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Der Orient · 1846-01-15 · Heft 3 (15.1.1846) · p. Seite 14

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 3 (15.1.1846)
Date
1846-01-15
Page
Seite 14 (sequence 3)
Language
German
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14 ernannte unser Vorsteherkolleginm. Wir :völten rucht von den vier neu cmtretenden Mitgliedern sprechen, da man erst ihre Thaieu abwarten muß, wir wollen lieber den ausgeschiedenen ein Wort widmen. Es sind die Herren Benda, Lehm au u, Muhr und Salo mon Meyer. Herr Benda war Hanpikassiercr d'er Gemeinde und ist in diesem Amte schwer ersetzlich, wenn Rechtlichkeit, strenge Ordnungsliebe und Thätigkeit als die ersten Erfordernisse eines Kassierers.gelten sollen. Diesen Mann auStreteu zu lassen wurde von vielen G'emeindegliederu für ganz unwahrscheinlich gehalten. Herr Lehmann, Redakteur des Magazins für ausländische Literatur, und seit beinah 20 Jahreil die seltene Auszeichnungk öuigl-. besoldeter Beamte zu sein genießend, verwaltete sein Vorsteheramt 12 Jahre lang mit Gewissenhaftigkeit, Geschick und Erfolg. ' Er nimmt vorzüglich den Dank und die Theilnahme derer mit, die es mit Gemeinde und Judenthum noch gut meinen, und sein Ausscheiden ist um so mehr zu bedauern, als cs dem Hauptwählcr durch die Geltendmachung eines verwandtschaftlichen Verhältnisses gelungen ist, feine Mitwähler zn einem unbegründeten Beschlüsse zu verleiten. H. L. war nämlich durch Verschwägerung mit einem andern Mitgliede des Vorstandes verwandt, der Tod hat diese Verwandtschaft dahin gelöst, daß nach mosaischen Gesetzen, so wenig wie nach dem Landrechte, Anstand genommen werden kann, Beide neben einander als Zeugen oder Richter auftretcn zu lassen. Dies entschieden auch bei frühem Wahlen sowohl der Rabbiner wie die Juristen, Tutt? es hätten die jetzigen Wähler sich nur, wollten sie gerecht und unabhängig wählen, erkundigen dürfen; aber sie haben sich vom Hauptwähler durch die Redensart, wie H. L. nicht bleiben könne, da er mit H. V. verwandt sei zureden lassen. Es'dürste dieser Umstand ein Gegenstand reiflichen Nach-x denkenS werden, und vielleicht ein Gegenstand der Untersuchung. So ist durch persönliche Animosität, oder Ueberredungskunst die Gemeinde um den Beistand und den Fleiß eines Mannes gebracht, der nicht nur von der Welt als SchriststeÜer geachtet, von der Regierung mit Vertrauert beschenkt und von allen, die seilt Wirken kennen, geehrt ist, solchemder sich seinen Pflichterl als Vorsteher ganz vorzüglich hingab, und der jetzt eine vieljährige Praxis mit feiner vielseitigen Bildung rrud Kenntnis verbindet. Hr. Muhr und Hr. Me y es sind hier als sehr scharfsinnige Kopse bekannt nud waren außer- .ordentlich thätig in ihrem Berufe. Ersterer ist Mitglied der städtischen Schnlddeputatiou, ein Ehrenamt, das bisher noch keinem Inden vergönnt war, und H. Meyer zeichnet sich.arich durch fdnei: Sinn für Wohlthätigkeit und seine Rechtlichkeit aus. Diese vier Männer waren jedenfalls als Aelteste und Vorsteher der Gemeinde Zierden ihres Amtes durch Klugheit, Rechissmn, Bildung, Fleiß und Achtung, cs wird ein Sporn für ihre Nachfolger sein, ihnen nachznahmen, oder es besser zu machen. —- Die Vorlesungen des Herrn Dr. Sachs sind stark besucht, und auch dem Herrn Dr. Stern fehlt es nicht ail zahlreichen Zuhörern. Es ist jedenfalls ein schönes Zeichen des Fortschrittes in der Toleranz der Ansichten,!., das zwei entgegensetzte Richtungen neben einander die Aufmerksamkeit des gebildeten Publikums in Anspruch nehmen und sie auch' verhältnißmäßig gleich warm finden-können.. Bei Sachs finden sich die frommen Juden in vielen Abstufungen ein, nud auch die' hiesige:: Zierden der'jüdischen Literatur kommen regelmäßig; bei Stern trifft man mehr nichtjüdische Zuhörer und aufgeklärte Inden, den allgemeinen Wissenschaften und dem Kanfmanusstande angehörend. Buoslrnr, 28. Deecmber 1.845* So interessant und fördernd ein Parteienkampf auch ist, fand ich mich dennoch nicht veranlaßt, über den in der hiesigen jüdischen Gemeinde irgend Etwas zu berichten; da man hier selten einen Mann sindet, der aus Ueberzeugnug zu einer Partei hält; sondern zumeist nur solche, die aus,,Nebenfach" oder Farnilienrücksichten parteiisch' sind. Der Beweis für diesen scheinbar übertrieben harten Ausspruch ist bald.gegeben, wenn man auf beiden Seiten, hin und wieder sogar unter den Koryphäen, Leute sindet, die ihrem Leben oder Treiben nach zu der entgegengesetzten gehören. Mindestens ist dann der Heerde, die solche Leithammel wählt und ihnen willig folgt, eine starke Portion Bwnßtlostgkcit nicht abzusprechen, die sich auch zuweilen, wie noch neulich, auf sehr ähnliche Weise kund giebt. Kaum hatten nämlich die Reformer mit der Berliner-Stern-Schnuppe geliebängelt, als auch die Orthodoxen ihrerseits gewichtige Schritte thatcu, um das - uöthige Gleichgewicht herzustcllen. Da sich jedoch Reform >J;nd Orthodoxie besonders darin spalten, daß jene mehr l znm Abstrakten, diese aber zum Konkreten hmneigt; so mußten die Orthodoxe:: ein Weilchen warten, bis sie endlich in der konkreten Persönlichkeit des königlich bairi-' sehen Proselyten und Jesuiten Bonavmtura Maier, Verfasser einer berüchtigten Schmähschrift über die Juden — ihren Mann erwischten. Wollte man schlechte Witze mache::, so könnte man zum Lobe des Herrn M. wc- > uigsteus sagen, daß er gewöhnlich schon nach dem Frühstück nicht ohne Geist war; doch ist es besser sich mit dergleichen.Erbärmlichkeiten gar nicht zu befassen. Genug, ich glaube mit diesen Zeilen bei Ihnen meinen Zweck erreicht, und mein bisheriges — und auch ferneres Stillschweigen, hierüber, genügend entschuldigt zu haben. Heute aber habe ich Veranlassung, Ihnen eine recht erfreuliche Mittheilung und zwar über die gestern, als an: Sabbat Chanuka, von Herrn Dr. Geiger gehaltene Predigt zu machen. Diese Predigt ist — ich erlanbe nür eine moderne Floskel, die hier aber Wahrheit wird — eine That! — Wenn der Prediger den Gemeinden so

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