Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 2 (8.1.1846)
- Date
- 1846-01-08
- Page
- Spalte 21-22 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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2i Studien. Karaiten und Rabbaniten. — Salomon ben Zerucham. 22 von 'Generation zu Generation erhalten hat , so können die Karäer am Wenigsten den Namen einer Tradition für die Lehren -l'eansprechen. Bei den Rabbaniten ist der Begriff der Tradition, wenn man von der orientalischen Anschammgswcise abstrahirt, die historische Fortbildung im Volke, und die Handhabung und Ausübung der Gesetze ist für sie norm- und maßgebend, so daß wo die Gesetzeslehrer selbst in Zweifel waren, sie sich auf . das Volk verließen, das als die wahren Träger der l Tradition, sie vor Verfälschung und Vergessenheit wahrte. So berief ssich schon Hille l aus das Volk, als er eine Halacha vergessen hatte (Pesachim 66 u.). Bei den Rabbaniten konnte daher durchaus kein Zweifel über die Auffassung und Ausübung der Gesetze obwalten, am wenigster: bei solchen, die periodisch, wie die Fest- und! Feiertage , zur Ausübung kommen und wie bei vielen : andern, die vom Leben nicht zu trennen sind; bei den Karaiten hillgegen finden wir nur bei einzelnen gesetzlichen Vorschriften, wo sie die rabbinische Tradition ver- ' lassen, eine vollkommene Uebereinstimmung, wie z. B. die Auffassung deS Verbots . n;nn W?, die Kalenderberechnung, die sie jedoch seit dem 15. Jahrhundert eben^-! falls auf astronomische Regeln basirten, anßerdiesengicbt : cs kein mosaisches . Ge- und Verbot, wo unter ihnen \ nicht eine Meinungsverschiedenheit stattfindet. Wir wollen ihre Speise-, Erb- und Ehegesetze ganz übergehen ' und nur erinnern, wie verschieden ihre Ansichten hinsichtlich der Beschneid,mg am Sabbat sind; wie verschieden,;■ der mosaische Festritus gedeutet wird , da ist die Beden- ' tuug von nynn UV nach einigen ein Blasen mit Instrumenten nach freier Wahl (Ahron b. Et.), nach andern ein Jubeln und Lobsingen Nin nynn D’P -ynrfc-rinnen nirqt&f (Hedesfi in E. H.); ebenso schwankend sind ihre Bestimmungen hinsichtlich des Fest- Z straußes fi), ob solcher als Synagogalritns oder zu der Laubhütte gebraucht werden sollte. Während nun die rabbinische Deutungswesse dieser und ähnlicher Gesetze von keinem bezweifelt wurde und keine Kontroverse hierüber je stattfand, weil die mosaischen Gesetze j im Volke lebten und als historische Wahrheiten der Kri- I tik keinen Raun, gaben, haben sich die Karaiten, weil Z sie die Kluft Zwischen sich und dem Rabbinismus aus einer. Opposition zu erweitern strebten, ihren Standpunkt verrückt und können den vielfachen Inkonsequenzen nicht ausweichen. Und dennoch behaupten sie, daß die wahre Tradition von Jerobeam b en Nebot verfälscht worden sei und daß sie sich nur bei den Nachkommen von Rcchabeam, von denen sie ihre Traditionskette. ableiten, in, ihrer Reinheit erhalten habe *). N',T'minno yv>o r6 iw npnyn Haben aber kic Rabbaniten für ihre Tradition nicht auch ein M") (Erinnerungsbelege). *) Die Karäer wollen schon zur Zeit des 2. Tempels in Die spätem Karäer -fühlten wohl selbst^ wie sehr sie der talnmdischen Stütze bedürfen, so daß sie selbst die hermenentischen Regeln des Talmuds nicht entbehren konnten *) — die aber freilich bei ihnen nicht traditionell, auch nicht ihrer logischen Richtigkeit wegen reeipirt wurden, sondern weil die auf 80 Regeln herangewachsene Argumentationsmethode alle in der heiligen Schrift zu finden sind! (Eschk. Ha-K. 63 ff.) —und geben daher zu, daß tut Talmud viel Wahres enthalten und sein Studium sehr zu empfehlen sei (OrachZaddikim 20 b u. a. m. St.) **). Die Achtung, in der der Talmud bei dm spätem Karäem stand, sticht daher sehr ab von dem erbitternden Hasse und dem sarkastischen Hohne, den \m. in der nachfolgenden Schrift finden werden, woran wohl, die Verketzerungen und Verfolgungen der Karäer von Seiten der Rabbaniten schuld sein mag, oder auch der persönliche Haß auf Saadja, gegen den vorzüglich des Verf.'s polemische Spitze gerichtet ist. Salmon ben Jerocham war ein Zeitgenosse von Josef Kirkesani, (930), Vf's. deS S. ha-Maor, eines gegen Saadja gerichteten dogmatischen. Werkes (Ez Chajim 313) und von Saadja Ha-Gaon. Im Dod Mordechai (S. 123. 115 ecl. Wolff) wird derselbe für den Lehrer von Saadja. ausgegebcn, was aber nach seiner heftigen Polemik gegen ihn sehr nnwahrscheiulich ist. Im Orach Zaddikim (S. 24) wird ein Werk desselben unter dem (Titel 7n niDf&D genannt, das mit unserer Schrift identisch ist. In dem ftpn (bei Wolf Lid. ded. IV. 1072) wird ein p- QklN' erwähnt, in welchem der Vorsänger und die Ge- Zion gewohnt haben. (2 Sam. 5} übersetzt dev Chaldäer mit >npn, die Bewohner dieser Burg hießen demnach >npn \n, woraus sie jopn machten und nachfolgende noch der Beleuchtung bedürfende Stelle als Beweis ihres hohen Alters anführen. In Meg. Ta'anit e. 2 heißt es nämlich: 2'^11'Q (t-ipn) Nipn IpD) n'D 'DD mpo idt nn i'y N’.n ps rnnto ns* in no^'1 3'NDI bfrat»’ vn D’btyn' ’ysb onso ivhp i'tiay D’Nipn nn mura ni’^D nSn nin nn^so ndPi riNa1? di' lniNtyy Dnpyty Dvn iniw dto dwn i^in widot DiD. Die Karäer hätten aber diese Veste wieder erobert und selbst nach der Zerstörung wäre ihnen dieselbe als ihr altes Eigenthum wieder übergeben worden. ()"j n\3Dn DHin.) •) Die hermeneutischen Regeln sind nach Abu-el-Sahl (rpbüD p ‘PHD) i) nyn norm die Vernunft. 2) J?DE'D der natürliche Schriftsinn. 3) die Uebereinstimmung. 4) t^pnn die Parallele. Von Said ben Iefet Ha-Lewi wurde die Vernunft ausgeschlossen , weil die Vernunft mit. dem Gesetz in Kollision komme nDNm *T*nn nyin *0 nyin bw i'n'ty no hidin nnnnt D'iai. (Eschk. ha-K. 65.) ") So sagt auch A. b. I. im Mibchar. „p 'D) Din nis'sn m TN1 nill^m n)Vvn iid^ udj? 'JdS D"N m Dn IJillDN '1DN D’IDNDn D11 '3 HD1?". 9 *