Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 52 (24.12.1845)
- Date
- 1845-12-24
- Page
- Spalte 827-828 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897757--4320-3531869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I 827 sind, sich zu demselben Gefühle, wie einst das erste Menschenpaar, angetrieben, sehen. Sie werden aber auch, wenn sie erst das Judenthum kennen.und das erkannte verehren gelernt, sich ungeahnt im Besitze einer Reform sehen, derselben, die das ungebildete Bewußtsein erfahrt, wenn es in das Wissen eingetreccn". (Fortsetzung folgt.) Literarische Analekten. Biographie des Rabbi Mair Schiff. (*)ncr pi'nü). R. Wir Schiff, ein Kohen, wurde im Jahre 1608 zu Frankfurt a. M. geboren, woselbst sein Vater R. Jakob Schiff als Rosch Jeschiba talmudische Vorlesungen vor zahlreichen Zuhörern bis in's späteste Alter gehalten. Seine früheste Jugendzeit, die er wahrscheinlich in seiner Geburtsstadt Frankfurt verlebte, ist wie die der meisten Rabbiner des ganzen Alterthums uns wenig bekannt. Denn ein Rabbiner war sonst zu bescheiden, um sein Dasein für so wichtig und bedeutungsvoll zu halten, daß er. selber die Momente seines Lebens analysi'ren und der Nachwelt produciren.sollte, und ein Anderer etwa ein Nachkomme, Schüler oder Freund glaubte demVerstorbenen durch Herausgabe von "dessen Werken mehr als durch Biographien zu nützen, weil Thatsachen besser als Lobeserhebungen sprächen. Doch muß er über alle Talmudjünger seiner Vaterstadt hervorgeragt, die Bewunderung seiner Zeitgenossen erregt, und einen bedeutenden Ruf sich frühzeitig erworben haben, da er siebenzehn Jahr alt, um das Jahr 1625, zum Rabbiner in Fulda, einer damals sehr bedeutenden jüdischen Gemeinde, erwählt wurde. Hier fand er viele Gelehrte und besonders viele Talmudjünger vor, weil in Fulda schon früher große Rabbiner ihren Wohnsitz aufgeschlagen, talmudische Vorlesungen gehalten, und sich und der Stadt einen bedeutenden Ruf erworben hatten. Vor diesen zahlreichen Schülern erklärte er den Talmud mit vielem Scharfsinne, machte wichtige und triftige Bemerkungen, und ging genau und umständlich auf alles Einzelne ein; aber stets hielt er sich an den zu besprechenden Gegenstand , au die zu lehrende Materie, und nur selten schweifte er hinüber zu Fremdartigen, holte solches herbei , und suchte es hier zu verarbeiten. Diese Bemerkungen schrieb er in einer kurzen, weniger bündigen und 'darum schwer verständlichen Sprache nieder; denn sein merkwürdiger Scharfsinn ließ ihn" nicht den Gedanken genau und ausführlich wiedergeben; sondern Alles nur in wenigen Worten und abgebrochenen Sätzen andeuten, die allerdings dem Leser den Vortheil gewahren , Stoff zum Selbstdenken 1) S. Seder ha-Dorot, wo im Nachtrag? am Ende R. Pinechas und Ein Schüler erwähnt wird. 828 zu erhalten, ihm aber auch oft die Zeit bei Kleinigkeiten rauben. Er hat in diesem seinem Kommentar große Aehnlichkeit mit R. S a m u e l E d e l es, indem Beide sich streng an das Gegebene und Vorliegende halten, selten Fremdes und Fernes herbeiziehen, und in weite Diskussionen sich nicht ein- Laffen; doch ragt unser Schiff über Jenen durch noch größeren Scharfsinn, blitzschnellen Geist und hellleuchtenden Verstand hervor, während Jener mit mehr Ruhe, Klarheit und Deutlichkeit seine Gedanken kurz wiedergiebt. Der Kommentar erstreckte sich auf alle Traktate des Talmuds, und wurde vom Jahre 1627 bis 1636 -) jabgefaßt. Doch ist das Meiste von diesem verloren gegangen , und nur der aus Beza, Ketubot, Gittin, Baba Mezia, Chulin ziemlich vollständig, hingegen der aufSabbat, Megilla, Baba-Kamma, Baba Batra, Sanhedrin, Sebachim sehr unvollständig übrig geblieben.' — Er war allem Anscheine nach sehr biedern Charakters, ernst und fest, trat offen gegen Jrreligiösität caif, und schenkte nicht das Urtheil der Hohen und Niedrigen, ob auch sie auf gefüllten Geldsäcken saßen, oder in reichgeschmückten Gewändern einhergingen; doch mag er wohl, wie gewöhnlich Männer offenen Charakters, seines Zornes Meister nicht immer und nicht ganz gewesen sein. So greift er heftig, vielleicht etwas zu heftig am Ende des Kommentars zu Gittin die Reichen an, welche den Sabbat entweihen, Verbotenes essen und trinken und der Unkeuschheit nicht abhold sind, und die dennoch dem frommen Gelehrten sowohl in häuslicher Ehrerbietung und Achtung, als auch in öffentlicher, namentlich beim Aufrufen zur Tora vorgezogen werden. Ob er bis gegen fein Ende in Fulda geblieben, laßt sich nicht genau ermitteln, und nur von dm Jahren 3) 1628, 30, 31 Nachweisen, doch das Jahr 1635 scheint er in Schmalkalden, das unfern Fulda liegt, verlebt zu haben, da er in der Mitte des Traktats Chulin den dritten Perek mit den Worten schließt: pbp^NDtSO 'rf'iyu und am Ende dieses Traktats derselben Stadt erwähnt. Man wolle aber aus diesen Stellen nicht entnehmen, daß er etwa in Schmalkalden Rabbiner geworden, da von dieser Veränderung weiter keine Spur zu finden. Hingegen wurde er im Jahre 1644 nach Prag berufen, starb jedoch bald" daraus, wahrscheinlich in Prag, 36 Jahre alt. Er hinterließ 'einen berühmten-Namen und einen weit verbreiteten Ruf, so daß David Gans von ihm behauptet: es habe sich dem R. Mair Schiff der Prophet Elias offenbaret. ' 2) Denn am Schluffe von Beza bemerkt er -myn. -^3 )du np ißton ms ,m\ tto 'dd vid«d wn ■\>*b iW, und am Schluffe von Chulin t>N‘n rrtfjn pD^ 13% LDW ÜV ■]mbpbitüW HD V'n Vfiyi. 3) Denn in dem am Ende' abgedruckten Deraschg-Fragment heißt es: pp .nsenrnn .ntw nmntb wm b’W, beim Schluffe von Baba Kamma : N‘Dp NZ2D Dro mnra rif3 .Dtsrn nunlAnnn? pp r/pW'w und bei Beendigung von Ketubot: nnifD rDDD x-b)3 pp H‘b p"sw Wn 'n \y. \ Studien. Biographie M. Schlff's.