Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-01-08 · Außerordentliche Beilage (8.1.1846) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Außerordentliche Beilage (8.1.1846)
Date
1846-01-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360418-9897691--5274-3531905
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

find seit diesen 12 Jahren solche'Schauder erregende Bedrückungen der Juden m verschiedenen Europäischen Staaten zur Kunde gekommen, und haben mich so sehr empört, daß ich die Freiheit, welche wir im Kurfürstenthum Hessen besitzen, bei den Leiden meiner Mirbrüder nicht mit frohem Gemüche genießen kann, und deshalb war ich bereits im Begriff, da mir früher die Aufforderung eines Einzelnen nicht gelungen war, mich in einer öffentlichen Aufforderung, zunächst an die Juden Deutschlands, eventuell an alle Juden zu wenden, um - dazu mitzuwirken, daß .das in dem obig bezeichneten BriefangegedeuLete Mittel zur Erlösung unserer Mitvrüder aus der Sklaverei, in Ausführung komme. Mein Plan wäre dann kurz angedeutet folgender. — Es tritt zuförderst^ eine Gesellschaft zusammen, welche in Nordamerika eine so große Strecke Land vom Staate erkauft, worauf wohl einige Millionen Menschen wohnen können — die -Mitglieder dies er Gesellschaft betheiligen sich hierbei durch Aktien. — Die Aktie wird zu 100 Lhlr. festgestellt. — Sobald eine erhebliche Anzahl 2(ktien gezeichnet sind, tritt aus der Gesellschaft ein durch Wahl zu be- - stimmendes Komitv zusammen, welches die Statuten entwirft. — Das Komita ernennt eine General - Direktion, welche die Geschäfte der Gesellschaft, nach Bestimmung der Statuten aussührt. — Die Aktien werden sofort eingezahlt, sicher gestellt und von den Zinsen die Kosten bestritten, welche die Präliminarien zum Ankauf des Landes verursachen. Es werden sofort 3 Depulirte nach 2lmerika geschickt, um über dm Ankauf des Landes in Unterhandlung zu treten, und die Karten, Beschreibung, Preis rc. der Direktion einzuschicken, re. Dieser letzte Punkt nun veranlaßt mich, die Veröffentlichung meines Planes vorerst noch einmal zurück zu behalten, und zwar aus dem Grunde, wenn die Sache zur Oeffentlichkeit kömmt, so gehet jedenfalls eine geraume Zeit mitDetiberationen hierüber zu, — der Plan wird bekannt und es könnte sehr leicht auf eine oder die andere Weise z. B. durch Spekulanten oder durch die Regierung Nordamerikas selbst, der Kaufpreis des Landes so gesteigert werden,*) daß wir vielleicht später das Doppelte oder Dreifache zu bezahlen haben möchten', als wenn,sofort nach der ersten Bekanntwerdung des Planes, der Ankauf ge- . schähe.— Ich entschließe mich deshalb nochmals zu veranlassen, daß ein Einzelner, welcher die Mittel dazu in Händen hat, dazu ausgefordert würde, das Werk zu Stande zu'bringen. Dieser würde die Statuten feststellen — die Direktion ernennen — sofort die Unterhandlungen über den Ankauf des Landes mit der Regierung der vereinigten Staaten Nordamerika's einleiten — und alsdann zur Theilnahme auffordern. . Die obige angedeutete Kalamität würde alsdann durchaus nicht zu befürchten sein. — Zu diesem großen Werke der Ueberfledelung der unterdrückten. Juden nach Amerika betreffend, ist Niemand besser geeignet wie der Hochherzige/ mit irdischen Gütern hierzu *) Diese Befürchtung entstand bei mir, indem ich einen einzelnen Staat Nordamerika's im Auge hatte, welcher sich jetzt sehr schnell bevölkert. . Im Allgemeinen jedoch hat diese Befürchtung nicht viel zu bedeuten. B. hinreichend versehene Salomon Heine dort/—- Es ergehet daher an Sie, mein hochgeehrtester HerrRieffer, mein dringendes Gesuch, diesen würdigen Mann dazu zu veranlassen, sich als General-Direktor an die Spitze zu stellen, und daß sie alsdann nach Kräften Mitwirken werden, unterliegt keinem Zweifel, mir aber könnte kein größeres Glück beschieden sein, als wenn ich auch thätigen Antheil an diesem Werk der Befreiung nehmen könnte. — Wenn, (wie unsere Geschichte hinlängliche Beweise liefert) einzelne Männer den Inpuls zur Befreiung ihrer leidenden Mitbürger gegeben, und dieselbe dadurch bewirkt haben, Moses, Nehemias, Esra, Makkabi., Mardochar rc. rc., so war immer der Kampf bei diesen Vorgängen, in der Ausführung in jeder Hinsicht weit schwieriger wie heut zu Lage und ist an einem Gelingen mit der göttlichen Hilfe wohl nicht zu zweifeln. — In der Geschichte und ihrer Wirkung,' 'auch auf die Menschheit im 2lllgemeinen, wird diese Befreiung einen eben so glänzenden Erfolg haben wie die Befreiung aus Egypten. — Die Befreiung der Juden aus dem ' heutigen intelligentesten Welttheil-^-aus Europa?!! wird von den wohlthätigsten und in seinen Folgen unberechenbaren Einfluß aus die Menschheit sein, Europa's kleine und große Anhänger des Pharaonischen Systems werden ans ihrem Taumel erwachen und erkennen, daß der alte Gott Israels noch lebt.— Ich bitte den Himmel uns seinen Segen hierzu zu verleihen, und verharre, eine baldige günstige Antwort von Ihnen entgegensetzend, mit vollkommenster Hochachtung Ihr ergebenster Diener B. B. -senior. . IV. Antwort. Hamburg, d. 20. April 1844. Herrn B. Wehrend sen. m Rodenberg. Hochgeehrtester Herr! Entschuldigen Sie, wenn ich, durch mannigfaltige Arbeiten beladen, Ihr geehrtes Schreiben vom 18. Febr. so lange unbeantwortet gelassen habe, und wenn es mir auch heute nicht möglich ist, den wichtigen, darin besprochenen Gegenstand zu erschöpfen, ich mich vielmehr auf das Nöthigste beschränken muß. —- Wie * man auch über die Auswanderung^- Frage .denken möge, so viel ist gewiß, daß sie von der außerordentlichsten Wichtigkeit ist, und wer weiß, ob sie nicht alle anderen in unserer Zeit verhandelten an Bedeutung überragt! Wer von denen, die an dem Schicksal der Juden innigen Antheil nehmen, hätten nicht Augenblicke, m welchen ihm. die Uebersiedelung nach den Ländern der Glaubensfreiheit, nach großartigem Maasstabe ausgeführt) die rechte und einzig Heilbringende Lösung der endlosen Diskussionen über die versagte Freiheit in Deutschland und anderen Ländern zu sein scheinen! Dennoch kann ich mich für meine Person zu einer bestimmten, aus gesprochenen Thätigkeit sin der von Ihnen vorgeschlagenen Richtung nicht entschlossen. — Ein Hauptpunkt ist, daß Sie dabei von der völlig irrigen Voraussetzung ausgehen, daß es mir leicht gelingen werde, Herrn Salomon Heine zu vermögen, daß er sich an die Spitze eines solchen Unternehmens stelle und ihm pekuniäre Kräfte widme. — Daran ist aber nun durchaus nicht zu denken. Herr H. ist ein sehr wohlthätiger, frei-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.