Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1846)
- Date
- 1846-02-26
- Page
- Seite 66 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kundwerbung bestimmt ist, so theile ich ihn hier voll-' ständig mul. Er tautet: - ,,-Seit der Veröffentlichung nuferes ersten Berichts haben in/Beziehnug auf die Verivirklichnng-unserer 'Bestrebungen -mannigfache Ereignisse stattgefnudnr, die uns gegenwärtig zur Abstattung eines zweiten Berichts Veranlassung geben.;!; ■ I. ’ ■ Schon' in unserem ersten Bericht Haben wir der Deputation 'erwähnt, die an die Nabbiilerversanunlurlg in Frankfurt a. M. im Juli 1845 abgevrdnet wurden In der dort mitgetheilten Denkschrift *) haben wir die Motive ausführlich kund gethan, welche uns. zu diesenr Schritte veranlaßt haben. Das Resultat war ganz., so erfreulich, wie wir zu er wart eil berechtigt waren. Bereits in der erstell Sitzung der R. V. fand die Verlesung unserer Adresse durch Herrn Dr. Stern statt, 'bereu Inhalt sichtbar pstnen ernsten und liefen Mn druck altf die Versammlung machte. Nach dem Schbrfse erheb sieh der Vorsitzende der Versammlung, Hr. Dr. L. Stein, .Rabbiner zu Frankfurt a. M., und redete die Deputation mit folgenden Worten an: ,, G eehrte Herren! ,,Nehmen Sie vor Allem nnsern Dank für die Opfer/ welche Sie durch Ihre Reise zu uns im Interesse der guten Sache gebracht,- und für dieanerkennende Ehre, welche Sie unserem jungen Institute dadurch zuDheil werden. ließen. Auch wir, geehrte-Herren, ich glaube es im Nalnen meiner hier vereinigtem. und noch anderer, indieseVersamm lung zu konimen ]' verhindevtet Kollegen sprechen ju dürfen, anch wir habeit Ihren Willen- und Eifer für die uns/ heilige Sache < der Religion und des Fortschritts nicht verkannt. Wir Haben ^besonders. freudig die Wärme, begrüßt,• .-mit. welcher Sie hervortraten, das Hillweifen ans ein Positives, ^dessen Nolhwendigkeit Sie als die sicherste Bediugnißdes Gelingens ausgestellt - haben. Und wenn gleich des Rabbiners'Bestreberl immer und überall neben Würdigung itnb Ver- . wirklichnng der heilsamen Allsprüche, der Zeit, ans Erhaltung des eillheittichen Bandes in der. Gesammtreligionsgemeinde gerichtet bleiben.muß,-.so können, wir doch nicht umhin, Ihr Streben als ein reines inniges' Interesse und nilsere religiöse Allgelegenheften bethatigendes anzuerkennen.. Meine Herren l Wir fühlen , es mit Ihnen und Sie fühlen es mit uns, das Schwierige unserer religiösen Zustände, was auf keine Weise' durch mene Schwierigkeit soll gemehrt werden. Wir führen mit Ihnen und! Sie fühlen mit uns die schmerzliche. Wunde/ woran das Jndenthum, unsere thenre Religion, . leidet, die aus jede Weise von uns zu heilen muß gesucht werden. Deßhatb ist diese verehrte Versammlung zusaulmengetreten, und . wir freuen nutz, Sie alwerthe Gäste in unserer Versammlung zu. begrüßen. Das W-stlere in Betreff'Ihrer geneigten Zuschrift an die Nabbitterversammlung werde/ ich der Berathnng meiner geehrten AlntSbrü- . der unterbreiten, und seiner Zeit.Ihnen die Resultate dieser Berathnng en mitzutheilen, mir zur großen Ehre gereichen// > Unsere DeputirLen nahmen nun im Laufe der Versammlung die Gelenenheit wahr, den wichtigen Verhand- *)'Siehe Anhang des ersten Berichts. Beilage E. lungen, besonders fit Betreff der Liturgie, auf's Aufmerksamste zu folgen. Nicht 11 linder fanden sie Gelegenheit, sich mit jedem einzelnen Mitgliede gellauer über unsere Bestrebungen' zu verständigen und die Ansichten in erfreulicher Weise anszutanschen, und wenn jemals Zweifel über die Zeitgelnäßheit unseres Znsammentretens in uns -hätten aufkommeu können, so würde die kräftige Gesinnung, die sich in der Versammlung, sowohl, wie in Privatbesprechnngen .kund gegeben hat, in uns von Neuem Müth''und Hoffnung belebt haben. . (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Aus Bäiern. Große Wunder geschehen in diesem Lande der neuen Jesuiten. Zn Würzburg ist eine Schaß-- Chebra, welche alltäglich' nach dem Morgengebet die Reise" ins Blaue macht, d. h, deren Mitglieder nicht den Talmud studiren, sondern in dessen wahnwitzigen Konsequenzen der Chillukim und Pilpulim schwelgen. — In H e'idin gsfeld hat sich eine Mischna- Chebra gebildet, die allwöchentlich die Mlschna, ohne Geiger's Lehrbuch zuRathe zu ziehen, anbetet. — Der'Rabb. Bamberg er in Würzburg hat es beim russischen Kaiser durchgesetzt, daß die Juden ganz emancipirt wurden! Doch nein, ich habe mich verschrieben, er bat es durchgesetzt, daß die jüdischen Söldaten der dortigen Garnison Koscherkost bekommen dürfen, ohne daß es der Militärbehörde etwas kostet. Hr. Dr. Adler, Rabb. in Aschaffenburg, .ahmt diese Wunder nach, wie die Zauberer das' der Frösche. . Gott ist groß! — Berlin. Die Reformgenoffenschast hat die Erlaubniß zur Abhaltung ihres Gottesdienstes erhalten, was ganz natürlich, da der Staat in die rel. Angelegenheiten der Juden sich nicht mischt. Das Lokal des Gropius'schen Diorama ist für 1500 Thlr. jährlichen Miethzmns auf einige Jahre hin gemiethet und wird mit großem Glanze eingerichtet. Gebet und Ritual soll vorläufig nicht fmrt, und ebenso kein fester Prediger angestellt werden. Dies ist sehr richtig, da eine voreilige Fixirung den ^Fortschritt vernichten würde. 'London. Der in der Mitte Jan. verstorbene Isaak Cohen, Schwager Rothschilds, hat den vierten Theil seines Vermögens zu wohlthätigen Zwecken verwendet. 21,000 Pfd. Sr. - haben die Wohtthätigkeitsanstalten der Hauptstadt erhalten. * * * Aus Preußen (Gesetzgebung^ . Das am 25. Jan. ausgegebene letzte Stück des vorjährigen Ministerialblattes enthält-folgende .Verfügungen: 1) Jüdische Schulhäuser und