Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 51 (17.12.1845)
- Date
- 1845-12-17
- Page
- Spalte 811-812 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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811 812 Kritiken. Die Kabbala rc. Jacobson angedeutete Verfahren die Aufmerksamkeit denkender Schulmänner verdienen. — Ebenso sind die übrigen Stücke passend und gut gewählt. „Das Vehmgericht"• und „die, Menschenracen" haben zwar gar Zeine judenthümliche Beziehung, sind aber doch belehrend, und wollte der Verfasser, wie er im Vorworte sagte, derartiges nicht ausschließen. Wir empfehlen dieses Büchlein mit gutem Gewissen allen jüdischen Eltern für ihre Kinder, alleine gesunde, fruchrreiche Lektüre, und hegen die feste Ueberzeuguna, daß es Nutzen stiften wird. Der Preis ist sehr mäßig; Druck und Ausstattung gut; einige unbedeutende Druckfehler sind durch ein Verzeichniß berichtigt. — Möchten doch recht bald die andern Bändchen Nachfolgen. — M... r, Candidat der Philos. und jüd. Theologie. A9) Die Kabbala oder die Religions-Philosophie der Hebräer. Von Ad. Franck rc. Aus dem Französischen übersetzt, verbessert'und vermehrt von Ad. Gelinek. Mit einer Abbildung. Leipzig, 1844. H. Hunger. X VI. und 294 S. in gr. 8. (Fortsetzung.) Wie dem aber sei, die Kabbala ist aift, und älter als die Mischna, nach Hrn. Fr. auch älter als die Synagoge magna. Wenn man darunter nur eine mystische Erklärung der unverständlichen Stellen der H. Schr«., und vielleicht auch mancherlei aus der orientalischen Anschauung gewonnene Ansichten über gutes und böses Princip und- Engel rc. begreifen will, so mochte wohl Niemand dagegen streiten. Diese Elemente liegen klar vor. Man muß sogar einräumen, daß im talmudischen Zeitalter, die Kabbala schon zu praktischer Wunderthäterei benutzt worden. Diese war ]a um ein Jahrhundert v o r der Zerstörung bereits sehr herrschend. Die Erwähnung eines '□*) im Talmud, und noch dazu, dessen angebliche Benutzung zu praktischen Zwecken, beweist solches ,zur Genüge. Hr. Fr. geht aber weiter, und behauptet, daß das noch vorhandene Buch dieses Namens eben jenes Buch sei, und folglich zu den ersten nachbiblischen Denkmalen gehöre. Er nimmt innere Merkmale zu Hülfe, nm die talmudischen Angaben zu unterstützen; namentlich ist die darin herrschende Bedeutung des Wortes als Person (nicht als Seele) von großer Erheblichkeit. Trotz dem hat Zunz EV. S. 165. 166. mit wenigen Worten so siegende Beweise von der Zugend des Buches Zezira gegeben, daß wir *) Ueber den Ausdruck rp^v HdSi, Sanh. 67 b. ist die Vermuthung, welche Zunz S. 165. ausspricht, daß schwerlich solch' ein Buch existirt habe, dahin zu berichtigen, daß Juda Hedessi ausdrücklich sagt: 'vi nm .'D3 nnwi DrwrPDD n"P5P rVDbmi wo denn auch der Zusammenhang zeigt, daß es nicht Halacha sondern Midrasch enthielt. Aus einer andern Stelle ist ersichtlich, daß R. Jissnaels Werk den Titel führte: v n^JJD und 'die Citate daraus sind gleich denen aus nm, es ist also auch nur ein Midrasch auf die erste Parascha, oder ans die ganze Genesis. Deutsch von Ad. ZMnek. mindestens es unerklärlich finden, wenn Hr. Fr auf deren Widerlegung sich nicht cinläßt, als ob noch Niemand etwas Werthvolles über das Alter des Buches geschrieben Härte. Das Streben nach rein biblischen Ausdrücken allein ist kein Beleg für hohes Alter. Vom Buche Jezira kommt der Vers, auf das wichtigere, den Sohar. Nach einer kurzen (nicht tief eingehenden) Schilderung der Beschaffenheit des Buches, widerlegt ec die schon seit Juchasins Angaben oft angenommenen Ansicht von der Autorschaft Mose de Leon's.. Er findet die Sprache uralt, und die Paar Beweise von Fremdwörtern darin nicht triftig; er vermißt darin jede Spur der aristotelischen Philosophie; er findet, daß schon Saadja, um 400 Jahre vor Mose d. L. die Kabbalistische Emanationslehre bekämpft, und überhaupt, reichen die Ideen des Sohar viel weiter hinauf, selbst über die arabische Periode. Einige im Sohar sich zeigende Spuren jüngerer astronomischen (schon vom Zunz 1818 und von Res. in den Annalen nachgewiesenen,) und anatomischen Kenntnisse, weist der Vers, mit Recht, als nichtsbeweisend zurück, ohnehin ist er der Meinung daß der Sohar, lange Zeit ein nur mündlich überliefertes System, sich im Laufe der Jahrhunderte so gestaltet habe, wie wir es nun besitzen. Allein, wenn wir ihm auch zu Gute halten, daß er La n dauer's, allerdings noch sehr problematische, jedoch sehr beachtenswerthe Untersuchungen, welche erst seit einem Jahre veröffentlicht sind, nicht kannte, wiewohl dieser wackere, zu früh verstorbene junge Mann schon im Jahre 1840 öffentlich darauf hinwies, und jedem Forscher gern seine Schätze mittheilte (wie wir denn selbst mit ihm in engerer Beziehung standen, und über verschiedene Fragen uns einander aufklärten), so können wir Uns doch nur wundern, daß Hr. Fr. im Sohar (S. 77.) keine Spur vom Kampfe gegen das Chrisrenthum -vorsindet, und solches als Argument für das höhere Alter des Sohar ansührt. Landauer's Citate (Orient 1845. Sept.) überheben uns jeder weiteren Nachweise. Will man allenfalls Hrn. Fr. rechtfertigen, indem von einem Kampfe gegen das Christenthum gerade nicht die Rede sein mag, so ist doch die Art der Erwähnung desselben, so wie des Islams, und die unverkennbare Schilderung der Kreuzzüge wahrlich genügend, um die Jugend des Sohar vollständig zu erfüllen. Lassen sich noch erst die Landauerschen Conjecturen vom A bulafia Nachweisen, — was übrigens für die Abfassungzeit minder erheblich ist, als für die Autorschaft — so fallt das ganze bibliographische Gebäude Frank's in Trümmer. Inzwischen schadet dies alles seiner Grundansicht, daß die Kabbala im Parsismus wurzele, keinesweges und nur die Zeit ihrer Entstehung und ihres 'Wachsthumes dürfte eine andere werden. Wir glauben nämlich noch einen höchst wichtigen Beweis an der Hand zu haben, daß die, kabbalistische Lehre in. der Gestalt, wie der Sohar sie enthält, im 12ten und vielleicht noch lBten Jahrhundert nicht bekannt war; und dieses ist das g ä n z l i ch e S t i l l f ch w eigen