Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1846)
- Date
- 1846-01-15
- Page
- Seite 16 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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16 war, d re obenan, ob der neue Geistliche, der seine Studien an einer deutschen Universität gemacht und zu den gelehrtesten Rabbinern unserer Zeit gehört, jene synagogenrechtswidrige und daher schon formell verwerfliche und ungiltige Exkommunikation bestätigen oder aufheben würde. Adler hat nunmehr, wie zu erwarten stand, zuerst den Weg gütlicher Unterhandlungen emgeschtagen und die Einführung mehrerer wesentlichen Reformen in der ,,Dnkes-Plaee-(Haupt-)Synagogue" verheißen, wenn die Burton-Streetgemeinde die ärgerliche schismatische Trennung aufgeben wolle. Bisher ist es jedoch Hrn. A., der ein eifriger Anhänger der tälmndischen Tradition ist und deren Satzungen als einen integrirmden Theil des Judenthums betrachtet, nicht gelungen, eine Verständigung zu erzielen und die gestörte Einheit in der Gemeinde wieder herzustellen. Eine andere löbliche und auch für Deutschland besonders empfehlenswerte Verbesserung ist die von Seiten des O^rabbiners erfolgte Abstellung des Misbrauchs, bei Gelegenheiten wie Trauungen, Konfirmationen, Leichenbegängnissen rc. dem Geistlichen außer den gesetzlichen Gebührerr noch besondere Geschenke an Geld und sonstigen Gegenständen zu machen, wobei der Reichere sich besonders vor andern hervorzuthnn, der Bürger ans dem Mittelstände, um nicht znrnckznstehen, sich über seine finanzielle!: Kräfte anzustrengen und der. Aermere in die Alternative gesetzt zu werden Pflegte, entweder die Lage seiner Familie zu verschlimmern oder ans allerlei Anzüglichkeiten und sonstige Zurücksetzung und Beschämung gefaßt zu stür. Indem Hr. A. bei vorgekommenen Gelegenheiten sehr bedeutende Geschenke dieser Art entschieden zurückwies, gab er, Vater einer zahlreichen Familie, seinen Glaubensgenossen und Kollegen ein nachahmungswürdiges Beispiel edler Uneigennützigkeit und echter geistlicher Würde. (Fr. O.-P.-A.-Z.) Frankreich. Die treffliche Monatsschrift von S. Bloch, der israelitische „Univers", berichtet Folgendes über die jüdisch-französischen Zustände: Das Central-Konsistorium zu Paris ordnet so eben eine allgemeine Uebersicht über die jüdische Bevölkerung des Königreichs. — Das Kollegium der Notabeln des Pariser Bezirks, aus den 15. Decbr. 1845 zusammenberufen, hat sich nicht in genügender Zahl eingefnnden, so daß zur Wähl eines Mitgliedes für das Central-Konsistorium nicht geschritten werden konnte, da nür 48 Wähler zugegen waren. Jedoch ist -am 28. Decbr. die gehörige Zahl zusammengekommen, und Hr. Anspach wurde nun an die Stelle öretnieüx's gewählt. —- Der bekannte Leon Halevy hat ein Werk edirt, welch es unter dem Nam en ln Kreoe tragique die tragischen Arbeiten des Aeschylos, Sophokles und Emipides in französische Verse übersetzt, enthält. Der Minister des öffentlichen Unterrichts hat auf 50 Exemplare für die Bibliotheken des Reichs unterschrieben. — Hr. Lion G oudcheur, ein altes Mitglied des Konsistoriums wurde zum Richter des Handelsgerichts in Metz ernannt. Es ist seit 10 Jahren bereits das vierte Mal, daß dieses würdige Mitglied dieses. Zeichen des Zutrauens von Seiten der angesehensten Kaufleute zu Metz erhalten. — Afrika. Algerien. Die französische Zeitung L’Algerie vom 6. Decbr. theilt über die jüdische Bevölkerung dieses großen Gebietes Folgendes mit: Die beständigen Aufstände und die unaufhörlichen Wlederauflehnungen der arabischen Bevölkerung von Algerien haben dazu beigetragen , die Ergebenheit der jüdischen Bevölksrung daselbst ins Licht zu setzen, und man lenkte die specielle Aufmerksamkeit der dortigen Verwaltung auf die Juden, weil sie die Einzigen unter der eingeborenen Bevölkerung sind, die uns niemals verratheu und welche stets um unsere Sache sich treulich geschaart. Eine so eben erschienene königliche Ordonnanz trifft- Vorbereitung, Urtheile zu sammeln, um die algerischen ' Juden aus ihrem niedrigen und untergebenen Zustande, in welchem sie unter der Willkürherrschast der Türken gelebt, zu ziehen. — Ein junger Orientalist Albert Cohn macht so eben eine Reise durch die ganze Provinz Algeriens zu dem Zwecke, die Wichtigkeit der israelitischen Bevölkerung dieses Landes festzustellen, und die Erkundigungen, welche er angestellt, und die nächstens in einer besondern Broschüre, betitelt: ,,die Juden in Algier" veröffentlicht werden sollen, erlauben dem Publikum wie dem Gouvernement den ganzen Vortheil zu würdigen, den wir noch lange von diesemTheile der eingebornenBevölkerung zu ziehen bestimmt sind, indem er allein die Vermittelung mit den Arabern des Tel, der Sahara, überhaupt Asrrka's bilden kann. — Wir verdanken Hrn. Cohn folgende Notizen, die er aus seiner Reise durch Algerien gesammelt. Bis auf diesen Tag hat man kaum eine ungefähre Zahlenangabe über die jüdische Bevölkerung Algeriens geben können; Hr. C. hat diese nach genauer Ermittelung auf 100,000 Seelen bestimmt. Die vorzüglichsten Gruppen der jüdischen Bevölkerung sind von Osten nach Westen gerechnet: Bona hat 750 Inden; Phili.ppeville 180; Gelma 26; Konstantine 3540; Satif 61; Biskara und die Ziban c* 700; Tugnrt, Ghardia und andere Städte des Wadi-Righ und Wadi-Muzab 3000; Buzada 700; Algier 8500; Blrda 200; Medea 587; Miliana 365; Kalea 19; Scherschell 3, Orleansville 2; Taniet-el-Had 11; Mostäganam 530; Oran 4700; Maskara 750; Tiaret 37; Ttemsen 2700; Selda 8; Dschama-Gha-