Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 6 (5.2.1846)
- Date
- 1846-02-05
- Page
- Spalte 83-84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Studien. Die Fabricius betrachtet auch dies, und zwar mit mehr Grund, als ein von der kl. Gen. verschiedenes Buch; erwägen wir aber, daß 'ein ,,Leben Adams" sonst nirgends genannt wird, daß Glyeas (s. die Dem. zu III, 2) dasselbe aus der kl. Gen. mittheilt; daß das rov foyopivov ßiov ’Adap" füglich, un d zwar aus dem sog. Leben Adams" bedeuten kann; besonders aber, daß das aus dem ,,Leben AdamS" Mitgetheilte sich genau an das (HI, 3) als der kl. Gen. entnommen, Bezeichnete anschlicßt, so würden wir mit Bredow26) allnehmen dürfen, daß ßlog 'Ada^i eut Theil der kl. Gen. sei. — Fragen wir nun nach dem Zeitalter unsers Buches, so fehlt es uns an direkten Angaben durchaus; ja Glycas sagt (Bem. zu III, 2) ausdrücklich, er wisse nicht von wem und wie es geschrieben sei; indessen Epiphanius citirt das Buch als ein bekanntes, aus demHebr., also schon längere Zeit übersetztes, mithin gewinnen wir als termlnus acl quem den Anfang oder die erste Hälfte des zweiten Jahrh. der g. Z.; etwa 150 höchstens 200 Jahr nach der Zerstörung des zweiten Tempels; jedenfalls ein hohes Alter! — Wollten wir freilich das Zeugniß des Syneellus (HI, 4) annehmen, so wäre es älter als das Christenthum ^) , das möchte indessen vorläufig gewagt erscheinen. -. Sehen wir daher auf die innere Beschaffenheit, und forschen wir damit zugleich nach dem Verfasser. Es .kann uns freilich nicht beikommen für den letzteren eine bestimmte Person ausfindig machen zn wollen, aber es fragt sich, , war er ein Jude oder ein Christ, und wenn ersteres ein Alexandriner oder ein Palästinenser? — Und hier können wir zuerst mit Gewißheit behaupten, daß der Verfasser ein Jude war. Es spricht dafür einmal das cs hebräisch geschrieben war, zweitens daß durchaus nichts Christliches darin vorkommt, nicht einmal eine Hinweisung auf Messianisches; und dies kann nicht zufällig sein , denn Syneellus und die klebrigen würden solche Stellen con amore ausgezogen haben, wie sie es aus dem 'Buche Henoch und andern thun, und es würden bei Zonaras, Glyeaö und zum Theil schon bei Cedrenns nicht solche wegwerfende Urtheile sich finden, hätte das Buch christliche Ideen enthalten^). . 26) I I. p. 36. Er führt als Beispiel einer ähnlichen Konstruktion \wt v.<xL aus Epiphanius an: e%els de'xcti tovzcov rfjv E[xcpaGiv iv tfj Tevegei vlccl nQcazj] ßißlco TtctQci Mavcfj rc. Bei Fabricius kommt auch eine. poenitentia Adam und eine Genealogia Adam vor. — 27) Bredow l. I. 32 sagt, ohne die beregte Stelle aus Sync. zu bemerken. kortaLse jarn a. Chr. ii. scriptus est, et ni fallor, ipse Josephus traditiones Judaicäs ex eo h'ausit. — 28) Und solche anzubringen wäre schon ber dernn ider kl. Genesis ja hinlänglich vorkommenden Geschichte von der Schlange Gelegenheit genug gewesen. — Fabricius will (p. 142) unsrer kleinen Genesis allerdings ein Fragment zuschreikleine Genesis. 84 Ist nun unser Buch jüdischen Ursprungs, so ist wieder einerseits klar, daß es nicht in die Periode der eigentlich sog. apokryphischen Literatur gehört, und es unterscheidet sich von dieser Literatur-Gruppe so augenfällig, daß es unnöthig wäre mehr darüber zu sagen; und dadurch gewinnen wir einen terminus a quo — andrerseits gehört cs aber auch nicht zu den späten pseudepigraphischen Büchern, (obgleich der Name //Offenbarung Mosis" psendcpigraphisch, und deshalb wohl erst spät entstanden ist); denn diese, die aeeenslo d'esaiae, testamenUiin XII patrum, und so zieurlich auch das Buch Henoch u. a. verratheu überall ihren christlichen Ursprung. Aber ebenso augenfällig ist für den Kundigen der Unterschied zwischen der, kl. Genesis und der ale.randriuischen Literatur^). Hier haben wir nichts Philosophisches, Allegorstrendes, Hypostastreudes; sondern es ist verwaltend die Legende, die Ausmalung biblischer Erzählungen, das mehr Sinnliche, kurz das Buch hat den midraschischeu Charakter durchweg. Speeiell erkennen wir hier wieder die Namenfiktion (s. Note 13), die Angabe genauer Zahlen und Daten , wie ja auch das Seder Olam Sulla die Lebensjahre aller VWL? angiebt; wir finden das vvn dem Midrasch durchweg angewendete Prinzip des NNO Tun rnD, .unb.-wo ein Ansatz zu der, der atepandrinischen Schule eigenthümlichen, philosophisch-allegorischeu Deutung der biblischen Fakta oder Gesetze gemacht wird, da bleibt es, wie auch in der Agada, äußerlich und oberflächlich^); wie die Deutung der 22 Bücher imb der 40 und 80 Tage der zeigen. — Ist aber unser Buch midraschisch, so ist es hier lvefentlich supranaturalistischer, kabbalistischer, mystischer Art, entgegengesetzt dem mehr rationalistischen, agadischen umd wenn mau will, scholastischen Genre31). Dies den, in welchem non der ftsla accgKacoag die Rede ist; aber dieses Stück, welches bei Sync. 10 v. (!8) ohne'Quellenangabe vorkommt, scheine aus dem Buche Henoch zu sein. Für Fabricius Annahme spricht gar nichts. — Den Ausdruck zvnog (SV, 1) wird wohl Niemand geradezu christlich finden, auch brauche es nicht gerade so in der kl. Genesis gestanden zu haben. — 29) Auch die hebräische Sprache spricht für palästinensischen Ursprung. Die 22 Bücher der heil. Schr. (1tt, l) hat aber doch auch Josephus. — 30) Verglichen mit den phitomschen rc. Schriften, versteht sich; es soll hier weder der Alexandrinismus gelobt, noch der Midrasch getadelt werden. 31) Ich halte diese Einteilung der sämmtlichen Midraschim, auf die. näher einzugehen hier freilich nicht der Ort ist, für durchführbar, nicht zwar durch die Midraschsammlungen, die Verschiedenes durcheinander haben, — obgleich auch hier die Rabbot mehr rationalistischer, der Lanchuma mehr, die Pirke R. Et. ganz, mystischer Art sind, — aber wohl durch die einzelnen Midraschim selbst. Ich halte die Eintheilung auch für fruchtbar und wichtig. Als ein Beispiel der