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Der Orient · 1845-12-24 · 52 (24.12.1845) · p. Spalte 819-820

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
52 (24.12.1845)
Date
1845-12-24
Page
Spalte 819-820 (sequence 2)
Language
German
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819 820 Kritiken. Die Kabbala rc. Deutsch von Aid. Iellinek., getheilt wurde. Es kann hierbei nicht überraschen, daß,, bei der vorauszusetzenden. Bekanntschaft der Bearbeiter solcher neuen Lehrweisen mit vielen srühern Philosophemen, sich manches aus den verschiedensten Systemen eingemischt hat und daß andrerseits die rationale ketzerische aristotelische Philosophie völlig ausgeschlossen ist, ja sie war vielleicht zur Zeit der Ausbildung der Sohar'schen Lehre im Orient den Mystikern noch nicht recht zugänglich, oder von ihnen gar nicht einer Beachtung gewürdigt. Eine Voraussetzung dieser Art erscheint wenig gewagt, wenn man weiß, daß in neuern Zeiten, da Bücher und Zeitungen jede neue Idee überall in gebildeten Ländern zu Gemeingut machen, Mendelssohn und Friedländer und Bendavid und eine Menge sonst, Wolff's und Leibnitzens und Kant's Lehren kannten und ins Iudenthum eintrugen, und dennoch die Rabbinen an den intelligentesten Orten kaum wohl den Namen solcher Philosophen wußten. Andrerseits darf man daraus nicht schließen, daß die jüdischen Mystiker darum den fremden Ideen unzugänglich waren; denn theils lernten sie diese durch Umgang oder vielmehr Unterredungen mit fremden Philosophen kennen, theils fanden sie selche in jüdischen Bearbeitungen, .woran es nie gefehlt hat, und oft hielten sie solche Lehren für rein jüdisch, sobald sie sich in den alten Glauben fügten, oder vielmehr nicht die Gesetzgebung zu gefährden droheten. Daher können wir auch z.B. der Argumentation des Hrn. Fr. nicht beipflichlen, wenn er S. 199—202 aus dem Eifer der Rabbinen gegen profane (griechische) Studien schließt, daß denselben die Philosopheme der Alexandrinischen. Schule unbekannt gewesen seien. Noch viel weniger können wir die specielle Frage S. 200 billigen: „Wie läßt sich nun annehmen, daß man eine Sprache versteht, wenn man die Werke, welche sie hervorgebracht, nicht kennt?" Wir sollten denken, daß der größte LH eil derer, die eine Sprache sprechen und verstehen, von den Schriftstellern nichts weiß, wie viel mehr die, welche eine Sprache lediglich zum Verkehr benutzen und zu' Hause ein anderes Idiom haben; ja die Juden in der Berberei und im Islam sprechen alle spanisch, ohne gewiß auch nur einen spanischen Autor zu kennen, und wie viel deutschsprechende Juden kennen die deutschen Schriftwerke? — Dergleichen in der Lhat unkritische' Bemerkungen sind mehrere in dem Buche, jedoch ohne sonderlichen Einfluß aufs Ganze. Verschiedene Irrungen des Verf.'s hat der gelehrte Uebersetzer gerügt, und theilweise beseitigt. Auffallend erscheint uns eine Bemerkung S. 262, wo zu der von Juden und Christen gleichmäßig anerkannten chronologischen Bestimmung des Jahres der Rückkehr 530—6 vor Ehr. Geb. unter dem Texte Folgendes gesagt wird: „Um sich von der Uebereinstimmung der jüd. und christlichen Chronologen zu überzeugen, genügt blos die Bemerkung, daß die Erster» die Ankunft Christi auf die konventionelle Zahl 3-760 seit der Schöpfung angesetzt haben". Erstens ist diese Angabe nicht genau, wie die Vergleichung der verschiedenen Jahre, in welche bei jüd. Chronologen Christi Geburt verlegt wird, 3724 und 3761 zeigt. Zweitens hat dieselbe hier keinen, Zweck, außer, um zu beweisen, daß 3390 das Jahr dev Rückkehr bei jüdischen Chronologen augenscheinlich nicht mit der richtigen530—6 v. Chr. übereinstimmt. Eben so stehe S. 65 eine chronologisch verwirrende Anmerkung (wohl nur Druckfehler). Ungeachtet dieser und ähnlicher kleinen Mängel des Buches bleibe ihm doch ein gewisser Werth gesichert, und wie gesagt, insbesondere in der fast durchweg trefflich gehaltenen Uebersetzung und mit den eingestreueten Berichtigungen. In diesen beiden Beziehungen fanden wir nur weniges, was uns nicht ganz zusaqte, wie einige Härten, z.B. S. 52. Z. 24— 25, und das. der Ausdruck: mit so vielem Aufsehen; S. 202 M. „in der Umgegend" ist unverständlich. S. 290 sollte es wohl heißen: das er eine Mischna nannte, welche ihnen mündlich überliefert worden.' Im Allgemeinen entspricht der Ausdruck genau deyr Originale, und wir möchten sagen, der deutsche oftmals besser dem Begriffe als der französische. Auch korrekt ist das Buch gedruckt. Außer den schon bemerkten ist uns nur noch S. 64 die Ziffer 20 als Druckfehler ausgefallen. Wenn das Werk, wie in Frankreich für'.das OriginaL eher zu hoffen ist, als in Deutschland für die tüchtige Uebersetzung, in zweiter Auflage erscheinen sollte, so wäre zu wünschen, daß der Verf., welchem die Quellen so reichlich offen stehen, sich derselben auch mehr bedienen und sie mehr und bestimmter Nachweise, als bisher geschehen, und daß er mit Auslassung überflüssiger Phrasen*), und der Kririk dessen, was längst überwunden ist, desto tiefer in das Innere der Untersuchung eindringe und den Leser einführe. Herr Jellinek würde aber die Sachkenntniß sehr fördern, wenn er die bereits in der Vorrede erwähnte Kri tik d e s So har recht Dald ans Licht treten ließe, und dabei alles Uebrige, was zur Aufklärung dieser dunkeln Materie dienen kann, aus dem Schatze seines Wissens hinzufügte. , Jost. *) Dergleichen sind mancherlei in diesem Buche. In der ''Vorrede ist uns unter andern die Bemerkung ausgefallen, daß der Verf. von einem deutschen Gelehrten rc. weil derselbe sich nur mit dem Ursprung der Kabbala beschäftige und dies eine tiefere Untersuchung erfordere, im Werke selbst sprechen wolle» Es ist hier Th o l uck gemeint. Weder diese Vorverkündigung ist hier angemessen, noch die-gegen ihn geführte Polemik tief genug, um im Voraus die Aufmerksamkeit anzusprcchen. Eben so ist der Verf hart und ungerecht gegen den Verf. der kleinen Abhandlung Kabbalismus und Pantheismus 1832, eines kleinen Versuches, deffen Mängel der bescheidene Gelehrte, welcher mit ihm sich zuerst einführte, gewiß längst erkannt hat.— Daß der Verf. oft nur aus sekundären Quellen geschöpft hat, zeigen die Bemerkungen des Uebersetzers hinlänglich. Daher wir nicht rwthig haben, die Beispiele zu vermehren.

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