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Der Orient · 1846-03-05 · Heft 10 (5.3.1846) · p. Seite 72

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Seite 72 (sequence 7)
Language
German
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72 und' die hierzu zu bestimmende Summe ist dem Ermessen der Herrn Testaments-Exekntoren dreier achtbarer jüdischer Kaufleute L-e w y, P r i nz und M i l i ch) anheimgegeben. Die unbemittelten Verwandten des Verstorbenen erhalten statt Kapitalien nur die zeither erhobenen Unterstützungen. Hierzu so wie um weiblichen Verwandten' bei ihrer Verheirathung eine. Mitgift, Studirenden, Künstlern und Handwerkern jüdischen Glaubens besondere Unterstützungen vrrabreichen zu können, .soll ein Kapital von mehreren 100,000 Thatern deponirt werden. Jede hiesige wohlthätige Anstalt ohne Ausnahme erhält 150 Thlr..; außerdem jedoch erfreuen sich die Ehebra-Kadischa eines Legats von 1500 Thlr. .und die Waisen-Anstalt eines von 11,000 Thlr. Me.Beiträge, welche der Verstorbene bei Lebzeiten an milde Stiftungen entrichtet hat, werden aus einem zu diesem Behufe zu. bildenden Fond auf ewige Zeiten fortbezahlt. - . t , 25,000 Thaler erhält die Kommunal-Beh'örde zur Errichtung ein er milden Stiftung, welche keine Konfession ausschließen und deren Verwaltung dem Geheimrath und Polizei Präsidenten H ein ke, dem Regierungsrath und Oberbürgermeister Pinder,. sowie den Testaments-Exekütoren überlragen werden soll. An diejenigen Verwandten des Verblichenen, welche bei seinen Lebzeiten keine. Unterstüullg von ihn: erhoben, wird die Summe von 100,000 Thlrn. vertheilt. Auch für die Errichtung eines jüdischen Lehrer- und Rabbiner- Seminars ist eine ansehnliche 'Summe bestimmt. — - - Bei dem am 29. v. M. stattgefundenen Leichenbegängnis des vorgenannten Testators hatte sich auch eine überaus große Theitnähme von^Seiten dcr christliche!: Konfession gezeigt/ der Oberbürgermeister und mehrere Stadträthe, so wie die Ausreuter des Magistrats in ihrer 'Amtstracht und. die Zöglinge der christlichen Waisen-Anstalt folgten dem Leichenznge. Unter den zahlreichen glänzenden Eqnipagen, welche sich in unabsehbarer Menge hinter dem Leichenwagen bewegten, bemerkte man auch die des kommandirenden General Grafen vpn Brandenburg- und des ehemaligen Oberprnsidentrn Dr. v. Merkel, — Westpreußen, 16. Febr. Entschuldigen Sie, wenn, ich Ihnen mein Versprechen, von Zeit zu Zeit Berichte über 'verschiedene Angelegenheiten der Gemeinden und Schuten zu geben, bis jetzt nicht ganz erfüllen konnte-. Der Mensch denkt und der Postillon lenkt. — Wenn mein erster. Bericht mit nicht erfreulichen Resultaten begann und endigte, so soll der heutige nur Erfreuliches mittheilen. Sie wollen mich aber, geehrter Herr -Redakteur, entschuldigen, wenn ich die Grenze meiner Provinz überschreite, und das Zweckmäßige und Erhebliche mitzutheilm mir erlaube, das ich dort gesehen. -— Mein Weg'führtemich durch Stolp m Hinterpommern, woselbst ich mich einige Tage aufzühalten genöthigt fand. Schön früher hatte ich erfahren, daß die Stolper Gemeinde sich rühmlichst vor allen andern, der Provinz muszeichne. Um mich persönlich davon zu überzeugen, ging ich in. die Synagoge, und wollte dem Gottesdienste, dem Probierstein der. geistlichen auch sittlichen Höhe einer Gemeinde, beiwohnen. Schon das Aeußere des Gottes- 1 Hauses machte einen angenehmen Eindruck auf mich, und wie erstaunte ich erst, als. ichhineintrat und die größte Ordnung und Stille — eS waran einem Sabbat — fand. Man hörte' weder lautes Schreien beim ,Hersagen.der Gebete, noch irgend eine andere Geberde, wie solche cliez nous treffen, und die keinigswegs geeignet sind zu erbauen oder irgend einen vortheilhasten' Eindruck, bei Andersgläubigen hervorzubringen, sondern einen musikalisch gebildeten Chor aus der Schuljugend bestehend, fiel ein,, sobald der Kantor, ein gebildeter und mit einer vorzüglichen Stimme begabter Mann, seinen Vortrag beendigt Hatte. Wie ich mir nur einen Gottesdienst in der Synagoge im Geiste vorstellte, , und wie ich ihn vergebens in größern und großen Gemeinden zu finden dachte , traf ich hier verwirklicht.. Alles,, was mau nur in einem.Gotteshanse zu finden berechtigt ist, Würde, Anstand,'die größte Ruhe und Andacht ist hier!. Wahrhaft erbaut und mit dem Wunsche in, allen unfern Gotteshäusern einen solchen Gottesdienst eingeführt zn sehen, , verließ ich das Gotteshaus. — Hier, in unserer Provinz ist Altes noch beim Alten! weder für Schule noch D^uligoge. wird Etwas gethan, und wenn auch wirklich hin^und wieder eine Ausnahme vorkommt , so will dieses ber der Menge Juden und bei solch-bedeutenten Gemeinden wie sie hier allenthalben zu treffen sind,.nur sehr wenig sagen. Zu dieser rühmlichen Ausnahme gehört Mark. F r i e d l a n d, eine von jeher bedeutende Gemeinde, die sich stets durch Wohtthätigkeit, einen Sinn für alles Schöne und Nützliche, besonderö aber durch eine loben§- werthe und nicht genug zu würdigeild.e Liebe zum Frieden anszeichnet. Obgleich diese -Gemeinde bei weitem .nicht mehr das ist, was sie^einst gewesen, - üldem die rcichstell Nlltg lieber nach Berlin, KönigSb'erg're. gezogen, fo werden doch alle Institute, welche in ihrem goldnen Zeitalter.entstanden, ' auch noch jetzt, wenn, auch nicht mit solchen Geldmitteln erhalten. Erst vor einigen Jahren ist eine wahrhaft großartige Synagoge .erbaut und. dn ,^ der gegenwärtige Zeit entsprechender Rabbiner ausgenommen worden, der durch seine gehaltvollen Kanzelvorträge sowohl, als auch durch sein persönliches Mitwirken an der Bürgerschule — welcher bereits in einem früherrr Berichte erwähnt wurde — mit Erfolg wirkt. — Ein neues Schulgesetz für die Provinz Preußen ist so eben erschienen , und wie ich höre soll es auch für die israelitischen Religious- und Elementarschulen Verordnungen re. -bringen; aber von einer bessern und sicherem Stellung der Lehrer, wie dieses bereits in der benachbar-

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