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Der Orient · 1846-02-26 · Heft 9 (26.2.1846) · p. Seite 65

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 9 (26.2.1846)
Date
1846-02-26
Page
Seite 65 (sequence 9)
Language
German
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schütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will'ich mich schon selbst bewahren! — Won . den opferreichen Kämpfen , die Herr, Markus und Herr Leo Holländer ein halbes Jahrhundert hindurch, abwechselnd gegen Bornirtheit und Orthodoxie bestanden, um ihren Gemeinden eine musterhafte Verfassung und" wohlorganisirte Schuten zu geben; von den Kämpfen die Herr M. H.- vor einen viertel Jahrhundert schon und Herr'L. H. bei den jüngsten Reichstagen mehr gegen Lauheit und Dünkel der jüdischen Krosuse als gegen judenfeindliche Gehässigkeiten bestanden, wissen jene Referenten nur das zu erzählen, daß entweder der Vater oder der Sohn es war, der'vom unheiligen Geist der Zwietracht in' einer 'ihrer Gemeinden sich mitSchmerz und Ekel abgewendet. Von dem hiedcrn evangelischen PredigerHrn.Kolbenhayer weiß er nur, daß „er zu den gesegnct- .st e n deutschen Rednern Ungarns gehöre^, (!?!) während dieser Mann als würdiger Gegensatz zu seinen unwürdigen Amtgenossen in Lipsau -— nur so leuchtender in dein Glanze echter Humanität erscheint, als -es in seiner Stellung gerecht ist, Sympathien auszu sprechen, die in dem Schooße seiner Gemeinde auf Antipathien stoßen; denn in Ungarn zählen wir unter unfern evang. Vaterlandsbrüdern eben sowenig „protestantische Freunde^ als eö deren „Lichtfteunde" giebt. — ' Von der Wirksamkeit des Hrn. Dr. Schiller weiß Rest nur die allerdings fehlgeborne Schrift über die R.-V. zu erwähnen, während dieser „Prediger in der Wüste" für seine Umgegend ein wahrhafter Reformator ist, der mit dem schwachen Worte, in kurzer Zeit, . in - weiten Kreisen eine Bewegung hervorgerufen, wie sie einem Dutzend bramarbasirender deutscher Duodez-Rabbiner mit allem Sueeurs ihrer Schmähblätter (die nebenbei bemerkt Dr. Schiller mit verdienter stillschweigender Verachtung gebührend gewürdigt) heraus zu künsteln nicht gelingt. . klebrig ens gönnen wir auch dem Res. -in Nr. 7 die kleine Genugthuung, in jenem frommen Sprößling Preßburgö, ein Individuum gefunden zu habere, das selbst b ei. ih m Lektion in deutscher Sprache nehmen darf, obschon dem guten Manne das „Obskurant thün" im „Rabbones-Brief" zur heiligen Pflicht gemacht worden sein mag. Die Moral hiervon ist: Lassen wir unsere Unbeholftnheit als Honi-Artikel im Lande, und Ein Kornlein Geschichte -wäre uns angenehmer, als ellenlange Berichte über Schlägereien und Gemeiudeunruhen. Prerrzlau, Febr. (Verspätet») Keinem ruhigen Beobachter kann es entgehen, welch unlöblicher Mittel sich heut zu Tage zuweilen manche Volksführer bedjenm, um den -gemeinen Mann zu berücken und zur Unterschrift von Petitionen und Adressen zn bewegen) und nach dem alten Bibelwort 'Ps. 106, 35 bleibt Israel in dieser Manifestationssucht nicht zurück) Wie man hört, erläßt die Genossenschaft für Reform im Judenthnm ejn zweites Rundschreiben an ihre auswärtigen Mitglieder Behufs neuer, weiterer Schritte. Ein Korrespondent des „-Jsraelit" äußert sich bei dieser Angelegenheit, daß dieser musterhaften Strebsamkeit nicht einmal vom ,, Orient" etwas angchäbt wird. Worin besteht die Thätigkeit, die Verpflichtung, die eigentlicheTheilnahme der auswärtigen Mitglieder? sollen diese etwa das Amen intoniren, wenn von Ostern ab Sonntags und an den übrigen christlichen Feiertagen*) im Gropiuöfthen Etablissement tt*n *]ro; /inm gesagt rvird? Diese neue Art von Sektirerei hat keinen andern Erfolg, als daß die gegen alles Jüdischreligiöse Indolenten noch indifferenter werden. Den: frommen, ehrlichen Rabbiner aber bleibt bei so bewandten Umständen nichts übrig, als seine Gemeinde auf.ihren Jrrthnm aufmerksam zu machen, und wenn alles Lehren und Bitten fruchtlos bleibt, ans einer Stellung zu scheiden, in der er für die Erhaltung unserer heiligen Religion nichts mehr wirken kann. Und so darf denn.dieses eben so seltene, als musterhafte Beispiel unseres ehrwürdigen Rabbiners Gerson Asche, ein würdiger Sohn des in der talmudischen Weit sc hochgefeicrten R. Tobia Schlochow seligen 'Andenkens, der Welt nicht vorellthalten, werden. Er hat vor mehren Monaten der Gemeinde getankt, jetzt sein Amt bereits niedergelegt und sich nach Gnescn, Großherz. Posen, in den Privatstand zurückgezogen. Die Anerkelmnng und Achtung einer, solchen Gesinnungstüchtigkelt von Seiten derer, deren Auge noch nicht zu blöde ist, wie das eigene Bewußtsein eines ehrlichen Strebens, werden unfern ehrwürdigen Rabbiner für ein Rabbinat schadlos halten, das nach seinem Dafürhalten aufgehört hat, ihm einen Wirkungskreis zu bieten. . ' M. Berlin, Febr. Die hiesige Genossenschaft für 'Reform im Judenthnm hat so eben einen zweiten Bericht über ihre Thätigkeit veröffentlicht, — der erste wurde im Juli 1845 ausgegeben — begleitet von einem Nnndschreiben, das weiter keinen historischen Werth hat. Der Bericht selbst aber, indem er den nackten geschichtlichen Verlauf dieser Genosseuschaft ohne alle Schminke, und ich mochte sagen ganz objektiv, zur Kunde bringt so glaube ich, daß die Leser des Orients ihn alsAktenstück nicht ungern lesen werden, zumal er nur, a ls Mänuseript gedruckt, in wenige Kreise gelangt. Da er, wie beim AnSthcilen an Befreundete gesagt worden ist, zur *) Wir erkennen jedoch die Großmuth an, mit der man auch dem alten, unmodischm Sabbat sein Recht widerfahren ließ.

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