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Der Orient · 1846-01-29 · Heft 5 (29.1.1846) · p. Seite 33

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 5 (29.1.1846)
Date
1846-01-29
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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- 33 - düng zu treffen. St et Li n, den 15. Decbr. -1845. Das Curatorium der Friedrich - Wilhelms - Schule, gez. Wartenberg. An den Rabbiner Herrn Dr. Meiset. hier. Aus Gberschlesien, im Januar. Der Nothschrei der armen Juden auf der nordischen Folter ertönt durch alle Länder, und doch giebt es noch dmtscheBlätter, die die Maßregeln der Regierung für nothwendig erachten, um die in Grund und Bodeir verdorbenen Inden im Czarenreiche , endlich, zur menschlichen Gesittung heranzubilden. In der Voraussetzung, daß Deutsche zwar in blindem Vomrthcil und kopfloser Nachbeterei, keineswegs aber ans schnödem Eigennutz und feiler Bestechlichkeit s o sprechen können, übernehmen wir es hiermit durch eine Thatsache das Verhältniß der reinmenschlichen Bildung der Juden gegen die der Christen in Rußland, darzuthun. Der Bitligdenkende wird von Russen überhaupt, gleichviel ob Christen oder Juden, in ihrer gegenwärtigen.Lage weder deutsche Ehrenhaftigkeit, noch französischen Hochsinn, noch englische Charakterstärke, so wenig wie tscherkessischen Heldenmuts) erwarten. Nach^ Ablauf des Cartells flüchteten viele Russen, christliche wie jüdische Soldaten und Militärpflichtige, nach Preußen. Der Andrang war so stark, daß der fromme preußische Staat den Bibelspruch: ,,Du sollst den Sklaven nicht seinem Herrn ausliesern" außer Acht ließ, und mit Rußland den Cartellv ertrag erneuete. Als Hauptveranlassung hierzu wurde der moralisch - schlechte Charakter dieser Ueberläuftr allgemein angegeben. Die bereits anwesenden Russen aber wurden nicht ausgeliesert, sondern anderweitig untergebracht. Und diese rechtfertigten in der That die Cartellerneuerung, wenn nämlich der angegebene Grund dazu berechtigte; denn noch heute wird in den Gccnzkreisen selten ein Verbrechen begangen, bei dem nicht russische Ueberlänfer Mitwirken. Dies ist auch ans den Steckbriefen in den dortiger: Lokalblättern klar ersichtlich. Mit gerechter Anerkennung muß man es daher sagen: ,,von denjüdischei:Uebcrläufern ist noch kein Name darunter gesunden worden." Auch in den Festungen, wo sie eine Zeit lang gewesen, wurde ihnen das beste Zengniß gegeben. Wenn dies, noch nicht klar spricht, der wird freilich, auch darin, daß man die Juden nicht auswandern läßt , noch einen Akt der Liebe finden, man will ihnen den Tod im Vater- Lande gönnen. — Niederrhein, 16. Jan. Ich erlaube mir, hiermit weitere Berichte in Betreff der neu sich gestaltenden Organisation der israel. Schule hier mitzutheilen und beginne mit dem Schreibender Jähres-Konferenz an den Oberrabbiner B od e n h e in: er zu Crefeld. ,,Hochwürdiger Herr Oberrabbiner! Ew. Hochwürden habe ich die Ehre/ Ihrem Wunsche gemäß, nachstehend die Beschlüsse der Lehrer-Versammlung, welche am 30. v. Monats in Wevelinghoven stattfand, zur gefälligen Ansicht zu übermachen und um die Genehmigung und Unterstützung derselben zu bitten. Auch bei dieser VersamWlWig war die Zahl der Erschienenen sehr geringe, und wenn auch einige das schlechte Wetter als entschuldigenden Borwand annehmen werden, so weiß ich doch ganz brstümnt, daß auch bei vielen neben einer-unverzeihlichen Lassheit auch ein gutes Stück Eigendünkel, welches mit einer ArtVornehmheit auf unser Wirken herabschaut, an dem Nichterscheinen Schuld ist. Ew. Hoch würden gütiges' Schreiben habe ich in der Versammlung verlesen und es wurde mit der Anerkennung ausgenommen, welche cm so gütiges und ausmunterndes Schreiben verdient. Auch bin ich sehr erfreut, von der Versaunnlung b-eauswagt worden zu sein, Cw. Hochwurden unsern allerherz lichsten Dank hiermit zu bezeugen, und Ew. Hochwurden gHorsamst zu bitten, uns ferner Ihre gütige Theilnahme und Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Ew. Hochwürden empfehlen wir nnS bestens und erwarten mit der größten Ergebenheit und Achtung die Genehmigung unserer Bitte. Im Namen der übrigen Lehrer M. H. Cohen, Sekretär der Lehrer-Versammlung. Grevenbroich, den 1. Januar 1846. Bei der am 30. December 1845 stattgehabten Zusammenkunft, in welcher zugegen waren: I. Äifsgens Lehrer in Corschenbroich, M. Wulf, Lehrer in Rödingen, Ph. Anschel, Lehrer in Viersseu, H. Fried Lände r, Lehrer in Obcrausfem, R. W o lfs d o r s, Lehrer in Neuß, M. Eise nb erg/ Lehrer in Siurzelberg, S. S eb a ch, Lehrer in Wevelinghoven und M. H. E o h er:,- Lehrer in Grevenbroich, wurde einstimmig beschlossen: 1. In der Ueberzcugung, daß ein erhebliches Resultat nur durch allgemeine rege Theilnahme erzielt werden kann, und ermuntert durch dir von Sr. Hochwürden uns gegebene Zusicherung, unser Jrni'stiiut zu fordern, sahm sich die Unterzeichneten, wegen der geringen Anzahl der Theiinehmer an den bisherigen Versammlungen, folgenden Antrag zu stelle): veranlaßt: Den Herrn Oberrabbiner zu bitten, durch die Herren Vorsteher die Hrn. Lehrer zu veraütasfcn, sich künflighim an den Versammlnttgen zu betheiligen, und wurde daher festgesetzt, daß die nächste Versammlung m Crefeld im Mouat Mai abgehalten werde, damit Sr. Hochwürden diese Versammlung mit Seiner Gegenwart beehre und die Verhandlungen in derselben leite, und bleibt es dem Herrn Oberrabbiner überlafsim, tz.cn Tag derselben näher zu bestimmen. 2. Da der Zweck der Gottesdienstlichen Versammlungen Belehrung und Erbammg des Volkes zu erzielen, durch die hierfür vorhandenen uns bekannten hebräischen Werke nicht vollständig erreicht werden kann, sehen die Unterzeichneten den Antrag zu stellen sich veranlaßt : Den Herrn Oberrabbiner zu ersuchen, durch ein Ansschreiben an die Herren Vorsteher zn vrrordnerl, daß die Hm. Lehrer in den nron mbcn einem hebräischen

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