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Der Orient · 1846-01-01 · Heft 1 (1.1.1846) · p. Seite 3

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 1 (1.1.1846)
Date
1846-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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3 Deutschland. Frankfurt a. M., 22. Deebr. 1845. Dr. Ludwig Wihl Hai sich vor einigen Tagen durch das kräftige Auftreten des Deputaten Mathy für Gewissensfreiheit bewogen gefunden, dernselbcn einige seiner auf jüdische Schicksale und Verhältnisse Bezug habender: Gedichte als Zeichen huldigender Dankbarkeit znzuseuden. Die Antwort bietet so viel Interesse dar, daß sie wohl verdient, dem großem Publikum mitgcthcilt zu werden. Sie lautet folgendermaßen: „Hochgeehrter Herr! Ihre verbindliche Zuschrift von gestern, sammt den Gedichten, worin Sie einen dergrößter! Flecken unserer öffentlichen Zustände, die Verkümmerung der staatsbürgerlicher: Rechte der Juden, vor: verschiedenen Seiten beleuchten, habe ich erhalten und danke Jhuer: dafür. Die religiöse und kirchliche Bewegung im Schoost der christlichen Confesstoncn ist der Cmaneipatiousfrage förderlich; Diejenigen, welche sich für die staatsbürgerliche Vollberechtigung der Deaisch- Katholiker: auSfprechcn, würden mit sich selbst in Widerspruch kommen, wenn sie immer noch der Emaneipatiou der Juden entgegen treten wellten. Und eS gibt deren Viele, auch in unserer Kammer. Der Gesichtskreis hat sich erweitert; daS Priucip der Religionssteiheit ist in den Vordergrund getreten , und ich zweifle nicht, daß die Zeit heraimaht, wo man die Anwendung desselben auf die Juden nicht mehr wird versagen können.- Mit der aufrichtige!: Versicherung der Hochachtung ihr ergebener Karl Mathy. Karlsruhe, 20. Der. 1345/' (D. A. Z.) Berlin, 26. Deebr. 1845. Viele Wolken und kein Regen, ebenso hier mannigfaches Streitei: und kein geistiges Leben, keine Wirksamkeit von Resultat/ kein zur Einheit führende Regsamkeit, vielmehr ist es eine Thatigkeit der Auflösung' und des Ansemandergrhens. Die Reformgenosstnschaft geht ihrer völliger: Auslösung entgegen, wenn sie auch in ihrer Aufgelöstheit wie der ewige Jude noch fortbesteht; die Führer sind m Miskredit gerathen, da sich der Eigennutz, ein Stipendium zu erhaschen, deutlich heranSgesiellt, m:d von einer Begeisterung für das vermeintlich Bessere, 'von einer Mission ist keine Rede, so sehr man diese Worte'früher hat klinger: lassen. Außer R e b e::stc i:: und Stern treten die übrigen Deetoren ganz in >cn Hintergrund , und dies muß jene Herren um so empstndlicher berühren, als sie wissen, daß bei diesen: Duumvirat die Suprematie nicht auf größerer Kunde-der Sache, ans geistigen Vorzügen beruht... Die Vorlesungen des Dr. Stern, die in: vorigen Jahre noch ei): Aushängeschild der Begeisterung getragen, obgleich wer nüchterne Theil der Zuhörer in ihnen nur einer: neugesuchtcn Erwcrbsguell gesehen, sir:d in diesem'Jahre außer der Mode, und nur von einer kleinen Schäar von Nefomrgmossen besucht, und man glaubt allgemein, daß sie nicht bis zum Ziele kommen werden. Die diesen Vorlesungen entgegengesetzten Borträge des Hrn. Dr. Sachs habm den doppelten Vorzug, daß sie erstens neu sind, wm> dann, daß sie auf wissenschaftlichem Boden beruh ein und mithin einen Quell Haber:, der. nicht versiegt, der nicht die Zuhörer aus die Länge unerguickt läßt. Dazu kommt noch, daß die Vorträge des Hrn. Dr. Sachs' von einer hinreißenden Beredsamkeit, vor: Gedaulkeu fülle getragen werde»:, so daß cs kein Wunder ist, wenn sie der Reforrnerci vielen Abbruch thün. Wk aber schon diese mislungene Resormspekulation zu em« gewisser: Regsamkeit Veranlassung giebt, so hat eine andere Erscheinung in unserer Gemeinde so eben vorzüglich gewisse Machinationen veranlaßt, die im ersten Augenblicke als eine gesunde Thätigkeit angesehen wurde x ich meine die Vor- . stehcrwahl. Niemand hat wohl, die Unzweckmäßigkeit des alten Wahlmodns, 'die Nochwendigkeit einer zeitgemäßen Umgestaltung desselben tiefer empfunden als der jetzige Vorstand selbst, als die siogrnauntcn Orthodoxen, da die jetzigen Reforn:er, weiche früher Jndiffcrentistett waren, sich um das Indent h nun gar nicht gekümmert. Aber die Vorsteher wußten, nud sie könnten es durch vielerlei Versuche wissen, daß jeder Schritt um Abhilfe jetzt vergebens sein wird; unr dir Reformer wußten e§ nicht, und sie glaubten Wunder was gcthai: zu haben, «.als sie tun einer: neuer: Wah'lmodus einkarnen. Jetzt wissen sie cs auch, da ihnen solcher abgeschlagen wurde'; wie aber, wurde das vor: der Partei ausgebentet, wie wurde cS vor: den hungrigen Kandidaten der neuen Resormgcmeinder: nach aller: Seiten hin verbreitet l Die Vorsteherwahl. wird in alter Weist vor sich gehen und selbst wem: alle Reformer sein werden, so Werder: sie nichts Anderes auörichteu kömimir. — Eine dritte Bewegung bietet der K u l t u r - V rr e i n dar, vor: dessen Nochexistenz man gar nichts wußte, seitdem die bessern, Zu uz an der Spitze, sich von 'demselben zurückgezogen. Den 13. dieses Monats hat er urplötzlich eine General- Versammlung gehalten, worin die Kesormparteiihn ganz ir: ihren Dienst nehmen wollte; cs wurde der frühere Zweck dieses Vereinsganz beii Seite gelassen und ein Versuch gewagt, ob nicht derftlbc im Sinne R ebenst e i n's ncnzugcstaltcn wäre, und m diesem Sinne wurde:: die Fragen zur Abstimuinng gebracht. Allein die Theilmchmer wurden nicht durch Phrasen und Floskeln überrumpelt und der Parteizweck mit seiner: anöschticßenden Tendenzen wurde verworfen. Nächstens soll eine zweite Generalversammlung zmsammenberufen werden, aber es ist zu 'erwarten, daß ainch diese, keinen andern Erfolg haben wird. Leipzig, 25. Dee. 1845- Zu dem ersten Chanuka- Abend hatten wir in der Leipzig-Berliner Synagoge hier znn: ersten Male eine erhebende 'Festseier, die um so erfreulicher ist, als bekanntlich diese Synagoge, von Dr. 1*

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