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Der Orient · 1846-01-29 · Heft 5 (29.1.1846) · p. Seite 32

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 5 (29.1.1846)
Date
1846-01-29
Page
Seite 32 (sequence 7)
Language
German
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32 und in Fasset mit Recht oder Unrecht die geeigneteste Persönlichkeit zur Hebung der vielfachen Uebelständein unserer . Gemeinde erblickte, sah sich in seinen heilsamen für die Gesa m m t g eure i n d e und nicht Lin Interesse eirr er Partei berechteten Thätigkeit, von den .Reformern gehemmt und von den Konservativen ohne Unterstützung, und war genöthigt auszuscheiden und den E.raltados Platz zu machen. Es muß den wackern Mitgliedern des Vorstandes nachgerühmt werden, daß sie aufrichtig auf das Wohl der Gemeinde/ ans Hebung der geistigen und religiösen Interessen. bedacht waren, nur daß sie sich in den Mitteln oft vergriffen haben. Die Tendenz des neuen Vorstandes geht vor allem dahin, Fassel's Wahl zu anuulliren und G.'s Stellung zu sichern und Tiktin unter irgend einem Titel anznerkennen. Sie sehen jetzt wohl ein, daß die fortdauernde Sympathie für G. 'nur von seinem Gegensätze bedingt ist; T. und G. sind Korrclata geworden , der Fortbestand des Einen ist immer von dem des Andern abhängig; sie bedürfen einander, wie These und Antithese, und in dieser Erfahrung beruht die Bürgschaft für den Frieden. Freilich sind die Intelligenten beider Parteien des momentanen Streites müde und wünschen nichts sehnlicher als auf eine gute Manier dieses trivialen Streites tos zu werden. Die Parteinamen Geigerianer, TiktinL au er sind fast leere Schälle geworden; man kam durch die täglichen Reibungen zu der Einsicht, daß beide Männer nicht mehr vollständig ihr Prineip vertreten. Der Eigensinn ist nur noch der Kitt, der die beiderseitigen Anhänger mit den Rabbinern ihrer Wahl allerdings lose genug verbindet. — Ein erfreuliches Faktum bildet die feit kurzem znsammengetretene Bürgerresource, an der merkantitische, beamtete und literarische Notabilitäten unsrer--Stadt Th eil nehmen, die jüdische Mitglieder nicht ausschließt, und das Erfreuliche dabei ist, 'daß diese Zulassung der Inden sich fast von selbst versteht, .es wird kaum davon gesprochen. Wenn Sie sich nur erinnern, wie lange die jüdische Kaufmannschaft zu kämpfen hatte, bis sie als Börsenmitglieder zugelassen wurde, so werden sie sich freuen über die Eroberungen, die der Geist der Humanität innerhalb der letzten zwei Jahre hier gemacht hat. —- Die Nachrichten aus Rußland über die systematische Christianisirung bet Juden lauten immer betrübender, die grellen Zeiten der Reccandos und der Lisebuts wiederholen sich für die Juden, freilich mit raffln irier russischer Kniffigkeit. Unsere Presse, die mit zu den liberalsten Deutschlands gehört, verdient Anerkennung,, daß sie ihre Spalten dem gerechten Unwillen über diese sophistische Tyrannei willig öffnet. Stettin, den 24. Decbr. 1845. In der Ueberzeugung daß Sie, geehrter Herr Redakteur, die Spalten Ihrer geschätzten Zeitschrift gerne den Berichten über Humanität der Behörden öffnen', sende ich angebogene Abschrift eines Erlasses des. Curatorinms der hiesigen Friedrichs - Withelms - Schulc (deren fegen t eich es Wirken allbekannt ist) den Schulbesuch der jüdischen .Künder am Sonnabend und Festtage betreffend. — - Cs war bisher ein Uebelstand in unserer. Gememde, daß die Schuljugend an erwähnten Tagen nuser sonst stets gefülltes, schönes Gotteshaus, nicht besuchen kosW-te; dies veranlaßt nun unfern allgemein geachteten und wenn auch still doch sehr thätig wirkenden. Herrir Rabbiner, um' Dispensation der Kinder eindringlich zu Mfei, und wie Sie sehen ist dessen Bemühen mit dem Wüsten Erfolge gekrönt worden; der Herr Obrrbmg,crmrister, als Curator der erwähnten Schule, hat sein «erst M-ztich angetretcncs Amt mit einem schönen Akte der Humanität begonnen, Gott segne den edeln Mann, der so die 'Gewissensfreiheit achtet. — Überhaupt erfreut sich die hiesige israelitische Gemeinde der tolerantesten Behandlung und des kräftigsten Schutzes fämmtlicher Behörden, und ich wüßte keinen einzigen Fall zu berichten, der vom Gegcntheil.zeugle, natürlich wirkt dies auf sämmtliche hiesige EiiiwohWer. Das Aktenstück lautet: „Wir hegen zwar die Ueberzeugung, daß ds>e.Dispensation der jüdischen Kinder, von dem Schul besteche an den Sonnabenden und Festtagen während der Stunden de§ Gottesdienstes und der Predigt in der Synagoge, nicht ohne erhebliche Nachtheile .für die wissenschaftliche Ausbildung dieser Kinder , werde erfolgen können, weil dadurch ans jeden Fall Lücken in ihrer Erkenntniß entstehen, welche auch durch einen länger fortgesetzten Schulbesuch nicht leicht werden ausgefüllt werden. — Da es indessen als Religionsangelegenheit einen Gegenstand betrifft, dessen Nichtgewährung als eine Beschränknug der Gewissensfreiheit betrachtet werden Mmte, so haben wir.den Direktor Scheibert anfgefordcrt^ in jedem besonder» Fälle, wo von den Eltern solcher Kinder die Dispensation erbeten wird, ihnen zwar die Rachtheile für die fortschreitende Entwickelung ihrer Kinder vorzustellm; wenn sie aber dessenungeachtet bei U)mt\ Anträge beharren sollten, ihnen die Dispensalion zu erlheilen. — -Wenn von Seiten der Eltern ein Antrag aus Dispensation nicht gemacht wird, so wird dasNlusbleiben der Kinder, auch all den Sonnabenden als verschuldete und daher straffällige Schul Versäumnis' betrachtet werden. —> Auf jeden Fall ist es dabei wunschmswerth, daß das Ausbleiben der Kinder,, auch wenn die Dispensation erbeten und gewährt ist, auf eine möglichst kurze Zeit und auf bestimmte Stunden,, welche denn. Direktor und den Lehrern der Friedrich -Wilhelms- Schule mitzutheilm sind-, beschränkt, und daß daun auch mit Ernst darüber gewacht werde , daß diese Stunden/von den Kindern auch für den angegebenen Zweck Henntzt werden. — Wir geben Ihnen anheim, darüber' dem Direktor Scheibert angemessene Vorschläge zu. machen, und mit ihm über..die Controllirung nähere Bembre-

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