Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Seite 391 (sequence 13)
- Language
- German
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währeö Freikden - und Ehrentag , besonders fük die Lehrkst, denen der geistige- Vater, Erzieher und Vorbild-gewesen und es noch für Jahrhunderts 'bleiben wird — er n aihet. Nimmer könttelr wir des Lag es und des Namens vergessen. Denn, wer der Liebe lebt Und in der Liebe bleibet, der lebt nicht nur ist Gott/ sondern auch in' der Menschen Herzen und Gedächtniß. Därüm bedarf es keiner Ermunterung zur'Feier dieses Lagos/ wir können ' nicht anders. Also nicht "' davon , o b, sondern nur wie wir ihn würdig feiern, kann' die Rede sein.- IM Geiste sehe ich am 12. Ianuat 1846 Lausende um einen einfachen Grabhügel untet einer Dachtraufe und Nur Mit kinfachem Feldsteine bezeichnet, an dem Schulhause iN' Birr bei „Neuhüf", Canton Aargau, versammelt. Wer kennt die Völker, nennt die Namen? Alle gebunden und geeinigt durch das eine, große, göttliche Gefühl der Dankbarkeit und der £ieW. Vormi, zunächst dem Grabe erblicken wir zwei erhabene Gestalten, Männer ersten Ranges ihrer Zeit, zwei Völkerhirrc-n, beide burch Leiden geläutert, dann rühmgekrönt ~ ein Segen ihrer Völker.- Solchen Führern kommt es zu, auch die ersten' zu sein, wo es gilt, sich als Mensch zu erweisen durch Anerkennung wahrer Größe uttb durch' öffentlich ausgesprochenen Dank gegen Männer unsterblichen Verdienstes, stehe Nun deren Wiege in einem Pnltast oder einer Hütte — K-a i ser A lexander, der einst in Basel durch anziehende Veranlassung voll Herzlichkeit den schlichten' Schweizerbürger brüderlich Umhalset, und König Friedrich Wilhelm Ul,, zu dem h'imzudrlngeü keine körperliche Schwäche ihn abhalten kotMte.*> Ihmir Nahe stehet einsam, in tiefes nachdenkendes Schweigen versunken, der „MaNN des Geistes Und der Kraft" — anders kami man ihn nicht nennen, und kaum ein zweiter, dev auf deutscher- Erde gelebt,- ist ihm darin zu vergleichen—^ Fichte-, der seinegroßartigen Gedanken zür Rettung des Vaterlandes in' Gegenwart und Zukunft vorzugsweise durch Pestalozzi, dessen Strebungen und Leistungen, verwirklichen zü können hofften Dann folgen, schon in' bedeutend großem Kreise rund umden kleinen Hügel des Entschlafenen, seine zahlreichen Schüler, Jünger und Freunde, stine Mi ta'rbeite r, die Mit ihm gelebt'und gewirkt, die ihn geliebt, weil tt sie geliebt. Lhräwew des Dankes Und der Rührung glanzen iw ihren Augen; hier Und da fehlt es auch'nicht an Lhränen der Reue. Aber der Greis selbst trocknet'sic ihnest von den Wangen und ehe sie ihrem Gefühl Worte gegeben', zieht er auch sie ack das klopfende Herz. Zwei edle Fr a u'e n g e st a U ten erblicken wir unter der Schaar der Männer, die sich *) „Zum Gedächtniß Heinrich Pestalozzi's u. s.w. Von Diesterweg, Kali sch und Maß mann. Berlin, 1846. Zum Westen der Pestalozzi-Stiftung. (15 Sgr.) S. 38. die anziehende Schilderung von Kali sch. nähe zu dem liebendem' Greise hindrästgem Wo die Einzige sich befindet, die ihm ernst, nachdem er zu ihr gesagt: „Ich kann Weib und Kind über dem Vaterland vergessen,"*) zur lebenslänglichem Verbindung die Hand gereicht, braucht nicht gesagt zu werden, sie ruht nicht blos an, sondern i n seinem Herzen, Viele deutsche Männer ragen aus der Gruppe hervor — die noch Lebenden nicht zu nennen — die Geister edler Abgeschiedenen: der weiblich zarte, milde Geist,, der im Leben den Namen Schwarz trug und auf Erden in Heidelberg wirkte, — dann bemerken wir nicht ohne innere Erhebung in dem edlen Antlitze des geistcsklarcn, besonnenenunvergeßlichen A ugust Hermann Ni em ey e r, Freude und Dankgefühl. Aus fremden Ländern sind sie gekommen, aus Rußland, aus Holland, Dänemark, Norwegen und Schweden, Spanien und Frankreich, Italien und England, und selbst Amerika hat seine Deputaten hergesandt. Glänzendere Versammlungen hat die Erde viel gesehen, aber nicht leicht eine erhebendere. Denn an die genanntes Kreise reiht sich nun die unzählbare' Schaar dev Kind et, der Knaben und Mädchen, denen das Wirken des edlen Kinderfteundes zu gut gekommen durch veredelte Fäckilim- Und Schulerziehung, durch wahrhafte Geistes und Herzensbildung. „In dem Munde der Kinder har er sich eia Lob zubereitet ", — von wem gilt es mehr denn von Ihm! Millionen heißt die Zahl der Killer, die Blumen auf das Grab streuen, ihre dankbaren Hände zuM Himmel erhebend! Wie Er in fernem Leben sie gesegnet durch Lehren und Denken, durch Lieben und Dulden, so segnest sie jetzt sein Andenken.- „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht" — gilt nicht bloß im Bösen, sondern auch im Guten. „Das Andenken des Gerechten bleibt im Segen". — Und' nun frage ich Dich, Kollege und Fveustd! nun frage ich uns, Lehrer des Volks und seiner Jugend, wo sind wir, stehen wir mitten unter der Schaar, klopfet auch uns das Herz stärker und müthiger -- uns, an der Wiege Heinrich Pestalozzi's, uns an dem Grabhügel in Birr? O, ich müßte Dich nicht kennest, deutscher Lehrer, Volkslehrer, wo Du auch wohnest und weilest, diesseit oder jenseit des Oceans, uns Alle einigt an dem genannten „Freudenthränentage", dem „Lage des Dankes und der Erndte" wo wir eine „Saat von Gott gesä't", erblicken, ein Gefühl, ein Gedanke, ein Wille: das Gefühl des' Dankes und der Liebe, der Gedanke an die Herrlichkeit des Lebens eines solchen Mannes,, der Wille, ihn zum Vorbilde zu wählen und in seinem Geiste zu wirken. Das Thun iss des Menschen Beruf, das Handeln für edle Zwecke adelt den Menschen, macht ihn der Unsterblichkeit würdig. Was Er, der Unvergeßliche, wollte, es ist nur ein theueres Vermächtniß. Was ihm nicht ge- *) Kalisch a. a. O. S. 25.