Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1846)
- Date
- 1846-02-19
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 57 - haben/ so daß bei dem besten Willen und dem eifrigsten Streben des Neligionslehrers keine gedeihliche Früchte aus religiösem Boden zu erwarten stehen; denn der Erwachsene h a t größtentheils sein religiöses System abgeschlossen und die Uebung gesetzlicher Verrichtungennach seiner religiösen Anschauung gestaltet und geformt. Gewohnheit und Neigung bilden bei der Masse, die nicht selbst zu denken gewöhnt ist, eine eherne Mauer, die nicht von den Sturmeswogen beredter Kanzelreden durchbrochen werden können. Man hört zwar mit Vergnügen die schönen Worte an, und ergötzt sich an den blumenreichen Phrasen, aber die That und Gesinnung werden zu keiner höhern Begeisterung fortgerissen, zu keiner Verwirklichung frommer Handlungen die Zuhörer bewogen. In das empfängliche Gemüth der Jugend muß daher frühzeitig der Keim religiöser Gesinnung und Liebe zum väterlichen Glauben gelegt werden, hat er da nicht Wurzel geschlagen oder wird noch gar durch weine vor den Augen der Jugend manifestirendeNichtbeachtung religiöser Vorschriften der fruchtbringende religiöse Boden schon frühzeitig mit den Auswüchsen moderner Afterweisheit angeb an t, dann ist jede Nachsaat des Guten in den reifem Jahren eine vergebliche Arbeit. — Unser Rabbiner, der nunmehr eingesehen hat, daß ein Religionsunterricht, der nicht auf die Kenntniß der h eiligen Schrift in der Ursprach e basirt ist und m dem nur der geistige Abstrakt aus derselben nach willkürlicher subjektiver Auffassung gelehrt wird, keineswegs eine vollkommene Kenntniß des Jndenthums, von der fein Beistand bedingt ist,^ zu befördern vermag, hat nunmehr, gestützt auf das Zutrauen, das er sich erworben und auf die Anerkennung, die feinen Vorträgen zu Theil' wird, an unfern Gemeindevorstand das Gesuch gestellt, daß man ihm ausschließlich die Konfirmation der Schuljugend überweise. Wir hätten freilich gewünscht , daß er dieses Gesuch nicht auf die Konfirmation allein beschränkt hätte, die, wenn wirkungsvoll erst nach einem vorausgegangenen, mehrjährigen Unterricht auf erwähnte Basis folgen müßte , besonders da die Konfirmation auf die gewöhnliche Weise von Hm. Dr. Auerbach, unter , den gegenwärtigen Verhältnissen den "bescheidenen Anforderungen genügt (vergt. unfern Bericht Orient 1844) und unser Rabbiner f;ättc’ daher lieber die Leitung und Ob er aufsich t des Religionsunterrichts beansprechen sollen; allein hat er einmal, wie wir hoffen und wünschen, Viesen Boden errungen, dann wird er auch sicherlich noch jenes erhalten. Von seinem Einflüsse hätten wir alsdann für die Heranwachsende Generation eine neue Blüthezeit religiöser Gesinnung zu erwarten und unter seiner Leitung wird alsdann die Konfirmation nicht ein Ablegen des Religionsbekemttmsses, sondern ein öffentliches Zeugnißgeben sein, daß die Jugend eine^ wahre Kenntniß des Jndenthums besitze und von der göttlichen Lehre durchdrungen sei. Wir nehmen hier Veranlassung den jüdischen Organen einige Vorsicht bei ihren Mittheilungen über unsere Gemeindeverhältnisse aus so manchen nichtosfieiellm Tagesblättern zu empfehlen. So ist z. B. die Mystifikation in der Hanauer Zeitung, daß unser Rabbiner die Feierlichkeit bei der Einweihung des neuen Schnlhauses nicht beigewohnt hätte, weil dasselbe keine Mesusa hatte, in den Orient, den Zionswächter und. den Univers übergegangcn. K—m. Breslau, 12. Febr. (Industrielles.) Der mächtige Zauber, der den blühenden Zustand in die Grenzen eines Landes bannt, die Triebkraft, die das große Schwungrad der menschlichen Denkmaschiene in Bewe- , gnng setzt und 'hält , um dm heimathlichen Wohlstand zu fördern und zu heben, ist die Industrie, ist das gewerbtreibeilde Leben, das sich in den großen Volks- # körper niedersenkt, das in die Massen hineinströmt, und die dort schlummernde schöpferische Kraft zur That entzündet. Es verdient gewiß Derjenige Würdigung und öffentliche Anerkennung, der in seinem Vatertarlde dem großen Jndustriebanm einen Zweig angesetzt, dessen Früchte üppig wuchernd herrlich gedeihen. Vor nicht gar langer Zeit, als man den Runkelrübcnzucker zu produciren strebte, wie gewaltig stemmte sich da'das Vorurtheil, wie kämpfte da die eingenommene Meinung gegen das neue Beginnen. Nur Männer, die für das Wohl ihres Vaterlandes erglühlt sind, besitzen die Kraft und den Muth, jedem Hinderniß die Stirn zu bieten, auf der einmal betretenen Bahn rüstig fortzuschreiten, sobald sie auf derselben die Mittel erblicken, wenn auch nach Mühe und Anstrengung das vörgestreckte Ziel — ihrem Vatcrlande zu bienen — zu erreichen. In nnserm Vaterlaude Schlesien hat der Kaufmann Hr. Salomon S ilb erste in die Runketrübenzuckcr-Fabrikation eingeführt, da er in dem eine halbe Stunde von hier gelegenen Dorfe Rosenthal eine Fabrik errichtete, in der schon seit Jahren mit dem besten Erfolge gearbeitet wird. Abgesehen davon aber, das Hr. S. dm Impuls dazu gab , dieses neue Feld der Industrie anszubreiten, abgesehen davon, daß durch seine Leitung eine der größten Rübenzuckcrsabriken (wie die zu Mechbern) entstand, so hat Herr S. noch auch das besondere Verdienst als ein der tüchtigsten Landwirthe Schlesiens dazustehen. Sein Runkelrüben-Anbau steht allen andern Landwirthen zum Muster da; die Art und Weise der Behandlung seiner Aecker hat so mancher Dominial-Herrschast zum Muster gedient, und dadurch ihren Aeckern einen doppelten Werth verschafft. Auch für die arbeitende Klasse hat er wohlthätig gewirkt, weil er allen andern Landwirthen mit gutem Beispiele vorangegangm, und den Lohn erst wiederum in diesem Jahre trotz den Schwankungen der Zuckerpreise erhöht. Die Fabrik beschäftigt jährlich 170 bis 180 Menschen exel. mehrerer Professionisten permanent, welches bei der heurigen Theurung