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Der Orient · 1845-12-24 · 52 (24.12.1845) · p. Spalte 817-818

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
52 (24.12.1845)
Date
1845-12-24
Page
Spalte 817-818 (sequence 1)
Language
German
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MeratnrblaLt des Orients. —.——•—- ■ Berichte, Studien und Kritiken für Jüdische Geschichte und Literatur. JVs 52 m Leipzig, den 24^ December 184«K Inhalt. Kurze Anzeigen. Die Kabbala rc. Deutsch v. Ad. I ell inek. Bespr. v. Dr. I. M. Jost. (Schluß.) Wiener Kalender und Jahrbuch für das Jahrbuch 5605. Salsckütz's Versöhnung der Konfessionen. — Kritiken. Sachs' ,,religiöse Poesie der Juden in Spanien^. — Studien. Literarische Analekten. Biographie M. Schiff's. Von Dr. Frankel. — Kurze Notizen und Miscellen. Die Handhabung der ,,Chasina". Von Dr. Gr atz. — Ankündigungen. Kurze Anzeigen. 39) Die Kabbala oder die Religions-Philosophie der Hebräer. Von Ad. Franckrc. Aus dem Französischen übersetzt, verbessert und vermehrt von Ad. Gel in ek. Mit einer Abbildung. Leipzig,- 1844. H. Hunger. XVI. und 294 S. in gr. 8. (Schluß.) Aber nach dem Gesagten können wir nicht umhin, die Meinung auszusprechen, daß die Kabbala in der Gestalt, die sie im Sohar hat, keinesweges eine unmittelbare Fortbildung des altern Systems sogenannter Geheimlehre sein kann, daß vielmehr asiatische Asketen etwa zur Zeit der Kreuzzüge die alteren Midraschim und theosophischen Elemente mit dem, was sie sonst noch theils erdachten, theils aus moralischen und poetischen Werken der Morgenländer schöpften, theils durch Überlieferung und Gespräche mit Weisen in sich aufnahmen, verbindend, an den Pentateuch in diesem Sinne ihre Lehren ganz nach Art des Midrasch, ohne klares System anknüpften, durch die mystischen Elemente Aufsehen erregten, und endlich Anhänger fanden, welche in dieser Lehrweise den' Aufschluß suchten, welchen die sonstigen Kommentare nicht gaben, und aus diese Weise ein Werk schufen, das aus wunderlich gemischten Elementen besteht und in mystischer Sprache und Form auftritt, ohne sich für eine Offenbarung auszugeben, vielmehr nur als ein höherer Midrasch*) sich empfiehlt, das ist der Sohar. v ") In einigen Stellen, besonders im Exodus ist Offenbarung, Gesetz, Bundeslade und alles Aeußere aufhöchstmerkwürdige Weise symbolisirt und allegorisirt, und man findet da die wichtigsten Räthsel des Menschenlebens und der Ethik besprochen! > Diese Annahme löst unsers Wedünkens alle Schwierigkeiten und aus ihr lassen sich alle Fragen leicht beantworten. Man findet ganz natürlich in einem solchen Werke, welches insbesondere auf Alterthum der Ideen Anspruch macht, ohne die Neuzeit ganz zu verleugnen, die letztere als solche nur in Halbdunkeln Prophetien (die sich jedoch durch Speekalitäten leicht verrathen , denn nicht nur von Christus und Mohammed ist die Rede, sondern oft auch von der Härte des Exils unter Jsmaeliten, d. n dem Islam), dagegen auch alle später entwickelten, zum Lheil erst aufgerafften und ihrer Fähigkeit wegen mit eingeflochtenen Begriffe, gleichsam als der ältern Geheimlehre schon angehörig, den längst verstorbenen, in Israel hochgeehrten Lehrern in den Mund gelegt, sowie überhaupt die talmudischen einheimischen und fremdartigen Sagen und manche schon vorhandene BuchstabenspieLerei*) mit ausgenommen, vielleicht sogar als Grundlage betrachtet, weil eben durch sie das Vorhandensein einer systematischen Geheimlehre allgemein geglaubt ward. Wir sind der Ansicht, daß die ältere im Talmud erwähnte Geheimlehre wahrscheinlich nichts weiter betraf als was ihr Name besagt, Kosmogonie und Vision, deren nähere Erläuterung, ohne Zweifel mit Benutzung der Philosophie, der Symbolik und der Allegorie, weil eine weitere Verbreitung dieser für die Gesetzlchre und den Offenbarungsglauben gefährlich erschien, nur zuverlässigen Schülern von reifer Gelehrsamkeit und erprobtem Scharfsinn mit- ’) Man möge diese immerhin für alt halten, doch über die mafforetische Zeit hinauf dürste sie wohl nicht reichen. Sie hat ihren Ursprung in der Geheimschrift und diese wahrscheinlich in den Verfolgungen zur Zeit der Ausbreitung des Christenthums. Die Buchstaben-Versetzung und Vertretung führte leicht auf Mittel, in die Worte der heil. Schr. noch manchen Geheimsinn einzutragen, und bald bauten die Kabbalisten darauf ganze Systeme, wie später auf Zahlenwert he. 52

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