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Der Orient · 1845-12-24 · 52 (24.12.1845) · p. Spalte 823-824

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
52 (24.12.1845)
Date
1845-12-24
Page
Spalte 823-824 (sequence 4)
Language
German
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824 823 - Kritiken. Scralschü'tz's Versöhnung der Konfessionen. sein könne und in dem beiderseitigen Glauben auch die Versöhnung liege. Denn zuvörderst erkennt das Christen- Lhum, nach Maaßgabe seiner eigentlichen Basis/der Lehren Christi selbst, Alles an, was dem Judenthum Gegenstand gläubiger Ueberzeugung, religiöser oder sittlicher Pflicht ist. Die ganze Lehre von Gott, wie sie das alte Testament aufstellt, die Lehre von dem Gottes-Ebenbilde im Menschen, und die daraus folgende seiner Unsterblichkeit, das ganze Ceremonialgefttz wie es in den Büchern Mosts vorgetragen ist, von den Opfern, Speisegesetzen, symbolisch feierlichen Handlungen, und die weitern in dem Talmud enthaltenen, dahin gehörigen Aussprüche der^ Pharisäer —- dies Alles ist-durch die Aussprüche und das faktische Beispiel Christi und der Apostel gleichsam von Neuem sanktionirt worden. Dies geher aus den in diesen Blättern zusamwengestellten Datis und andern, die noch angeführt werden könnten, genugsam hervor, und wird z. B. auch von Paulus, in seinem Bekenntnisse vor Felix größtenteils angedeutet wenrMr sagt: „Das bekenne ich dir aber, daß ich nach diesem Wege, den sie eine Sekte heißen, diene also dem Gott meiner Väter, daß ich glaube Allem, was geschrieben stehet im Gesetz und in den Propheten; und habe die Hoffnung zu Gott, auf welche auch sie selbst warten, nämlich, daß zukünftig sei die Auferstehung der Todten, beider der Gerechten und Ungerechten. Aber nach'vielen Jahren bin ich gekommen und habe ein Almosen gebracht meinem Volk, und Opfer". Apostelg. 24, 14. 15. 17. vergl. 23, 6, wo Paulus ausdrücklich sagt: „Ich bin ein Pharisäer und eines Pharisäers Sohn." Hat das Christenthum im Laufe der Zeiten sich von dem jüdischen Ceremonialgesetze allmälig losgefagt (wie auch im Judenthum 'die Opfer aufgehört haben, die nur im Tempel dargebracht werden durften), so mag es seine faktische Berechtigung hierzu Nachweisen, nie aber wird es im Prinzip unsere Berechtigung, jenen Gesetzen treu zu bleiben, umstoßen können, zumal wenn wir etwa sagen wollten, wir folgen in dieser Beziehung den Worten und dem Beispiele Christi. Das Moralgesetz ist natürlich in'beiden Religionen ganz dasselbe, Christus selbst faßt das Gesetz der Menschenliebe in den Worten zusammen: „Alles, was ihr wollet, daß euch die'Leute thun, das thut auch ihnen; das ist das Gesetz und die Propheten" Matth. 7, 12. Ganz eben so spricht sich der bekannte Pharisäer Hillel aus, Talm. Tr. Schabb. 31, 1. Also das Judenthum seinerseits enthält Nichts, was das Christenthum, nach seinen Principien, nicht auch anerkennt und in die Lehre neuen Test, ausgenommen hätte. Daher auch die ganze Christenlehre, in den Katechismen auf der Grundlage der, mosaischen zehn Gebote vorgetragen wird, worin zugleich eine faktische Anerkennung der israelitischen Offenbarungslehren liegt. Nur in zweien Punkten und ihren Konsequenzen entfernt sich das Christenthum vom Judenthum, nämlich in der Lehre vom Messias und von der Dreieinigkeit. Was indeß die erstere betrifft, so haben wir nachgewiesen, daß über die messianischen Zeiten beide Konfessionen vollkommen einig sind, sowie auch darüber, daß dieselben no ch nich t erfüllet feien. Nur in Hinsicht der Messianität Christi waltet ein Widerspruch, der sich aber durch die Bemerkung löset, daß es dem Christenthum, auf seinem Standpunkte, allerdings beglaubigt erscheint, wie der gekommene Christus mit der Hauptperson der, nach seinen und der Apostel Andeutungen noch zu erwartenden Zeiten, identisch sei, das Christenthum selbst, aber Zugeben müsse, wie dem Judenthum -diese Beg(aubigung in der wirklichen Erfüllung jener Zeiten noch erst bevorstehe. Bei dem durchaus ideellen Charakter der messianischen Zeit, nach allen Schilderungen der Propheten, die, außer der Bekehrung a l l e r Heiden (die jetzt noch den bei weitem größern Theil des Erdbodens einnehyien), eine vollkommene Umwandlung aller menschlichen Verhältnisse, aller gegenseitigen Beziehungen der Völker, voraussetzen, darf man kaum darauf aufmerksam machen, daß es den Israeliten nur wie ein bloser Scherz Vorkommen müsse, wenn Christen sich mitunter das Ansehen geben, zu glauben, daß es Jene in ihren gegenwärtigen Bestrebungen und Unternehmungen irgend wje beirren könne (daß es sie etwa gerüstet sein lasse, an irgend einem der nächsten schönen Tage, unter ihrem Könige Messias, mit Sack und Pack nach Jerusalem aufzubrechen), was sie in den Propheten von „dem Ende der Tage" lesen. Tod und Ewigkeit sind unstreitig den -Einzelnen der gegenwärtigen Generationen näher und gewisser, als das Erlebniß jener Verhältnisse. Und doch wie schwach leider! wirkt selbst diese Gewißheit auf das Thun der in das Zeitliche versunkenen Menschheit ein! In Hinsicht der Lehre von der Dreieinigkeit haben wir bereits bemerkt, daß, in sofern sie ein, gläubiger Selbstoffenbarung empfohlenes, Mysterium ist, hier von einem Streite nicht eigentlich die Rede sein könne. Es wird wohl gern zugestanden werden, daß aus den christlichen Lehrbüchern der Dogmatik, eben so wenig Christen als Juden die wirkliche Erken ntniß dieses Dogmas gewinnen können. Das Christenthum stellt dasselbe als ein göttliches Geheimer iß auf, bei dessen Vortrag , um verstanden zu werden, der innere Glaube zum innern Glauben sprechen, eine geistigwunderbare Wechselwirkung der Gemüther stattsinden muß, und die menschliche Sprache ringt vergebens.nach Worten, um dasselbe genügender Einsichd nahe zu bringen und den Anschein von Widersprüchen zu beseitigen, die in den Ausdruck sich wider Willen eindrängen. Vielleicht hätte man erwartet, daß wir auch in Betreff dieses Punktes auf die eigentlichen 'Beweisstellen im neuen Test, zurückgehen würden, in Hinsicht derer, wie bereits bemerkt, im Schooße des Christentums selbst manche Controverse statt fand. Jndeß wir glaubten, aus schuldiger, achtungsvoller Rücksicht für. die Religion unserer Brüder, die Erörterung eines so wichtigen Glaubenspunktens ihren eigenen Theologen überlassen zu müssen. Nur so viel aber wollen wir bemerken, daß es, Lei diesem

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