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Der Orient · 1846-03-05 · Heft 10 (5.3.1846) · p. Seite 71

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (5.3.1846)
Date
1846-03-05
Page
Seite 71 (sequence 5)
Language
German
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- 71 [ Provinz. Unter der Maske, sich dem Handel znzuweni den,^ errichteten die Edelleute , welche sich bekanntlich nie um den Handel -gekümmert,- eigene Kaufladen von und für Polen, in der Absicht, die Juden zu Grunde zu richten. Freilich ist dieser Schlag nicht gelungen, da sie mit den Juden nie konkurriren konnten, aber der Verlust konnte die Polen, da sie noch etwas andersl dabei beabsichtigten, nicht abschreck'en, so wenig als je ein Rechtsgefühl dLese Sarmaten von irgend einer That l abhielt. Und dennoch war die neueste Entdeckung? überraschend, und eS bestätigt unsere Ueberzeugung , daß j wir. nie und nimmer von jenem Volksstamme, bei dem f die Civilisatiou noch durchaus nicht dnrchgedrnngen, irgend j etwas anderes als Unheil erwarten können. .8. - z - ' - ■■ i | Breslau, 22. Febr» Ich verzögerte die.Bericht-' j ertheilung über das Testament oder die Verfügung des l verstorbenen Jonas Frankel über sein bedeutendes J hinterlassenes Vermögerr, weil ich erst zusehen wollte, j wie sich die sonderbare Uubestinlmtheit anflösen würde. | Die trockenen Zahlenangaben sind ohnehin durch die j Tagespresse schon so vorweg genommen worden, daß es j sich kaum der Mühe lohnt, dieselbe nochmals zu berich-? ten. Hr. Frankel, früher selbst arm, und. bei allem 1 spätem Reichthnmc die Armnth noch im Herzen tragend) 1 konnte es bei seinem Leben nicht über sich bringen, seine I zahlreichen sehr bedürftigen Verwandten großmüthig zu unterstützen, und kaum haben sie in dm letzten Jahren, wo-der Gedanke ihn schon so oft beschlich,' daß er das große Vermögen doch nicht werde mitnehmen können, eine kärgliche jährliche Unterstützung erhalteil. Mehr als diese ärmlichen Unterstützungen sotten sie auch jetzt rndft0 erhalten, und die Hrn. jüdischen E.recntcren des «Testaments, näullich die Herren Levy, Prinz und Milich, haben keine geringe Mühe, diese Wunde des Testaments zu heilen: Eine Klausel kommt dabei zu.statten. Es soll ein Kapital angelegt werden, um weiblichen Verwandten bei ihrer Verhcirathnng eille Mitgift, den männlichen Unterstützung, wenn sie die Kunst, das Studium, ein Handwerk ergreifen , und da das Kapital nicht bestimmt ist, so steht es bei den Executoren, welche die achtbarstell Männer sind, für den Erblasser human zu sein , die übrigen Stiftungen sind gewöhnlich. Es ist ein Kapital ansgcsetzt, nur jüdische Handwerker und Künstler zu unterstützen; 25,000 Thaler sind zur Verfügung der Kommunalbehörden gestellt um eine Stiftung für Christen zu errichten, imb für die Juden ist 15,000 noch für das Krankenhaus ein Legat hinzugekommen, die übrigen Legate,.sich in Kleinigkeiten und Unzweckmäßigkeiten zersplitternd, sind kaum nennmswerth, und fast scheint es, als sollte es hingchen wie eS gekommen, ohne rühmliche Spur znrücktassend; denn ein Gedächtniß für den Gesunden ist doch wohl besser als eins bei den Kranken, der Schutz vor Armnth doch besser als kärgliches Geben an Anne und die. Unsterblichkeit durch .das Denkmal für den Geist allein dauernd.. — Ich muß eben bemerken, daß bei den kleinen oft sehr unbestimmten Legaten die Rcsormpartei sich geltend zu machen sucht; sie möchte gern dieses für ihre judenfemdlichen Zwecke ausbenten und unterläßt es bei jeder Gelegenheit nicht-, den verstorbenen Kommerzimrath als einen der ihrigen zu verkünden, was aber der'Verstorberie nie war. Jndeß vertrant man dem guten Sinne der Executoren, daß sie für Einflüsterung der Art nicht zugänglich sein werden , wie es doch schon die Gewissenhastigkeit ein Testamentsvollstreckers verlangt.— * I. München, im Januar. In der heutigen Sitzung der Kanuuer der Abgeordneten kam unter Anderem eine Vorstettnllg der israclit. GlanbenSgenossm in Schwaberc und Neubnrg zur Verhandlung. Bei dieser Vorstellung handelte es sich nicht sowohl um völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen, als nur um Aufhebung der vielen, in civilrechtlicher Beziehungnicht mehr als 100 betragenden Beschränkungen und Ausnahmebestimmungen gegen die Inden. — München, im Januar. Bech, Motivirung der Vorstellung der israelitischen Glaubensgenossen in Schwaben und Neubnrg nahm der Abgeordnete, Freiher von Schäzler, auf das in gleichem Betreff von dem Abgeordneten Dekan Bauer in einer früheren Sitzung Angeführte mit dem Bemerken Bezug, daß er gleichfalls der Ansicht sei, es handle sich dermalen durchaus nicht von einer Gleichstellung der Inden mit den christlichen Konfessionen; dieses erwarteten die Bittsteller auch nicht, vielmehr seien dieselben zufrieden, wenn ihnen nur größere Erleichterungen als durch die bisherigen Verordnungen ertheilt würden, worauf sie seines Erachtens auch Ansprüchen tten. Der Abgeordnete, Dekan Götz, schloß sich dieser Ansicht an; er glaube zum Beispiel, 'was .die MaWel betreffe, daß die Juden sich mit Recht über Harte Heklagen. Es unterliege keinem Zweifel, daß es Pflicht der Regierung sei, möglichst schleunig einzuschreilen, und die Kammerwerde gewiß bereitwillig für diese Bitte sich verwenden, eingedenk des Wortes, daß für Alle ohne Ausnahme , eine Richtschnur sein solle, daß wir unfern Nächsten lieben sollen wie uns selbst. Auch die Israeliten seien unsere Nächsten; der Herr, unser Heiland, habe in seinem Beispiele gegen den Samariter bewiesen, wie unchristlich und seinem Geiste entgegen Haß gegen Andersgläubige sei. Hierauf befürwortete der Abgeordnete K. Rath Ney das Gesuch der israelitischen Gemeinde zu München tun bürgerliche und politische Gleichstellung. Auch er, bemerkte er, bezwecke glicht völlige Gleichstellung der Juden mit den Christen, sondern nur Aufhebung der vielen (in. eivitrechtlicher Beziehung nicht weniger als 100) Beschränkungen und - Ausuahttl.Sgcsetze.gegen dieselben, i Breslau, 17. Febr. Wir sind nunmehr in den Stand gesetzt, nachstehende aus glaubwürdiger Quelle geflossene Mittheilungen über das Testament des . jüngst verstorbenen königlichen Kommerzienraths Jonas Frä nk et, welches hier ein nicht geringes Aussehen und Interesse erregt, zu machen. Eine neue jüdische Stiftung für alte und herabgekommene Kaufleute (D\3pt nijWD) soll errichtet werden, 10 *

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