Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 6 (5.2.1846)
- Date
- 1846-02-05
- Page
- Spalte 93-94 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/8555529-9897631-9897636--4376-3531986- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
94 93 Studien. Der Antignosticismus bei den Tannaim. gering, zu. sch ätzen oder dev so unterzuordnen, daß sie ganz untergeht, oder umgekehrt, die nv/yü, die materielle fleischliche Uebung des Gesetzes, so zu erheben, daß sie auch ohne Wissen, ohne.Gnosis, eine Bedeutung haben sollte; sie verlangten vielmehr ebenfalls eine Durchdringung beider Ele, mente, wie Clemens es im Christenthume verlangt. In diesem Sinne mml ftnb die mischnaischen Lehrsätze zu nehmen und zu verstehen,die ich hier mittheile. 1) Simeon b. Rabban Gamliel sagt: 14) n^DH übx *-|py tfimön h» nicht die (allegorische) Deutung und Erklärung der min, als ein Theil der Erkenntniß oder yvcoaig ist die Wurzel, sondern die praktische Gesctzesübung. Die ist die Wurzel oder. Grundlage, wie die tUczls des Christenthums, von wo aus die Gnosis ausgehen muß; sie bleibt das Gegebene, die historische Grundlage, und die nachkommende Erkenntniß kann davon nicht adführen. Einige gnostische Häresien wollten freilich auf Kosten der Gnosis die ganz vernichten, aber das Iudenthum hat sie überwunden. In Abot de Rabbi Natan l6) findet sich dabei der Zusatz riKDn nosn .nod’.bnm (n nF).N^ onm (n (17rijrp) ntyyD d. h. die Gnosis verschafft noch nicht die (wahre) Kenntniß der Dinge, die Kenntniß der Dinge bringt noch keine Erkenntniß, die praktische Gesetzesübung ist die Hauptsache. Freilich ist damit die nDDD nicht ausgeschlossen. 2) Rabbi 'Akiba (b. Josef) sagt in der schon von Hrn. Gr. erwähnten viertheiligen Tendenz:18) (nn) ’öb fern was aber nichts weiter sagen will, als daß die vorder nODH den Vorzug habe, sie hat ihr voranzugehen, wie Clemens von der niGxig sagt: l9.) 7t£7zr]ys zij tUgxu o yvcoGTixog* Diametral entgegen ist diese jüdische Ansicht der gnostischen Lehre der Valentinianer, welche behaupteten, daß nicht das werkthätige Handeln der pneumatischen Menschen in das Pleroma führt, daß nicht die Ttgä^ig, sondern nur die yvcoGig der letzte Zweck sei.-0) Auf der Stufe der bloßen TtQu'&g, beS werkthätigen Handelns, stehen nach.ihm die katholischen Christen mit ihrer bloßen Tticzig. 21j 3) Rabbi Ch anin ab. D o sa, ebenfalls ein Mischnait, sagte: wyDjyfe rano fe) n^pnc todh innnnD pno n^pHD inDDn |\S\ 2 2) Das Ueberwiegen der itQa&g über die yvcoGig ist, wie schon Elija Wilna erläutert, wenn die Weis- 14) Abot e. 1, .17. - 15) Schon Elija Wilna versteht hier unter die Gnosis, rjDDfin ny'Hb und idenrisicirt sie mit noDn in Abot c. 3, 11. 16) Kap. 22. 1,7) So lieft schon oder versteht wenigstens diesen Ausdruck der. neueste Kommentar der Natan'schen Abot, Elija von Deliatitz, in seinem Kommentar Ben - Abraham (Wilna, 1833. f.) * 18) Abot c. 3, 19. ' 19) Strom. II, 11. 20) Baur l. 1. S. 170. 21) Jrenäus I, 6. 7. 22) Abot o. 3, 12. heit und die Erkenntniß ihr Ziel in der Gesetzesübung sucht, und der Gegensatz, wenn die Weisheit {yvcoGig) als letzter Zweck gesucht wird. — Die interessanteste' Stelle in dieser Beziehungüst aber folgende:-3) 4) pEDtt '21 PH ‘"031 (a5~iba ntru n’3 n"fyn pno cropn (*4 ND’pj? •an (26mip nwya in onp nn^n nri'JDn it nWtJ' rbmi ~idni ND'pj? 'In hjjd nwya ^n.i ioni;idid m hjjm iiD^nnE/bn.1 iio'pn; tont ütd uyj (27cnp nobn .NL-M '1'> N'I2. Aus dieser Stelle ersieht man, wie aus den Schwankungen über den Vorzug der yvcoGig oder der TtQä'gig, wo der antkgnostische Tryfon der Praxis 'Akiba der Gnosis den Vorrang giebt, sich die allgemeine Ansicht herausbildet, daß die Gnosis als die Praxis richtend und bestimmend, von großer Bedeutung sei, mithin beide sich zu durchdringen haben.— Es wird aber auch klar aus den angeführten Stellen, daß ncorj, Emo und ‘"Mfe begrifflich identisch sein müssen, da durch alle erwähnte Stellen ein Grundgedanke sich durchzieht. Daß ttTfifr mit ife identisch sein muß, ersieht man aus den Scheeltot (I. e.), w> es fragend heißt: rv^yoi Ttäbn ntspra diu>d irsu pznp ne/yn , nnp \nv nr , wjran n^n -ipyn Nin tsrncn N? pm , mp nih ntyj?p‘ny.o'?jjtW?\vi fpy no^n nd'p'i in wo &rnD.-mit ~nE>fei ganz für identisch gehalten wird. Aber jedenfalls sah man in der Gnosis, d. h. in der philosophischen Erfassung des Gegebenen in der Schrift einen Stufengang, zu welchem Zwecke mcch die verschiedenen Ausdrücke geprägt worden sind. Midrasch bezeichnet die yevoiisvcc, die Typen und Allegorien der nun, was einen Th eil der Erkenntniß, des philosophischen Wissens jener Zeit, ausmachte, da es in der Bedeutung Auslegung schon in der Chronik vorkommt. Da- . rum wird ^TiO auch streng von nn/IN, von der geschichtlichen (Legendenhaften) Auslegung der Schrift geschieden28), als die erste Stufe in der höheren über die nakte Praxis hinausgehende Erkenntniß angesehen-^), und ihm zugeschrieben, daß er wahre Frömmigkeit in seinem Gefolge habe Man 23) Sifre Dt. e. 41, Kidduschin 40 b, Scheeltot Nr. 7, aus welchen Stellen auch der Ialkut cs ausgezogen. 24) Diese Lesart steht in Sifre, wo aber D\)ptt fehlt, wenn nicht unter Sekenim eben jener Galiläer Jose und'Akiba verstanden wird. 25) Statt hat Sifre nny und Ialkut ib2 ony^ n'22. 26) So die Lesart in den Scheeltot!. c., in Kidduschin 1, C steht bafür Jpn.V nöyyD bx aber der Ausdruck ist richtiger, da ihn auch Sisre hat, wo es heißt wya bv hm '"npbn bra 'v 'hm*-... 27) Die Bescheide Tryfon's und 'Akiba's fehlen in Sifre, zwischen Kidduschin und Scheeltot sind nur unbedeutende Variationen. ü '' 28) Abot de-R. Natan c. 18 und 28. 29) ib. ib. 30) ib. c. 30.