Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Spalte 773-774 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9897698-9897753--4290-3531812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
773 774 Kritiken, Geiger's Lehrbuch zur Mischna. leichter . gehandhabt wird, war nach Einigen (?) das Räncherwerk gestattet, aber keinesweges am Sabbate, und deshalb kann dasselbe erst nach Verlauf desselben gebracht werden". (S. 68) „Wenn man nnn die Bedeutung der hier erwähnten Gewürze durch Kenntniß der orientalischen Sitte verstehet, wird man über die Richtigkeit der Meinung ein Urtheil haben, welche spätere Erklärer und Kasuisten aufstellen. Sie sehen in den Gewürzen eine besondere Einrichtung für den Ausgang des Sabbats, und erkennen den Grund dafür in einer talmudischen Aeußerung (Ta'anit 27 d). Selbst Um Lobe für das Licht, dessen Grund so einfach (!) daliegt, wird auch ein anderer Grund ausgesucht." —- Ohne dem von den Kasuisten gegebenen Grund das Wort zu reden, und ohne mich bei dem lächerlichen Gcnnd des Vers, für den Segensspruch über das Licht, weil man am Sabbat dasselbe nicht' Han d haben konnte(!), aufzuhalten, will ich nun gegen seinen archäologischen Grund über .D’O&SO fCHD, Ut allerdings etwas blendendes hat, die Wahrheit reden Lassen. Nach des Verfassers Ansicht hat dieser Lobsprnch nur Anwendung für die orientalische Sitte gehabt, als mau noch nach der Mahlzeit das Räucherwerk iDtö zu bringen pflegte, für uns ist es allerdings etwas Leeres und Sinnloses. Wenn sich aber aus der Mischna selbst und auS Barajtäs ergiebt, daß die Gewürze am Sabbatausgang auch außer halb der Mahlzeit genommen wurden, und dieses auch als' eine Pflicht angesehen wurde, so wird diese Sitte wohb nicht eine orientalische, sondern eine jüdisch-religiöse Unterlage haben. — 1) Eine Barajta und Tvsifta sagt aus, daß mau die Gewürze noch vor und ganz abgesehen von der Mahlzeit nehmen müsse: 'byi nwDn fyn pvi -p3D nnEMNsiori traft ODjn ■ tPDBOn (Pesachim 102, 5. Berachot 52). Hieraus ergiebt sich deutlich, daß die Gewürze gar'nicht mit der Mahlzeit zusammenhäugen; ferner awn; jnfty TüD pmozw D’DWn). (Tofifta Berachot V.) Die Untaugtichkeit der Wohlgerüche im Bade zürn Segensspruch hat in einer andern Bestimmung ihren Grund (Berachot 53), sonst aber konnte man auch im Bade dieser Pflicht sich entledigen. Aber im Bade hatte man doch wohl keine gemächliche Mahlzeit zu sich genommen! — 2) Aber aus der M. selbst ergiebt sich die Grundlosigkeit der geigerschen Angabe, und daß die beim Ausgang deS Sabbats gebrauchten durchaus nicht mit "D.D konfundirt werden dürfen. Der Vers, giebt ja selbst an, daß man d a s R ä u ch e r w e r k e rst n a ch Ende der Mahlzeit — ja sogar n a ch Beendigung des. MN WN2-eingebracht hat, zum Abschiede der Gäste: -man d “idih (piDn nu“D TDön) Nirn rrnyon -\riab xhx idjdh pNty (Berachot 41. vergl. Wiener Reallerikon. Art. Räucherwerk)- während in dieser Mischna von der Hrlletffchm Schllleängerlommenwird, daß es vor dem Schlusse der M a h l z e i t genossen wird, 'ei ptp Dnseavni! 3) A n Feiertagen dürft c das Räucherwerk ebenso wenig als am Sabbat angezündet werden, wie aus Jom Tob 22, gestützt auf eine Barajta, deutlich ersichtlich ist, -ndm ~)aft -Ion nnni> npftrro (vergl. Ketubot 7 a), und der Vers, hat sich vergriffen, als er aufstelltc nach Einigen, wäre eS erlaubt, dieser Einige ist Nabban Gamaliel, der auch ganz was anders erlaubt. Wenn dem nun so ist, warum wird diese Bestimmung über cpbeo nicht auch auf 2"' ausgedehnt? (Vergl. 'pin ad Jom Tob 33 anf^nn^) — ■ StKcin die orientalische Sitte spielt hierbei durchaus keine Nolle und die Gewürze am Sabbatausgaug stehen in keinem Zusammenhang mit der täglichen Mahlzeit, sonst könnte ja der Streitpunkt über die Priorität von D'DtGQ oder M auch auf die Werkel La ge ausgedehnt' werden und der Sabbat thnt ja hierzu gar nichts! — Die philologische Begründung aber, daß “löJID dieses ans Kohlen gelegte Räucherwerk sei, sucht der Vers, sehr weit her, weil das 'Q'v^ua^a (Lukas 1, 10, 11) in der syrischen jerils. Version nrit gegeben wird, während es ja ganz auf der Hand liegt von fcOBtä, Kohle in den Targumim und Talmud. So erklärt cs auch Musaft'a im Arnch. — Zum Schlüsse meint der Vers, eine se l b st st ä n d i g c, gegen die babylonische Gemara laufende Erklärung, von dem Streite der erwähnten Schulen über die Formet "NW tswn oder t^NH ju geben, während sie der jerns. G. entnommen ist, nur daß die letztere ihre Erklärung weniger breit giebt. Des Vers. Worte, die zugleich als Probe des matten, schleppenden Styles gelten können, sind: „Auch über die Formet des Lobes, welches für das Licht gesprochen werden soll, sind beide Schulen streitig. Das Licht unterscheidet sich nämlich von andern Gegenständen, wegen derer man Gott preist, darin, daß diese, der Pflanzenwelt angehörig, immer neu herv erwachsen unb Gott als der Erhalter der Natur, auch als ewiger Schöpfer derselben und dieser Gegenstand als seine Schöpfung bezeichnet wird, man daher für Baumftüchte pyn nD iOD — beim Weine 'd yD jDJin u. dgl. sagen kann , indem hier eine sich immer erncmcnde Schöpfung vor sich geht, während es beim Lichte ganz anders ist; das Feuer und Licht ist ein für allemal uiö Dasein gerufen, und der Mensch benutzt sie und trägt sie nach seinem Belieben weiter, .die Erschaffung desselben ist daher eine abgeschlossene Thatsache der Vergangenheit, nicht eine stch immer erneuernde. Daher will auch die Schule Sch.'s eine etwas von andern abweichende Formel, Gott werde gepriesen, welcher daS Licht des Feuers geschaffen hat: die Schule H.'s jedoch erkennt auch tu der Wirkfamkeit, welche zwar 49 *