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Der Orient · 1846-03-05 · Heft 10 (5.3.1846) · p. Seite 76

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Seite 76 (sequence 15)
Language
German
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76 Canon eines modernen Rabbiners, / vorgefunden unter den Papieren eines verstorbenen - Rabbinatskandidaten. \ r. . -S . Ich bin der Herr, Dein' Rabbiner, der ich Dich befreit habe aus der Sklaverei -es Glaul(ens und des Denkens. Du sollst keinen andern Rabbiner haben neben Mir-Du sollst an keinen andern Lehrer glauben/ wederoben im Himmel noch unten auf Erden, noch in den Gräbernunter der Erde, seien es die Propheten, seien es die Lehrer deiner Jugend, oder seien es die Weisen Deines Volkes; du' sollst ihnen nichts glauben und sie nicht verehren, denn Ich, der Rabbi, dein- -Herr und Meister, bin ein eifersüchtiger-und neidischer Herr, der die mindeste-Vernachlässigung an Kindern, Kindeskindern und.der ganzen Familie, ja,selbst an Freunden und Nachbaren ahndet gegen meine Widersacher, -der aber Belobung spendet und predigt an Lausende meiner Anhänger, die meine Gebote beobachten. - .V . rr. , '* Du sollst das Antlitz des Herrn , deines Rabbiners, nicht umsonst ■ anschauen, sondern ihm stets nach Verhältniß deines Vermögens, oder auch dar ü der, Geschenkt darreichen; denn der Herr Rabbiner läßt Niemanden ungerupft, der sein Antlitz schaut geschenklos. ... ' \ ' : Hl.; ‘ ' Gedenke des Sabbattages , wie wir ihnverherrlichet" haben. Sechs Lage sollst du arbeiten und all' dein Werk verrichten, und am siebenten Lage — ebenfalls; da sollst du aber eine Stunde oder zwei'ausruhen von aller geistigen Lhätigkeit und Verrichtung, indem du meine Predigt in dich auf- - nimmst, du und dein Sohn und deine Tochter, dein Knecht und deine Magd und all" dein Vieh und auch der Fremde, der zu deinen Lhoren gehört.- Denn sechs Lage thut und verrichtet der Herr Rabbiner nichts, auf daß er predige am siebenten Lage, darum hat der Herr, dein Rabbiner, dir besohlen, sechs Lage lang zu arbeiten, auf daß du am siebenten von dein Ertrag deiner Arbeit ihm spendest und dafür dich langweilest; dazu hat die Rabbinerversammlung den Lag des Sabbats gesegnet und. ihn'geweihet. IV. , . - ‘ Ehre die „Männer, die im Amte stehen", auch wenn sie es nicht verdienen, und glaube fest an sie, auch wenn sie lügen —. aus daß es dir wohlergehe und du -als -ein guter, redlicher, frommer und dabei sehr aufgeklärter und vernünftiger Mann gepriesen werdest von der Kanzel. ■ > ' v. - Du sollst nicht grübeln. VI. Du sollst nicht raisollniren.^ ' 7, VN. . Du sollst nicht gähnen. . / VIII. . ' ' - Du sollst deinem Rabbi kein falsches Zeugniß Nachweisen. - ' / ix. / ■' - Du sollst nicht gelüsten die Gefälle Deines Rabbiners. - .x/ Du sollst nicht gelüsten fein Prasidiren, Peroriren, Resumiren, Reformiren,. Verseschmieren, Consirnüren, Deklamiren- Schwadroniren, Anfuhren, Paradiren und Parodiren; Du sollst nicht gelüsten seinen Zuhörer, seinen Protektor, seinen Anhänger, seinen Ochsen, seinen-Esel, noch alles, was deines Rabbiners ist. Oamu806nus. Perfonalchromk tmd Miseellen. -Berlin. Der'hier lebende Dr. M. Landsberg, welcher hier eine lange Reihe von Jahren im Bet Ha-Mid'rasch gepredigt, ist mm am 18. Fcbr. zum Rabbiner in Hi'ldesheim, Bodenhcimers Stelle einnehmend, gewählt worden. Wie man hört wird Dav. Cassel die nun verlassene Klausnerstelle einnchmen. *. * - O stro wo (im GH. Posen). Bei dem hier erfolgten Zusammenrus der Bürger, in Abwesenheit des- Militärs gegen etwaige Eingriffe der Polen thätig zu sein, sind auch die Juden vom Landrathe herbeigezogen worden, und dies mit Recht, da der Schlag doch auch gegen sie gerichtet war. — 4- . * * A m st er dam. Am 8. Febr. d. I. starb hier der allgemein geachtete Dr. Sam. Boas, Ritter d.es niederländischen Lowenerdens, Rathsherr an 'dem Provinziatgerichtshofe von Nordholland. Bekannt in jüdischen Kreisen durch seine Bestätigung der Rechnungen H. Lehrens in Bezug auf die Palästina-Spenden, wurde er von der christlichen Bevölkerung, sehr geachtet und daher sehr oft von ihr zu Ehrenposten gewählt. — * * * Pari s. So eben ist von einem hierlebenden polnischen Inden, der wegen bekannter Zollunglücksfätle die Heimath ^verlassen mußte, ein schönes Werk über die Inden Polens erschienen. Es führt den Titel: „Les :Israelites'de Pologne“ unb der Verfasser heißt L eon Hollaend er ski. Der berühmte Graf Czy nski und der bekannte Gelehrte Ad. Franck haben dasWerk in die literarische Welt eingeführt. * Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Naget.

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