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Der Orient · 1845-12-03 · 49 (3.12.1845) · p. Spalte 781-782

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Journal
Der Orient
Volume
1845
Issue
49 (3.12.1845)
Date
1845-12-03
Page
Spalte 781-782 (sequence 7)
Language
German
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781 Studien. Kurze Notizen,uttb Miscellen, Nichtig schwindet mein Dasein und Nuh' entfliehet den Gliedern, Oh der Schmach meiner Jugend. Schamerglüht ist mein Geist, wird er einem Buch gleich entfaltet —; Ach, und der Gläubiger fordert! Weh', im Dunkeln v erharr' ich und meine Seele erkennt nicht, Daß ich nur unstät hier wandre; Wehe, weh', wenn der Lag kommt, wo aus dem Traum ich erwache Und dahin muß, zur Heimath! Ach/ und was sag' ich zu dem, der hierher mich gesandt, ob der Sünden, Ob der Vergebungen Unzahl! „Meines Herzens Verderbniß und das besudelnde Laster Sind von Geburt schon mein Antheil." Lhor, der du wähnst in der Seelefest ständ'st du, dem grünenden Baum gleich, ' Der du zu Grabe geschleppt wirst! , Eitelkeit nistet in dir; doch einst bei dem Scheiden zergeht sie, Hierhin fließend und dorthin. — In die schweigende Gruft wird er gesenkt, einem Stein gleich; ' Ihm folgt keins seiner Güter. Ha, vom Geiste belebt, könnt' seine Kraft ihn nicht stützen, ( Nun erst, vom Feuer verzehrt — J „Schuld beftrikte mich, so klagst du, o meine Seele, „Seit ich zur Erde gekommen*). „Weh', ich erliege der Last der Unthaten; denn in mir ruft es: „Ja, ich habe gesrev.lt, „Habe die Lugend verschmäht, bin meinen Lüsten gefolget — „Ach, w e n trifft meine Klage?" — Ja, ertrage, o Seele, die Schuld, die grinsend dich anstarrt! So erdulde die Schmach -denn! — — So meinen Fall beklagt' ich; da ruft's mir aus innerstem Busen: Wirf in die Arme des Herrn dich! — O, so neige dich denn von deinen Höhen und offne, Unverglich'ner, dein Lhor mir! O Allmächtiger, schütze, errette von meinen Vergeh'» mich! Lehre dein Heil mich, o Herr! Gnädig höre den Nus, wenn ich betend vor dir erscheine, Richte mich nicht im Zorne! Schaue mein Elend, erhöre, ich gebe völlig mich dir hin, Und du, Gott, du erbarmst dich! Sende dein Heil, deine Wahrheit dem Volke, das zu dir betet Und auch mir, deinem Knechte! Unsere Sünden verzeihend, vergiß des früheren Wandels Deiner, die Schatten gleich hinflieh'n! •) Die hier folgende, gleich der obigen mit dem Buchstaben beginnende Strophe ist offenbar interpolirt: Ach, mir graut, welche Schmach, gleich der des entehrten Verbrechens! Nackt werd' ich dort einst erscheinen! 782 Kurze Notizen und Miseellen. Jesaja Berlin oder Pik. Die noch vorhandenen handschriftlichen Werke des berühmten R. Jeschajcr b. Lö>b b. Mardechai Berlin, der auch unter dem Namen R. Ieschaja Pik bekannt ist. Unter den talmudischen Schriftstellern am Ende des vorigen Jahrhunderts, die im Ganzen nach Geist und Richtung der vorhergegangenen Jahrhunderte gearbeitet, ragen blos einige Persönlichkeiten hervor, deren Arbeiten für eine kritische Musterung der talmudischen Literatur von bleibendem Werthe geblieben, und unter solchen ist der erwähnte Jesaja Berlin rühmlich zu nennen*). Die bei seinen Nachkommen noch vorhandenen handschriftlichdn Werke sind: 1) 1"P LN, kritische Notizen über die Mischna, mit reichen Nachweisungen auf die mischnaische und talmudische Literatur, zur Herstellung .eines kritischen Textes. Dieses Werk -unterscheidet sich in Anlage und Ausführung von den rn^Dirv die als Noten zur Mischna oft gedruckt und nachgedruckt sind. — 2) bfcnfeP '’EOH 1X03/ eine Gutachtensammlung über die verschiedensten Ritualfragen, namentlich in Bezug auf die Poskim. Diese Sammlung ist während einer Langjährigen Korrespondenz mit den berühmtesten Rabbinen und Gelehrten seiner Zeit entstanden. Mehrere Gutachten von ihm sind in der Gutachtensammlung seines Schwagers R. Josef Stemhard, genannt Sichren Josef, mitgetheilt. — 3) rn^ ^3 ’O’lpF), Korrektionen zu unseren Lalmudausgaben, sowohl über den eigentlichen Lalmudtext, wie auch über den Raschi-Kommentar und über die Losafot, wo sie durch Fehler entstellt sind. Ausführlich wird hier über die Unrichtigkeiten, die sich im Talmud in Bezug auf die Autoritäten eingeschlichen, daß zuweilen ein Lannai oder Amora für den andern angegeben ist, gehandelt. — 4) KUH, ein Kommentar über die Losifta. — 5) ’np&V ein eigenthümliches Werk über unfern Talmud (Text, Raschi und Losafot), worin alle diejenigen Punkte besprochen werden, wo im Lalmudtext, in Raschi oder in den Losafot die Beweise aus einer örtlich und zeitlich später» Schrift-, Mischna- oder Lalmudstelle geführt werden, während sie aus srühern Stellen hätten geholt werden können. Die Gründe nachzuweistn, warum gerade auf spätere Stellen Bezug genommen wird, ist die Tendenz dieses Werkes.- —- 6) Xtt/ Nachweis über die Auslastungen, welche sich bei den Decisoren (Poskim)^ in Bezug auf die talmudischen Schriften, finden, nämlich solcher Punkte, die für die Decision entscheidend hätten werden muffen. Auch werden *) Sein Vater war R. Löb Berlin, sein Bruder R. David Berlin, der zuerst Rabbiner in Dessau, und dann 1768 als Rabbiner der Dreigemeinden (Altona, Hamburg und Wandsbeck) nach Hamburg berufen würde, wo er die Stelle des verstorbenen Isaak Horwitz ha-Lewi einnahm und 1776 auch daselbst starb. Der berühmte Josef Steinhard, Oberrabbiner in Fürth, war sein Schwager.

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