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Der Orient · 1845-12-24 · 52 (24.12.1845) · p. Spalte 825-826

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
52 (24.12.1845)
Date
1845-12-24
Page
Spalte 825-826 (sequence 5)
Language
German
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825 Kritiken. Sachs' „religiöse Poesie der Juden in Spanien". 826 einen Punkte wirklicher Verschiedenheit, dem Christenthum wohl nicht billig erscheinen kann, strenger gegen die Juden, die ihn nicht annehmen, zu denken, als gegen so viele Christen, die, wie wohl Niemand läugnen wird, weder zum lebendigen Glauben, noch zum überzeugenden Begriff dieses Dogma's gekommen sind." So richtig und mit so großer Sachkenntniß die ganze interessante Forschung durchgeführt ist, so ist sie doch von einem rationellen Standpunkte aus abgefaßt und verflüchtigt das Christenthum zu einem rein moralischen Institute, was es nicht ist. Das Christenthum ohne Mysterien verliert seinen specift'schen Religionscharakter. Doch thut dies dem Ziele der Untersuchung, zu zeigen, daß das Judenthuw zur Teilnahme am Staate berechtigt sei, keinen Abbruch. Was der Vers, über den sogenannten „christlichen Staat" sagt , erschöpft den Gegenstand nach allen seinen Momenten und im Ganzen muß die angezeigte Schrift, wohlthätig auf die christlichen Leser eingewirkt haben« Eine Darstellung des Urchristenthums von jüdischer Seite ist für die Religionsgeschichte sehr wichtig. Mnüfm* Die religiöse Poesie der Juden in Spanien. Von Dr. Michael Sachs. Berlin, 1845. 8. Veit und Comp. VIII und 347. Dazu eine Hebräische Beigabe, mit einem eigenen Mel auf der rechten Seitedes Buches: Originale zu den übersetzten Stücken von Seite 30 bis Ende. 51 Seiten. Die hohe Bedeutsamkeit und Wichtigkeit, welche dergleichen Werke haben, wie sie uns gegenwärtig von Sachs, Zunz u. A. dargeboten worden, so wohl für den weiteren Anbau der jüdischen Literatur, wie auch für die richtige Stellung und Entwickelung der jüdischen Geistesthä'tkgkekt, wurde bereits in einem flüchtig skizzirten Literaturberichte in diesem Blatte angedeutet, und eine blose Hinweisung könnte zur Empfehlung derselben für alle diejenigen, die den wahren Beruf der jüdischen Meister in Erforschung der überkommenen Schätze für die geistige Erhebung der Gegenwart sehen, vollkommen genügen. Allein die Seltenheit solcher guten Erscheinungen in unserer an nutzlosen Deklamationen über Reformen und Religionsmachereien sich aufreibenden Zeit, die Verschwendung der besten Kräfte und der mühsam errungenen Kenntnisse für selbstgeschaffene Phantome von Talmudschlächtereien, Messiasaustreibungen tu dergl. machen es der Kritik um so eher zur Pflicht, durch ausführliche Besprechungen und durch Eingehen und Eindringen in das Geleistete, die arme jüdische Wissenschaft, die ohnehin nur auf wenige Kräfte beschränkt ist, weiter zu fordern um die von dem Tagesgeschwätz poch nicht angesteckten Jünger der jüdischen Studien ermunternd anzuregen. Das Vorzüglichste und Wichtigste, was die Juden in der Gegenwart zu thun haben, ist die Erforschung ihrer Geschichte, die trotz ihrer Vielstimmigkeit eine weltgeschichtliche Bedeutung hat, die Ergründung ihrer reichen Literatur, das the'uere Vermächtniß ihrer Altvordern, überhaupt die Beleuchtung des ganzen judenthümlichen Alterthums mit seinen vielfachen Bildungsphasm, weil nur auf diesem Wege das richtige Verständniß der Gegenwart, die aus der Vergangenheit sich herausgebildet, möglich ist, und jede Einwirkung auf die Gegenwart ohne diese Grundlage nur vergeblich angestrebt werden kann. Denn nur die Unwissenheit und Beschränktheit kann über die geschichtliche Erkenntniß des Judenthums— und nach einer geschichtlichen Erkenntniß zielen alle Arbeiten und Monographien über unsere Geschichte und Literatur hin — das lächerliche Unheil aussprechen: sie ist unfruchtbar, sie hat für die Gegenwart, für das Leben, für den Fortschritt keinen Nutzen, als ob die Gegenwart etwas Urplötzliches, Äsolirtes wäre, als ob das Leben'nach seinem geistigen und kulturgeschichtlichen Inhalte ohne die Präcedentim verstanden- und begriffen werden könne und als ob ein Fortschritt ohne Erkenntniß des Standpunktes, von wo aus er vorgenommen werden soll, möglich wäre. ,Hr. S. hat auch dieses Ziel der wissenschaftlichen Forschungen, namentlich in einer so bewegten in seinen religiösen Interessen vielfach zerklüfteten Zeit, richtig erkannt; in eindringlichen Worten hat er den Wunsch ausgesprochen, daß seine Arbeit zur ruhigen und verständigen Würdigung des jüdischen Lebens beitragen möge, und in dieser sehr richtigen Erfassung des jüdischen Lebens sieht er in der Unwissenheit und deren Priester und Apostel die einzigen Hemmnisse der Entwickelung, und es ist verzeihlich, wenn er die Wortführer der Unwissenheit mit beißendem Spotte verhöhnt. „Die Zeiten, sagt Hr. S.> in denen man mit der Darstellung eines jüdischen Stoffes blos der nichtjüdischen Böswilligkeit und Unwissenheit ein Stückchen Terrain abzugewinnen sich versetzen konnte, sind vorüber; an ihre Stelle sind die schlimmern getreten, daß ein Theil der Juden selbst, die Helden des Wortes und der Feder, die Lehrer und die Führer namentlich, die Aufgabe sich gestellt, als Angeber und ^Verlästerer ihrer Glaubenslehren und ihres, Vielen unter ihnen allerdings unbekannten Schriftthums, die bisher von Nichtjuden geschmiedete Kette des Vorurtheils durch neueingefügte Ringe zu verlängern. Diejenigen, welche die verbrauchten Redeblumen und Kraftwörter eines schon verhauchenden Nihilismus mit selbstgefälliger Eitelkeit als ein „neues Bewußtsein" ausbieten und feil halten, und indem sie auf den Geist der Gegenwart Hinweisen, der in ihnen durchgebrochen, nur zu oft die Gegenwart irgend eines Geistes vermissen lassen, und indem sie sich die Fortgeschrittenen dünken, dem mit dem Gange der Bewegungen tiefer Vertrauten als die Überschrittenen und Verschollenen erscheinen. Diese sollten durch die wiederholte Hinweisung auf die wenigstens von Zeit zu Zeit versuchte Nachweisung von Quellen der Erkenntniß und der Weisheit, von denen sich ihre Philosophie nichts träumen läßt, zu bescheidenem Schweigen oder ehrlichem Lernen und Forschen gemahnt sein. Sie werden, wenn ihnen das Bewußtsein erst ausgegangen, daß sie nackt

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