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Der Orient · 1846-01-08 · Außerordentliche Beilage (8.1.1846) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Außerordentliche Beilage (8.1.1846)
Date
1846-01-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 gebiger Mann; aber für derartige Pläne ist er durchaus nicht; seine Lebensansichten, Gewohnheiten und Umgebungen ziehen ihn davon ab, und Sie werden einräumen, daß es ein zweckloses Beginnen sein würde, einen 77 jährigen Mann auf andere Ansichten und Bahnen, als die. er bisher verfolgt hat, lenken zu wollen. — Abgesehen nur hiervon weiß ich nicht, was ich persönlich für die Sache zu leisten im Stande wäre. Es kommt dabei gerade ausschließlich aus solche praktische Kenntnisse an, die mir durchaus mangeln, im Ackerbau, Fabrikwesen u. drgl. — Mich selbst halten Neigung und Gewohnheit verbunden mit der Unmöglichkeit, in einen anderen Welttheil einen Zweig praktischer Thätigkeit, dem ich mich widme und von dem ich existiren könnte, zu finden, vor der Auswanderung aus Europa ab, und an Andere Aufforderungen richten, ohne selbst thätigen Antheil zu nehmen giebt eine falsche, m,isliche Stellung; zudem bin ich nicht der Meinung, daß gerade die Ansiedelung einer großen Anzahl von Juden auf einer und derselben gemeinschaftlich erworbenen Landstrecke so sehr in den Wünschen der Juden liegt und der Sachlage nachzweckmäßig ist. — Gemeinden, denen sie sich in religiöser Hinsicht anschließen können, finden die einzelnen auswandernden Juden in vielen Städten Nordamerikas; und das scheint mir genügend. Auch glaube ich, daß ein öffentlich angekündigter und betriebener Auswanderungs-Plan für Juden in dem immerhin leicht möglichen Fall des Mislingens, in mehrfacher Hinsicht schaden würde. — Es scheint mir daher wünschenswerther, daß die individuellen Auswanderungen, die ja seit längerer Zeit —besonders aus Baiern-—ziemlich zahlreich und, wie man'hört, im Ganzen von günstigem Erfolge begleitet sind, zunehmen, oder daß man sich allgemeineren Unternehmungen theilnehmend und fördernd anschließe, wovon ja eben jetzt wieder in den Zeitungen die Rede ist, als daß ein speciell jüdischer Kolonisations- Plan in's Leben trete. Ich würde diese Bedenklichkeiten für geringfügig halten, wenn ich mit einiger Zuversicht an das Gelingen glaubte; da ich aber diese Zuversicht nicht habe, so kann ich nicht rarhen, ein schwieriges Unternehmen, wie es so oft in unseren Tagen geschiehet, auf die Gefahr des Mislingens hier an die große Glocke zu hängen. Indessen begreife ich sehr wohl, daß man hierin ganz anderer Meinung sein kann; und vielleicht bin ich es selbst in einigen Jahren. Für jetzt aber kann ich lediglich Allem, was in dieser Rücksicht geschiehet, meine lebhafteste Aufmerksamkeit und Teilnahme widmen, fühle mich aber nicht berufen, mich einem Unternehmen anzuschließen, für das ich etwas Erhebliches zu leisten mich nicht im Stande glaube, und an dessen Ausführung ich, so wie ich in diesem Augenblicke denke und empfinde, persönlich keinen Antheil nehmen würde. Mit dem herzlichsten Danke für die freundlichen Gesinnungen, die Ihr geehrtes Schreiben gegen mich ausspricht und mit dem Ausdruck der aufrichtigen Hochachtung, die Ihre Denkweise mir einfloßt, verharre ich Ihr ergebenster. G. Riesser Dr. Im Monat Febr. 1845 reiste ich nach,Frankfurt, um den Herrn von Rothschild mündlich nochmals aufzufordern, meinen Plan zu unterstützen, und um dessen Motive zu erfahren, weshalb er nicht wolle. Ich besuchte denselben in seinem Hause und wurde von Ihm zur Unterhaltung auf das Komptoir beschjeden. Hier wurde ich zu demselben in sein Kabinet geführt, woselbst er mich folgendermaßen anredete: Mein Vater sagte immer: der Jude muß gut und fromm sein, und alles über sich ergehen lassen. Wenn es Gottes Wille sein wird, wird uns Erlösung zu Theit werden. .Das Schicksal der Juden hat sich um vieles gegen früher gebessert. Ich halte Ihr Vorhaben für niEOLP und kann wie schon gesagt, mich nicht darauf einlasien. Hierauf erwiederte ich im wesentlichsten Folgendes. Ich stimme mit den Prinzipien Ihres sel. Vaters ganz überein, jedoch ist es diesem Principe so wenig zuwider wie auch uns Juden nicht verboten, wo es möglich sei, die Erleichterung unseres Schicksals zu bewirken, nun sei solches auch wie die Geschichte lehrt von jeher geschehen. Wäre unser großer Lehrer Mosche nicht energisch ausgetreten, würden wir nicht aus Mizrajim erlöst worden sein. Unsere, alten Weisen stimmen ja auch alle darin überein, daß sogar die uns prophezeiete Erlösung durch unsere Mitwirkung herbeigeführt werden können. Hierauf erwiederte Herr v. Rothschild. Ja! Mosche sei von Gott gesandt. — Worauf ich entgegnete: Natürlich Alles durch und mit Gott. Obschon ich den großen Unterschied zwischen Mosch« und mir erkenne, und mich mit demselben zu vergleichen eine Absurdität sein würde; so stehe ich doch in der Hinsicht mit ihm zu vergleichen, daß ich ebenso wie Er der Ho chb ege Werte, unter göttlichem Einfluß handele, und daher in Ermangelung eines andern erbötig sei, das Unternehmen zu leiten. Worauf Herr von Rothschild erwiederte: zu meinem Vorhaben gehören große Geldmittel, worauf ich sagte; eben diese verlange ich vonJhnen. Worauf Herr von Rothschild: daß er, wie schon gesagt, nichts mit der Sache zu thun haben wolle, und mich .sodann verabschiedete. Während unserer Unterhaltung kschrieb Herr von Rothschild an einem Briefe mit hebräischen Lettern fort. Da ich im Laufe des Gesprächs eine beklagende Bemerkung von denselben gehört zu haben glaubte, wegen der jetzigen Lauigkeit und Uebertretungen im Judenthum, auch die Bezeichung des von mir vorgeschlagenen Unternehmens als niW'.ein* Rüge verdiente, schrieb ich demselben folgenden Brief mit hebräischen Lettern. 'V. h^ttriEDiO ]NB 'N 'ö IHNPib DC03W *piisö '!jD3i “)wm pn1? bn 7mW'n l*in roriNi w "j'N ii\'ii Djnrw’ oyrn nwojJD jwjisd cn jiayarmj;.* K'i in unriN' 12 ind Demja ju»d, n«id IJlDpTnjJDÜIN : IjnUlNNn : ,p5!"jp la ‘i’hj'D jj©byn 1a pjm>^ 1J}-!'1D0JJ}D'^1 -Q'NI'N sj}-0j}33j}1!sp i^ca-iND dni i'^aivn dj} j}p'np P'N ' 1'N — pJQNn |jnJ1t)J?l pjlT’N . Np. sfyn':, DpJia fJU’-N “lJCPN IPJn'N DJ>CD^3ÖPD pj l'D

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