Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1846)
- Date
- 1846-01-29
- Page
- Seite 31 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — fcuvdj die Wahl des Dr. H i r sch f e td und durch die Jnstituirmrg einer guten Religionsschule kundgegeben. Kosten, eine kleine Gemeinde von 36Mitgliedern. Diese Stadt, in welcher vor vierzig Jahren noch kein Jude übemachtel: durste, hat jetzt einen kleinen aber geschmackvollen jüdischen Tempel, in weichem der Gottesdienst nach der schönsten, musterhaftesten Ordnung mit Begleitung eines musikalisch gebildeten Chors von Dilettanten feierlich unb erhebend gehalten wird/ Durch Bemühung m des ehemaligen wackern Vorstehers H onig, und noch mehr des jetzigen Herrn Brühl, und durch das bereitwillige Entgegenkommen der Gemeindeglieder ist es gelungen, die besten Resultate der liturgischen Diskussionen hier zur Geltung zu bringen. Die Sulzerschen Sylsagogal-Gesänge werden fast schon von jammtlichen Gemeindemitgliedern unisono gesungen und ein -katholischer Organist hat sich dazu erboten, die Choräle einzuüben und bei feierlichen Gelegenheiten, wie Trauungen, selbst zu leiten, wobei cs ihm an Anfechtungen von Seiten der intoleranten katholischen Geistlichkeit nicht fehlt. Der Gottesdienst dieser kleinen Gemeinde konnte ohne Bedenkenden großem und größten Gemeinden des Großherzogthnms als Muster dienen. Ucberhanpt zeigt sich in den ^kleinern Gemeinden der Provinz mehr Sinn für Intelligenz, Geschmack rmd Wgememheit als in den großen, die sich von ihrem Egoismu-s zu sehr beherrschen lassen. Bon welchen Gemeinden gingen die Adressen an F r a n k e l und die Kundgebung der- Sympathie für einen wissenschaftlichen Konservatismus ans? Bon dem kleinen: Pieschen, Wollstein, Epin., Schubin, die großen Gemeinden schämten sich wohl mit Hannover, Breslau, Frankfurt a. M. zu sympathisircn. Sapienti sat. v Hamburg, 15. Decbr. 1845. Am vorigen Freitage (12. Decbr.) folgte seinem fast ein volles Jahr ihm verausgegangcnen Fr.unde und Sinllesgenossen Salomor: Heine in das Jenseits nach Herr Jakob Oppenheimer, einer der um- und einsichtsvollsten Geschästsuiänner Hamburgs. Er starb im 67. Jahre seines thätigen und hilfreichen Lebens, und ein ehrender Nachruf ward ihm in der Börsenhalle vom 13. Decbr. zu Theit.. Besonders hervorzuhebcn war seine Bereitwilligkeit, Rath und Unterstützung zu erthcilen, was er nicht Klos bei der nach der großen Feuersbrnnst (1842) drohenden GeschastSkrisis, sondern auch besonders freigebig gegen arme und fremde jüdische Studirende bewährte. Er sagte sich nie vorn Indenthume los, wie er denn bis an seinen Tod Mitglied des Tcmpelvereinö blieb, -obwohl zwei seiner Töchter an Senatoren verheirathet sind und sein Sohn Mitglied des. höchsten Gerichtshofes für die 4 freien Städte Deutschlands ist. Ist es nicht eine echt deutsch-reichsstädtische Konsequenz) daß cur Jude zwar Schwiegervater zweier Senatoren, rc., aber nicht hamburgischer Bürger sein kann? Wahrlich, man weiß nicht, ob man über solchen Nonsens vor Aerger aus der Haut fahren, oder mephistophelisch lachen soll. C. Heidelbergs 31. Decbr. 1845. Bei Gelegenheit der Feier der Einweihung der neuen Synagoge zu Rohrbach erschien im hiesigen Journal folgender Artikel, der um so mehr der Beachtung verdient, als er aus der Feder des dortigen katholischen Geistlichen floß. „Rohrbach, 16. Decbr. 1845.. Heute wurde die feierliche Einweihung der neuen Synagoge dahier nach der im Programm gegebenen Andeutung durch den Bezirksrabbiner Fürst von Heidelberg vorgenommm. Die Feier war erhebend und erbauend sowohl durch den schönen Gesang, um welchen sich die beiden Schullehrer von hier und Reilingen sehr verdient gemacht haben, als auch durch die vom Rabbiner gesprochene Weihepredigt. Nicht nur der deutliche würdevolle Bortrag und die durchsichtige, wohlgetungene Durchführung des Themas, sondern auch vor allem der reine Gottesdienst und die vortreffliche sittliche Anwendung der Ceremonie war es, was der seltenen Feier eine wahrhaft religiöse Weihe verlieh, und selbst die Gemüther der mit dem Jndenthnm sonst nicht Befreundeten nicht unberegt und unerbaut ließ. Oestere Predigten in diesem Geiste würden wohl einen noch Lebendigeren und nachhaltigeren Eindruck machen, als selbst der Anblick der mit Kunst gefertigten Coteret Tora, d. i. der goldgestickten Gesetzcskrone. Möchte, dem . Wunsche Vieler gemäß, die Rede nebst Nachgebet und Weihegedicht im Druck erscheinen l'f Heidelberg, 1. Januar. Auch in den kleinen israelitischen Landgemeinden unseres Großherzogihums scheint sich ein neues religiöses Leben zu entwickeln. So hat sich in der benachbarten kleinen Gemeinde Leimen vor Kurzen: ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, alle vier Wochen den tüchtigen und durch seine Kanzelberedsamkeit allsgezeichneten Rabbiner Fürst von Heidelberg zu berufen, damit derselbe in gottesdienstlichen Vorträgen die Gemeinde über die betreffenden. Toraabschnitte belehre. Möchte das Beispiel Leimend auch bald bei andern Gemeinden Nachahmung finden. ...a... Bresllrir, 1. Jan.' Freuen Sie sich mit mir,, geehrtester Herr Redakteur! Der Messias ist bei uns im Anzüge! Lachen Sie 'nicht, es ist mein Ernst. Die messianischen Symptome beginnen in unsrer Gemeinde sich zu zeigen. Der Wolf bequemt sich mildem Schaas zu lveiden, der langersehnte, für unmöglich gehaltene Friede, zwischen den gegen einander gereizten Parteien ist aus dem Punkte ratisicirt zu werde::. . Wie das zugeht,. fragen Sie? Ganz einfach. Die Ultra-Reformer, die Betheiligten in der berüchtigten Adresse von hieraus an die R.-B., ans die allein Geiger unter diesen Umständen angewiesen ist, widersetzen sich öffentlich und heimlich der Herberufung Fasset's. Der aktive Borstand aber, der zn den einsichtsvollen Moderados gehört, 5*