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Der Orient · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 4

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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Frankel mtb Dr. S ach s in der Michaeli-Messe eingeweihet, eigentlich eine orthodoxe Synagoge ist. Nach den gewöhnlichen Gebeten und nach Anzündung der Chanuka-Lichter, las Hr. Ad/ Je l tin ek, der zeitige Prediger, die betreffenden C h a nuk a - K ap i t el aus den Büchern der Makkabäer in einer wohtgelnngenen deutschen Uebersetzung ab, und hielt hierauf eine ausgezeichnete Predigt über die Bedeutung des Chanukasestes für das Judenthum, über die großartige Makkabäerzeit und ' so weiter, welche die zahlreichen fremden Besucher.aus der Nähe und Ferne, worunter viele aus-Rußland und Polen waren, mächtig ergriff. Wahrhaft erschütternd war die Schilderung von dem jetzigen Antiochus des Nordens, von, den neuesten Verfolgungen des jetzigere Malchut Jawan, die ebenfalls gegen beit Glauben gerichtet sind, hinreißend war die Aufforderung zur Theilnahme, zur Hilfe und der Hinblick auf die Geschichte, wie die Juden und das Jlldenthnm alle Tyraunen-Dynastien überlebt und durch seine Ausdauer überwunden, und man sah so manchen Greis aus jenen: Lande, so manchen warmen Freund der Glaubensbrüder in Thränen! Eine solche schone Chanuka-Feier veranstaltete die orthodoxe Synagoge, die, ohne damit zu prahlen, das Mizwot- Verkaufen, dis anstößigen oder unpassenden Pijutim und die miszuverstehenden Gebete abgcschafft, die längst die Sitte, die Hastara nichtnach der Regina sondern in feierlicher Deklamation zu reeitiren eingeführt und vieles Andere , ohne daß auch nur eine Spur 'von Dissens sich 'bemerkbar machte. Königsberg, 20. Dec.1845. DiehicsigeJudeure form ist in ein neues Stadium der Entwickelung getreten, nachdem das erste völlig gemisglückt ist. Letzteres bestand darin, deutsche Gebetselemente zwischen die hebräischen cinzuschaltm, was die Frommen insoweit zugeben wollten, als sämmtliche deutsche Gebete zusammengefaßt zwischen dem ersten und zweiten Haupttheile des Gottesdienstes ohne Beeinträchtigung der üblichen Andacht verrichtet werden und so gewissermaßen an die deutsche Predigt sich unmittelbar anschließen sollen. Nach dem Reformbeispiele Berlins aber sind die sogenannten Modernen mit diesem Vorschläge der.rechten Mitte nicht zufrieden und wollen daher einen deutschen Sonntagsgottesdienst veranstalten und zu diesem Zweck auch einen eignen Geistlichen sich erwählen. Hier allerdings ist für Königsberg wie für Berlin der wahrhaft entscheidende Punkt der neuen Religionsbewegung zu suchen und auch zu stndeu. So lange neben dem jüdischen Prediger noch der gesetzkuudige Rabbiner stehen muß, so lange nicht in den Synagogengemeinden, wie etwa in Dresden und Kopenhagen, eine impomrende Persönlichkeit die Gabe der Rede mit der des religiösen Richters'verbindet: so lange wird es der besten Reform im Judmthume an der gehörigen Autorität fehlen, und die Altgläubigen um die Person des Rabbiners, wie die Modernen um die des Predigers sich schaarend, werden sich.ewig mit gegmseitigem Argwohn und Miötrauen betrachten. Aerzte und Kanflcntc, wie sie hier z. B. an der Spitze der Synagogenbewegung stehen , werden nimmermehr den Massen des Volkes Kircheirreformen anfzndringen im Stande sein ] und unsere jüdischen Geistlichen harmoniren in Folge deö eben angedeuteten Unterschiedes so wenig mit einander, daß an eine Vermittelung der extremen Prineipien durch die Wahl eines neuen Geistlichen zu denken schon ersprießlicher Gewinn ist. Zu einer wahren Einheit in dieser Sache wird es hier noch lange nicht, kommen können. Der Staat wartet bekanntlich die religiöse Entwickelung auf dem Gebiete des Judenthums wie auf dem des Deutsch -KathoticiSmnö ruhig ab und huldigt auch hier den: wahren, Principe der Gewissensfreiheit. Ein merkwürdiges Verfahren dagegen beobachtet in Bezug auf angeblich inhuman klingende Stellen jüdischer Gebets- und Religionöbucher, worüber man deutsche Gelehrte so oft streiten hört, unser - russischer Nachbarstaat. Alte jene Stellen werden ohne weitere Untersuchung bei den neuen Auflagen solcher Werke von der Censur erbarurungslos gestrichen und so allem Gewissens simpel mit einem Mal ein Ende gemacht. Daß es freilich dabei nicht an Sinn- und Woriverdrehungen fehlt, ist sehr leicht zu ermessen. (D. A. Z.) Berlin,'24. Decbr. 1845. Von achtbarer jüdischer Seite wird uns folgende verbürgte Mittheilnng gemacht. Der in dieser Zeitung bereits erwähnte russische Ukas gegen die Juden (Nr. 346), nach welchem sie von jedem Ochsen, welcher „koscher" geschlachtet wird, 21 Silberrübel Steller zahlen, alles „trefah" Geschlachtete aber sofort vergraben müssen, wodurch den nicht reichen Inden der Fleischgenuß völlig entzogen worden, habe nämlich bei den pvsinsihen Inden eure solche Betrübniß erzeugt, daß der Rabbiner zu Posen, Hr. Salomen Eger, veranlaßt wurde, hierher zu reisen, um dem russischen Gesandten die Bitte oorzutragen, er möchte bei seinem Herrn dem Kaiser cttic Fürsprache für die armen Juden einlegcn. Der russische Gesandte habe aber dem Rabbiner seilt Bedauern darüber ausgedrückt, daß er in dieser Sache nichts zu thnn vermöge, und ihm dm Rath gegeben, sich deshalb an den König voll Preußen zu wenden. Der Rabbiner habe nun auch bei unferm König Alldienz erlangt, und dieser habe seine Fürsprache zugesagt, zugleich aber auch auf die Juden des Großherzogthums Posen das Gespräch Hingeleitet und dem Rabbiner ganz besonders aus Herz gelegt, seinen Einfluß dahin zu verwenden, daß die Juden sich daselbst immer mehr dem Ackerbau und der Landwirthsihast widmetell. Wenn von den Juden hierin Schritte gethan werden wurden, werde er seine Behörden zur möglichsten Unterstützung anweisen. Der Rabbiner habe nun auch nach seiner Rückkehr nach Posen 'alle Mühe in diesem Sinn aufgebotm, und seine Bestrebungen seien bereits

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