Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1845)
- Date
- 1845-12-10
- Page
- Seite 399 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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399 Oberverwaltung, welche die Ebräerangelegenheiten zu besorgen hat, und ohne Allerhöchst darüber ausgesprochenen Willen, auf die Ebräer nicht ausgedehnt werden. 2) Wie die Ebräer der Rekrutenpflichtigkeit nachzukommen haben. §. 5. Die Ebrä'er sollen Rekruten in natura stellen. §♦ 6. Wenn bei ausgeschriebener Rekrutirung es gestattet wird, statt der Rekruten in natura, eine bestimmte Summe Geldes zu zahlen; so ist solche Vergönnung auf die Ebräer nur in folgenden Fällen anwendbar: a) wenn auf der Gemeinde keine rückständige Krons- und Landesprästanden - Abgaben hasten; b) wenn die Gemeinde weder bei öffentlichen Anstalten, noch bei Privatpersonen, Schulden kontrahirt hat. (Fortsetzung folgt.) Notizen zur Geschichte -er Jude» in Würtemberg. (Mitgctheilt von Alexander Elsaß er.) x Eberhard der Greiner und Ulrich IV., die beiden Grafen von Würtemberg, übernahmen von il)xm SSatev das Land schon verschuldet; besonders stark war die Schuld an die Juden von Schlettstatt und Colmar. Sie ersuchten dahe^ im Jahre 1345 den Kaiser Ludwig von Baiern, sie von dieser drückenden Schuld an die Juden zu dispensiren. Der Kaiser erließ auch am 27. März 1346 den Befehl, daß die Juden alle, von den Grafen von Würtemberg in Händen habende Schuldscheine herausgeben und die Grafen wegen der Bezahlung ungeschoren lassen sollten. Die getreuen Kammerknechte aber traten mit einigen Reichsstädten in Bund, mietheten Söldner und sielen in das wurtembergische Gebiet ein, bemächtigten sich vieler Einkünfte und Güter der Grasen von Würtemberg und droheten mit dieser Exekution so lange fortzufahren, bis die Schuld abgetragen sei. Auf wiederholtem Befehl des Kaisers an die Juden, die Schuldbriefe herauszugeben und den gemachten Schaden zu ersetzen, ließen sie von ihrer Fehde doch nicht ab. Der Kaiser erließ folgenden Befehl (Sattlers Geschichte v. Wtbg. II. Bd.): „Wir Ludewig von Gottes Gnaden, römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, entbieten unfern lieben Landvoigten in Elsaß, den Grafen Ludewig und Friederich von Oettingen oder denen, die an ihrer Statt sind, unsre Huld und alles Gute. Wir haben erfahren, daß die Juden zu Colmar und Schlettstatt, unsere Oheime und Landvoigte, die Graven Eberhard und Ulrich von Würtemberg, so wie ihre Unterthanen, ihr Geld, Gut und Reich mit bewaffneter Hand angegriffen haben, wegen der Schulden, welche ihnen der selige Vater der Grafen schuldig war, und die Wir ihnen vermöge unserer kaiserlichen Gewalt erlassen haben. Denn die Juden gehören uns mit ihrem Gut und Leben. Darum gebieten wir festiglich, bei unserer Huld, daß ihr den Juden und Städten diesen Befehl bekannt macht: sie sollen unsre Oheime ungeschoren lassen und die Schuldbriefe ungesäumt herausgebm. Weigern sie sich aber, das zu thun, so haben Wir hiermit alle diejenigen berechtigt, den Grafen Hülfe und Beistand gegen die Juden zu leisten, welche dieselben dazu auffordern werden. Gegeben zu Marbach rc. Ludwig starb aber im Jahre 1347 und die Juden gaben die Schuldbriefe nicht heraus. Unter Carl IV. begannen die großen Judenhetzen und diese benutzten die Grafen, um die harten, aufwieglerischen Gläubiger los zu werden, sie vertrieben sie aus ihren Landen, verfolgen sie mit Feuer und Schwert und bemächtigten sich ihrer Habe und Güter. In Würtemberg macht man diese Unbillen doch wieder gut unter der Regierung der Nachkommen Eberhard des Rauschebarts. Personalchrouik und Miscellen. Brüssel. Am 16. Rov. fand in der Auguftinerkirche in Gegenwart des Ministers des Innern, des Hofs und eines überaus zahlreichen Publikums die feierliche Preisvertheilung an die Schüler des C o n ser va to ri u m s statt. Den ersten Preis in der Composition erhielt der 20jährige Abraham Samuel, ein Israelit aus Lüttich, dem Geburtsorte Gretry's. Dieser Preis besteht in einer Lorbeerkrone und in 10,000Fr., für welche der junge Componist verpflichtet ist, vier Jahre lang Deutschland, Frankreich und Italien zu seiner fernern Ausbildung zu bereisen. Derselbe Abraham Samuel erhielt auch den ersten Preis im Orgelspiele. Die Preiscantate wurde aufgeführt und mit großem Beifall ausgenommen. Der König ließ den gekrönten Sieger vor seine Loge kommen, und er und die Königin sagten ihm viel Freundliches. Rendsburg (Holstein). Das Rendsburger Wochenblatt und der treue Zionswächter geben eine ausführliche Schilderung von den, bei der am 12. Rovbr. stattgehabten Einweihung der neuen Synagoge veranstalteten Feierlichkeiten. DerOberrabbiner Herr Ettling er aus Altona leitete die gottesdienstliche Feier und hielt die Weihrede. Auch die christliche Bevölkerung, die städtischen Obrigkeiten und die Militärbehörden der Garnison und Festung nahmen an dem feierlichen Akte lebhaften und thätigen Antheil, wie denn auch am Abende eine freiwillige Illumination aller derjenigenHäuser stattfand, welche in derselben Straße wie die neue Synagoge liegen. * * Rußland und Polen. Neue Verfolgungen brechen über die Juden herein. Zwar ist der Lerinin des Verkaufes der steinernen Häuser bis 1846 und des der hölzernen bis