Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Spalte 779-780 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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tT9 Kritiken. Kurze Anzeigen» 780 Reform hr'ngekenkt, Mendelssohn und Jakobsohn werden als Reformer gewürdigt und die Männer, welche durch Handhabung der Kritik eine Umwälzung in der jüdischen Anschauung hervorgerufen, werden mit Stillschweigen übergangen. Oder glaubt Hr. Herzfeld, daß die Reformer der äußersten Linken es gewagt hätten, ihre Prätensionen geltend zu machen, wenn nicht-die kritischen Arbeiten Rapaport's, Zunz's, Jost's, Luzzatto's rc. einen zersetzenden Geist in die Mitte der Zudenheit geschleudert hätten? — Unsere Reformer wollen aber die Wissenschaft nicht anerkennen und eine Folge des unwissenschaftlichen Verfahrens ist der gewöhnliche Fehler, daß der Talmud in pleno vor das reformatorische Tribunal, geladen wird, ohne zu bedenken^ daß Hunderte daran arbeiteten. Form und Sprache der Predigt sind gut. 41) Berlins jüdische Reformatoren nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms III. und IV. Eine religionsgeschichtliche Betrachtung von Dr. M. K a lisch, mehrergelehrten Gesellschaften Mitglied. Erste Lieferung. Berlin, 1845. gr. 8. Adolph Rieß. (S. 88.) Die Aufgabe, welche sich der Verfasser gestellt, ist zu zeigen: 1) Wie die religiöse Zerrissenheit in der BerlinerJudenschaft sich historisch entwickelt hat. 2) Daß die Unterzeichner des Aufrufs der Genossenschaft die wahre Natur dieses Uebels verkannt und daher zu seiner Beseitigung verderbliche statt heilsame Mittel vorgeschlagen haben z und 3) auf welche Weise der vorhandene traurige Zustand zu heben ist. Zu diesem Zwecke schlagt der Verfasser den historischen Weg ein, was schon lobenswerth ist, da die Geschichte die Basischer Reform bilden muß. Hr. Dr. Kalasch hat werthvolle Dokumente zur Erreichung seines Zieles herbeigebracht und werden wir nach Erscheinen des ganzen Werkes eine ausführliche Beurtheilung über dasselbe liefern. 42) Die Harmonie der göttlichen Offenbarung mit den Fortschritten der Wissenschaften. Von D. I. M. Augustin Scholz, Domkapitular und Prof, der Exegese. Bonn, . 1845. 8. I. Wittmann. (S. 22.) Die ersten Abschnitte der Genesis werden in dieser Schrift durch die Resultate der Wissenschaft bewahrheitet. Die^Forschung wird auf Geologie, Anthropologie, Chronologie und Philologie ausgedehnt, und der Verfasser zieht als Facit seiner Forschungen, daß „die heiligen Schriftsteller in Allem treue Berichterstatter sind". Obwohl das Thema ein wissenschaftliches, so ist doch die Darstellung sehr lebendig. 43) Urkunden zur Geschichte der Juden. In ihren Origmalsprachen gesammelt und mit einer deutschen Übersetzung versehen. Herausgegeben von Julius Fürst. Erstes Heft. Leipzig, 1844. kl. 8. Heinrich Hunger. (S. 71.) Zwanzig Urkunden aus den Jahren 1084, 1090,1209, 1212/1230, 1246, 1258, 1264, 1255, 1278, 1281, 1281, 1286, 1287, 1287, 1287 , 1288, 1288, 1290, 1292, demnach mit Ausnahme zweier dem 13. Jahrhundert angehörend. Den Städten nach kommen auf Spei er 3, Frankfurt 2, Andernach 1/ Assenherm 1, Bonn 1, Coblenz 1, Erfurt 1, Holzheim 1, Keverlingenburg 1, Lucca 1, Meiningen 1, Meißen 1, Neustadt 1, Regensbürg 1, Rotenburg 1 und St. Rieti 1. Dem Historiker sowie dem Freunde der jüdischen Geschichte müssen diese von Hrn. Philipp Jaffv gesammelten und übersetzten Dokumente sehr willkommen sein. Die Fortsetzung derselben hängt von den Gönnern der Literatur ab, die in der Judenheit auf ein Minimum sich reduciren. 44) Was ist jüdische Religion? Ein Leitfaden für das künftige Glaubensbekenntm'ß der jüdischen Reformgenofferrschaft. Herausgegeben von I» L. Schwarz. Berlin, 1845. gr. 8. Möser und Köhn. (S. 48.) In 40 Sätzen, die von Zusätzen begleitet sind, entwickelt der Verfasser mit logischer Strenge und philosophischem Geiste das Wesen der jüdischen Religion, das in „Erkenntniß und Thal" besteht. (S. 15, Satz 15.) Der philosophisch durchgebildete Verfasser tritt aus der individuellen Sphäre des Judenrhums heraus und reiht die jüdische Religion als den Schlußrmg an die große Geschichtskette an. Es ist erfreulich, daß nicht blos hohles Reformergeschwätz, sondern auch die Spekulation die jüdische Religion bearbeitet und wir können diese kleine Schrift in den Rang der bedeutender« Tagesliteratur stellen. Der wissenschaftliche Ernst und die Liebe zum Iudenthum, welche durch die ganze Schrift wehen, empfehlen sie allen denkenden Juden,> die nicht blind nachbeten, sondern eine Ueberzeugung gewinnen wollen. 'Uebrigens sind die Spuren Lessing'scher und Maim uni'scher Anschauung nicht zu verkennen. Das System der Akkomodation an die Zeit und das Heidenthum ist nicht neu*). Literarische Analekten. Der Zerknirschte vor seinem Gott. Übersetzung der Seticha uro --’fiDW. des Jbn- Gebirot, von L. H. Löwenstein. Denk' ich kummervetäubt an meines Uebermuths Ahndung; Ach, was sag' ich dem Herrn da? Stumm und vernichtet bin ich, gedenk' ich meiner Vergehen, Bin beschämt und erröthe. *) Besondere Umstände verhinderten die Besprechung a ller eingelauftnen Schriften. Doch sotten alle, selbst die von den Jahren 1843 und 44 allmälig angezeigt werden. Dies als Antwort auf mehre Anfragen.