos i|t ein wohlverdientes" ", lautet das allgemeine Verdammungsurthcil./ Dies haben ihre Vorfahren gcthan, müssen noch die späten Enkel die Schuld ihrer Ahnen büßen? — Sie sind von Haß gegen die Christen erfüllt, sie taugen nicht tu die bürgerliche Gesellschaft l" " Zugestanden cs herrschen Laster unter ihnen: sind denn w ir von Fehlern frei? Und wenn jene mehr Untugenden arr isich. hätten j als jedes andere Volk auf Erden, wodurch wärm ' diese hervorgerufen worden?/Ist es nicht der zweitalisendjährige Haß und Druck, denr sie einzig und allein zugeschriebeir werden »rußten? Nährt nicht die Feindschaft, welche sie erl e id en, die andere, welche sie ausüben? -—" Wo ein solcher Geist in der Kirche herrscht, da muß er wohl auch in der Gesellschaft durchbrechen, und wenn auch der feste Bürgersinn bisher dem frornmen Worte undurchdringlich blieb, so hat es dennoch in empfänglicheren Herzen der gebildeten, stndirenden Jugend allhier ein Ziel gefunden, das bei öffentilcherr Anlässen den wahren lairtem Geist der Hunranität im Leben stets bewährt, und was dem jungen Gemüthe bei heiterer F^sstesfreude würdig erschienen ist, das wird wohl dem reifen Alter im ernsten Leben und vielvermögenden Amte achtenöwerth.noch bleiben! — Möge es allen Schöpfern solcher Gesinnungen, wie Herrn Kolbenhayer, stets Mhlergehn!

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