Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-02-05 · 6 (5.2.1846) · p. Spalte 91-92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
6 (5.2.1846)
Date
1846-02-05
Page
Spalte 91-92 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8555529-9897631-9897636--4375-3531985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

91 92 Studien. Talmud, Midrasch, / Tora, Chochma, Ma'ase, faßte, gegeben werden, wodurch sich auch der'Akiba'sche Spruch wie noch mancher andere klar Herausstellen wird. — In der Uebersetzung der Septuaginta^) wird yvcocig fcljon in einem dem Gnosticismus anstreifenden Sinne gebraucht, und im Buche der Weisheit^) steht.es für nDDfl und 51^ in den Sprüchen,/) nämlich von einer HLHernErkenvwiß, die über das historisch Gegebene hinausgeht. Diese Allgemeinheit der Bedeutung erhält aber, je näher man der Periode des Gnosticismus rückt, die specielle Anwendung, wodurch die charakteristische Bedeutung durch den Gegensatz sich klarer herausstellr. Nach Paulus 6) ist die 72/00659 diejenige höhere Erkenntniß und dasjenige klare Wissen von einer Sache, wodurch man die Freiheit erhält, über die gewöhnliche Vorstellung, über das historisch Gegebene in der m?n hinauszrrgehen, oder wodurch die praktische Uebung eines Gesetzes, die thatsächliche Beobachtung eines Gebotes, die riwy'o, da man den höhern Erkenntnißschlüssel hat, etwas Indifferentes wird. Die Anwendung beim Apostel macht es noch klarer. Der Genuß des Götzenopferfleisches wird .nach der Buchstäblichkeit des Gesetzes als verunreinigend und sündlich, als Abfall zum Heidenthum angesehenaber der Apostel meint, daß durch die yvcoGig, durch das tiefere Eingehen in den Geist diefts Gesetzes, durch dH höhere Auslegung (t£m£) oder Studium (niD^n) desselben, indem man das Bewußtsein erlangt, daß die heidnischen Götter gar nicht existiren, bte D'HD TDt eigentlich gar nicht heidnisch, folglich auch nicht sündlich und verunreinigend sein 'können, und.mithin deren Genuß etwas ganz Gleichgiltiges ist./ Noch prägnanter erscheint der Ausdruck yvcoölg in dem Briefe seines Zeitgenossen, des cyprischen Juden Jose Barnaba's, des zum ap»tzolischen Christenthum Convertirten./' Die Gnosis ist nach ihm die geistige Auffassung der in der rmrv niedergelegren Lehren und Gebote, die allegorische Deutung und Auffassung des buchstäblichen, wörtlichen Sinnes der Gesetze, der Liefere, mystische d. h. philosophische Sinn des historisch gegebenen Wortes,3 4 5 6 7 8 9) und eben deswegen die Erhebung über den Buchstaben, die Vergeistigung des äußerlich gegebenen Inhalts der m'iV f° daß die praktische Uebung der Gesetze (ruyyq), das Festhalten an 3) Matter I. S. 119. 125, wo die Stellen angegeben sind. 4) Weish. 10, 11. 5) Spr. 9, 10. 30, 3. 6) l.$ov., 8, 1—4. Siehe Baur, die christl. Gnosis. S. 90—92. 7) Freilich ermahnt er dort dennoch vom Genüsse der TOT' ab, aber nur, wie er ausdrücklich sagt, aus Rück-' sicht für die Schwachen, für die Buchftaben-Mcnschen, wo die Liebe (dydrnrj) die Schonung gebietet. —- 8) Neander, KG. 1. Ausg. 1. 628. 655. Baue I.!. S. 85-89. 9) So faßt auch Clemens von Alexandrien (Strom. VI, 11) die Idee der Gnosis in der typischen und allegorischen Betrachtungsweise auf, wenn er sagt: 6 yv&Gxixog oidev *AC/.T.d XTjV yQCiCpTjV TU. dQ%ald, V.UL TU {IbXloVTCC shuQu* der äußern Hülle des Wortes, nicht nur indifferent, sondern als Verblendung sich herausstellt. Nach seiner gnostischen und christlichen Ansicht, hat Moses nur allegorisch gesprochen, Mcaofjg iv TtvzvfwTi sXdXqGs10 * *); in ber rfnn sind die Typen und Allegorien, die 782/0^x2/«; die wahren Schlüssel, wodurch sie in ihrer pneumatischen Tiefe erschlossen wird, und die nach dem Buchstaben , das praktische Halten eines Gesetzes, ist nach ihm die Frucht-der Verblendung , ein Zeichen der niedrigen Stufe. Die Beobachtung der Speisegesetze, der Beschneidung u. s. w. erscheinen ihm als Verblendung, als Mangel an Erkenntniß, als eine tiefe religiöse Stufe, und er klagt seine Brüder, die Mischnaiten dieser Verblendung an. Nun begreift man "erst die Worte des Clemens, u) wenn er sagt, daß der Gnostiker, sich um das, was geschehen soll. (n&yyD) nicht kümmere, das Wissen ist eine Hauptsache in^n, min, , die That indifferent; die Gnosis ist Selbstzweck (aiziazfjg ^scoQCagi] yvcocig ctvzri). — Hat sich aber bei dem Juden, wie wir aus der Polemik Barnaba's ersehen, als Gegensatz der Gnosis die die praktische Uebung des Gesetzes, herausgestellt, so ist es auch gewiß, daß das Christenthum in der Abstreifung der gnostischen Fesseln, in welchen es' geboren wurde, der yvcaotg die nlczig entgegen hielt, d. h. den Glauben als Fundament des Wissens, als Punkt, wohin alles Erkennen zurückzukehren habe, weil dem Chriftenthume die 7r5or-,.s das geworden, was dem Judenthume die praktische Gesetzesübung (myo). — Eine eigene Frage ist es aber, ob die Gnosis den Juden wirklich als vollständiger Gegensatz zur ri&yyß erschienen, und ebenso ob dem Chriftenthume die Ttiaxig ein solcher Gegensatz der Gnosis wirklich war, wie man gewöhnlich, annimmt. Diese Frage ist nicht schwer zu lösen, da weder im Judenthume, noch im Chriftenthume die Erkenntniß, wenn sie mit der niczig oder der n&yD im Zusammenhänge steht, nicht verpönt sein konnte, und nur die niedrigste religiöse Stufe konnte das Wissen in beiden Religionen ausschließen. In Bezug auf das Christenthum spricht sich der erwähnte Clemens schon ausführlich und treffend aus, wenn er sagt,'/ daß die TtLczig ben SSorrang habe, aber nichts dt.sto weniger steht sie mit der yvcocigtm '.tnnigjhn gegenseitigen Zusammenhang z13) die Gnosis ifb erst die Vollendung der niexig. Und wenn auch die gnostischen Häresien des Christenthums die itlGxig ganz der Gnosis unterordnen wollten, so hat doch das geltende Christenthum sowohl die Ueberschätzung des Glaubens und des Wissens, wenn sie sich nicht durchdringen, stets zurückgewiesen. Dasselbe war im Judenthume/er Fall. Nie ist es den Tannaiten in. den Sinn gekommen, die Gnosis 10) Barnab. Epist. a 9. Vgl. überh. den ganzen Brief. 11) Strom. IV, 22. VI, 12. U) ib. II, 11. 13) ib. II, 4: IIiGzrj xoivvv rj yvcocig, yvcoGxr\ ös Ttiaxig d'ua zivi uv.olov&Lct xe v.ui dvzazoXovd'la yivEvou* Vgl. Strom. V, 1.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.