Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1846)
- Date
- 1846-02-12
- Page
- Seite 47 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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47 - Aus PreWen, Ende D ecbr. 1845. Da wir jetzt recht eigentlich in dem Zeitalter der Vereine leben, so würde ich für Juden auch einen, und zwar einen Lese- oder vielmehr Nichtlese-Verein Vorschlägen. Es giebt nämlich Buchhandlungen, die bei ihren Verlagsunternehmungen eine. so entschieden judenfeindliche Richtung verfolgen, -daß es schon die Pflicht der Gegenwehr erheischt, ihre Verlags-Artikel, oder wenigstens die Blätter, in welche sie ihren Geifer ablagern, ungelesen, d. h. ungekauft zu lassen, nicht aber durch Beachten derselben zu ihrem Gedeihen noch beczutragen. Eines der berüchtigsten, konsequent jndenftindlichen Blätter ist die bekannte Allgemeine, auch die fromme Augsburgerin genannt. Wir hielten dies jedoch bisher blos für Politik von ihrer Seite. Da —•• so dachten wir — die politistrende, vielschwatzende alte Jungfer nach allen Seiten hin lavirt, um überall bei den Dumbacher-Kränzchen zugelassen zil werden, dennoch aber auch der allgemeinen Dcutschheit ein Privatvergnügen machen, ihren Titel rechtfertigen, dabei jedoch keine Gefahr taufen will, etwa im Fürstenthum Pharao, wo sie auch zwei Abonnenten zählt, verboten zu werden; so muß sie also, unr ihren Zweck billig und bequenr zu erreichen, zu dem beliebten und ehrenwertyen und gefahrlosen Mittelchen, greifen, judenfeindliche Artikel zu bringen; je gehässiger, je besser! Vielleicht auch, so entschuldigten wir noch, sind dies zugleich Brocken, dem baierischen Censur- Cerberus hingeworfen, um ihn sonst freundlich zu stimmen. Diescrhalb, und da wir durch die im Leben erlangte Abhärtung, dergleichen summendes Geschmeiß gewöhnlich nicht beachten, ließen wir uns bisher davon wenig berühren. Anders aber erscheint uns dies jetzt, wo es nicht zufällig sein kann, daß auch die anderen in demselben Verlage, obgleich in einem andern Lande erscheinenden belletristischen Blätter, ähnliche Wege cinschlagen. Hier muß man nur bloßen blinden Judenhaß annehmen, ihn daher in seiner erbärmlichen Blöße darstellen und ihn so der verdienten öffentlichen Verachtung Preis geben. Aus den vielen uns vorliegenden Beispielen, wollen wir einstweilen die der Zeit nach nächsten, aus „Morgenblatt" und dessen edlem Anhängsel „Literaturchlatt" ansühren. Im Morgenblatt Nr. L90 vom 4. Deebr. -1845 heißt es in einem: „Das Londoner Jndenviertel" überschriebenen Artikel: Ich zähle mich nicht zu den Vertheidigern der englischen Eduarde und Heinriche, die für den Zahn eines Inden sich Tausend Pfund ' echter Landesmünze zahlen ließen. Sehe ich aber, was nicht selten ist', ein junges Christenmädchen durch die Straße gehen, angethan und behängen mit dem Flitter- und Trödelstaate eines jüdischen schlechten Hauses , hinter ihr des Teufels Großmutter in Gestalt einer häßlichen Jüdin, deren Hand krampfhaft nach dem Preise für die Schande des Mädchens zuckt, so will michs bedönken, daß eine christliche Regierung keinem Fluch verfallen würde, wenn sie hier mit Härte durchgriffe". — ' \ : Wir würden den Abfasser dieses säubern Aussatzes unbedingt für einen ehrsamen Hamburger Bordettwirth gehalten haben,- der ärgerlich darüber ist, daß in dem freien England dieser anständige und einträgliche Nahrungszweig auch der jüdischen Konkurrenz offen steht, und nicht so wie in. der freien Stadt Hamburg zum allgemeinen Nutz und Frommen — nur das christliche Glanbensbekenutniß dazu privilegirt; —- oder auch auf einen gemüthlichen Süddeutschen, etwa aus den lieben — über — vollen Städten München und Wien, wo bekanntlich Zucht und 'edle Sitte zu Hause ist, rathen; wenn nicht die „christliche Regierung" und noch manches Andere ans.einen Berliner Sprößling hinwiese, der die seiner Vaterstadt eigen ungehörige Entdecknng des ,,christlichen Staates", überall zur Schau tragen will. Nun wohl! Herr Berliner! da Sie sich als Ritter edler Weiblichkeit anfwerfen, und mit kühnem Muthe, wiewohl geschlossenem Visiere, richtiger Bocksmaske, gegen das ganze Londoner Jndenviertel ankämpfen, wollen Sie denn Ihre ferneren Erfahrungen in dergleichen zarten Angelegenheiten aus nichtjüdischem Gebiete nicht auch geneigtest mittheiten? Es läßt sich wohl nicht annehmen, daß Sie Ihr interessantes Studium zum Besten der Menschheit, nur aufs Jndenviertel beschränkt haben, eben so wenig aber auch, daß in London gar keine Christen dieses Geschäft betreiben sollen. Geben Sie unseren Bitten.,nach, erfreuen Sie uns mit weitern Mittheilungcn! Das „Morgenblatt für gebildete Leser", wird sie ja willig aufnehmen und honoriren. — Vielleicht bleiben Sie.gar bei diesen Ihnen liebgewördencn Studium und so hätten Sie jetzt gerade gute Gelegenheit, in Ihrer Vaterstadt, wo zu Neujahr dergleichen Häuser geschlossen werden, noch etwas darüber zu erfahren, wie sich d a das Verhältniß zwischen Christen und Juden dabei verhält. Doch halt! da sind keine guten Aussichten! Wäre was Erwünschtes davon auzuzeigen gewesen, dann hätten sich im Amt ergraute Statistiker eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. Nun genug! Man wird, es uns gern glauben, daß wir froh wären, uns von solchem Schmutz ganz weg zu wenden; doch haben wir leider, noch genug davon vor uns: Das Literatnrblatt. ... . Wer eine merkwürdige Art von Recensivndn lesen will, muß daselbst die des frommen Luden von W. v. Chezy, anssuchttt. Die nicht ganz eine Spalte füllende Beurtheilung des vier Bände starken Romans verräth zür Genüge, daß Herr Wolfgang Menzel denselben nicht gelesen —■ was schon öfter ergötzlich nach gewiesen wurde; wahrscheinlich will Hr. M..so seine Unparteilichkeit bewahren. Dies ist aber auch nicht nöthig, seinen Zweck hat er ja erreicht, und auf Juden Gift und Galle genug 7*