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Der Orient · 1845-12-24 · Heft 52 (24.12.1845) · p. Seite 413

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 52 (24.12.1845)
Date
1845-12-24
Page
Seite 413 (sequence 9)
Language
German
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413 schwach auf den: Felde der Oeffcntlichkeit ihre Sache zu verfechten zur Demmeiation ihre Zuflucht nehmen, indem sie die Justiz zu Hilfe rufen; denn bekanntlich sind die schwachen Feinde auch die rachgierigsten. Hiebet Wahrheit, liebet Frieden. S. Sohrauer in Gleiwitz. Frankfurt a. M., 17. Deebr. Unser Bericht in Nr. 46 dieser Blätter über den in der hiesigen Synagoge alte 14 Tage ftattstndenden feierlichen Sabbat- Mmcha-Gotteödienst hat eine Entgegnung unseres Rabbiners in Nr. 49' der A. Z. d. I. hervorgerufen. So ungern wir auch über Thatsachm und dazu über Synagogalriten, die nach unserer subjektiven Ansicht eilte ganz untergeordnete Stelle im Judenthume einnehmetr, polemisiren und replieiren, so dürfen wir doch die Anklage, Unwahres berichtet zu haben, nicht auf uns lasten lassen und wollen daher in gedrängter Kürze unfern Bericht vertherdigen, ohne jedoch die harten, ungerechten Ausfälle unseres achtnngswerthen Gegners mit gleichen Waffen zu erwiedem. Wir haben keineswegs gesagt, -daß „der bessere Sabbat-Nachmittag-GotteSdienst lediglich für die dienende Klasse eingerichtet wurde, sondern daß Herr Rabbiner Adler, welcher in derR.-V. einen solchen in Anregung brachte, und unser Rabbiner, der nunmehr diesen ins Leben rief, zunächst der dienenden Klasse Gelegenheit geben wollten, am Gottesdienste theil nehmen zu können; wir haben diese neue KultnS sch öpfung in diesem Sinne aufgesaßt und sie als eine uachahmungswerthe dargestellt, ohne im entferntesten daran gedacht zu haben, daß dieser Gottesdienst nicht auch von den Gemeindemitgliedern besucht werden konnte und sollte. Wir haben unser Bedauern ausgedrückt, daß das Auditorium gefehlt, habe, auf welches die sehr passende Rede lmseres St., ,,Abraham in der Fremde", von ergreifender Wirkung gewesen wäre; unser Rabbiner behauptet aber, daß die Räume der Francnsynagoge von den Angehörigen der dienenden Klasse stark besetzt gewesen seien. Wir gestehen offen, daß wir unsere Augen nur auf unsere Umgebung gerichtet und unsere Blicke nur hi dm Räumen der Männe rsy nag oge umherschweifen ließen, die wir zu unserem Bedauern nicht von der dienenden Klasse besetzt gefunden haben. (Um künftig ähnlichen Uugeuauigkeiten vorzubeugm, werden sich wohl die öffentlichen Organe auch nach Berichterstatteri »neu umsehen müssen.) Die dritte uns zur Last gelegte Unwahrheit besteht darin, daß wir die Pause von einigen Sekunden zwischen den ersten und letzten Benediktioum, die allerdings genügen könnte ->mnD nn** nn** zu sein, nicht bemerkt haben. Wir wiederholen jedoch nochmals unser Befremden darüber, daß dieses schöne Gebetstück ausnahmsweise um als Schmnggelwaare eingeführt werden soll; denn zur Abkürzung des Gottesdienstes, wie unser Rabbiner vorgiebt, nimmt das Rezitiren dieses aus 30 Wörtern bestehenden Gebetstückes einen so unbedeutenden Zeitraum ein, der sicherlich selbst an der kürzesten, abgerundesten Predigt zu erübrigen ist. Unsere v ierte Unwahrheit besteht darin, weil wir das Spielen des Eolcidikon am Sabbat mit dem Spielen der Orgel indentisimt haben; die Orgel sei zu spielen erlaubt,, sagt unser Rabbiner, er habe sich nur gegen das kleine ktavierartige Instrument,,als gegen ein halbesDing" erklärt.. Nun ist aber nach rabbiuischen Grundsätze!: gerade das halbe, das Unvollendete, nicht verpönt, wir konnten daher keine solche Inkonsequenz im nen-rabbinischen Jndenthuur muthmaaßen, und schlossen ganz folgerichtig, daß unser Rabbinerwohlweislich dieTheorie von der Praxis scheidet, und einsicht, daß Manches, wie z. B. die Zulässigkeit der Orgel in der Synagoge, mit dem Talmud in der Hand erlaubt werden könnte, wogegen man sich aber in der Praxis erklären müsse, sei cs um nicht ohne erheblichen Zweck gegen das Volks-Vorurtheil anzukämpfen, sei es auch um nicht einen großen Theil von Gemeindemitgliederu durch diese kirchlichen Klänge aus dem Gotteshaus: zu vertreiben. Will man aber, wie es der nunmehr, deutlich ausgesprochene Wille unseres St. ist, dies nicht berücksichtigen, dann wäre cs weit angemessener mit den sanften Klängen dieses verpönten Instruments dm Uebergang zur Orgel vorznbereiten *). — Unsere fünfte Unwahrheit wäre dcrBericht von dem Streichen des Gebetstückes pxh.ta), denn „er habe es nur der Abkx\rzung wegen in diesem verbesserten Sab.-Nachm.-Gottdst.gestrichen, bei allen gottesdienstlichen Gelegenheiten, wo es bis jetzt vorkam, wurde es noch gebetet". Wir haben hierauf nur zu bemerken, daß wir in unserem Bericht um von diesem „verbesserten" S. N. E. D. sprachen und wiederholen nochmals, daß der A b k ü r zu n g wegen, von dem trefflichen Vertheidiger des persönlichen Messias, wenigstens der Satz toi bis wnp nns'i hätte nicht gestrichen werden dürfen, um so mehr, da es unserem Rabbiner nicht unbekannt ist, daß „bei den anderen gottesdienstlichen Gelegenheiten", in den Wochentagen nämlich, in der hiesigen Synagoge selten überzähliges — und sehr oft nicht einmal vollzähliges Minjan ist. Wir können die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Herrschaft, welcher man in unserem wissenschaftlichen Zeitalter der Alles zersetzenden Kritik eingeräumt hat, vor *) Warum haben die Synagogen keine Glocken und Orgel? fragte einst ein Bischof dem R. Iechiel aus Paris; die? ser führte ihn statt einer direkten Antwort zu geben auf den Marktplatz und machte ihn aufmerksam, wie die Hallen, ur denen Waare von anerkannter Güte verkauft werden, ohne prangendes Aushängschild, von Käufern angefüllt seien, so daß hingegen da, wo schlechte Maaren feitgeboten werden die Käufer nur durch markschreierische Künste herbeigelcnkt zu werden pflegen (Seftr Nizachon, Ms', auf der Hamburger Stadtbibl.)

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