Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Seite 392 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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lang, es wird uns gelingen, und was wir thun, sei zu seines Namens Gedächtniß und zum Preise dessen , der ihn uns gegeben! Er wollte vorzugsweise Waisenkindern die Thrä'nen von den Wangen trocknen, sie zu Menschen bilden, er wollte der Vater, der Freund, der Erzieher der Unglücklichen und Verlassenen werden. Auf, Volksschullehrer, Volksfreund, betha'tige Deinen Dank gegen Heinrich Pestalozzi dadurch, daß Du Lheil nimmst an der Pestalozzi-Stiftung (—nicht ein Denkmal aus Erz oder Stein, nur ein lebendes Denkmal ist Seiner würdig —), der Pestalozzi-Stiftung, die sich erheben soll innerhalb Deutschlands Gränzen, ein Beweis der Dankbarkeit der Nachwelt, zum ewigen Segen für die Kinder, wie für Bildung und Erziehung! Ich weiß es, des Volksschullehrers Börse birgt nicht gewichtiges Gold, aber über ein Schewflein hat er zu verfügen. Keiner fehle in dieser Dankeserweisung, wenigstens keiner aus deutscher Erde! Ich sage es offen, weil ich denke und empfinde; solche Scherflein segnet Gott, er segnet sie vor allem Andern: der Segen, der sich von den Pfennigen der hunderttausend deutschen Lehrer über des Vaterlands Waisen verbreiten wird, er wird mehr als hundertfältige Früchte bringen.*) Nennet, Freunde, Brüder, mir Eure Namen! Mit Eifer werde ich — glücklichsolchem Unternehmen meine Kräfte zu widmen — dieselben dem Buche einverleiben, in welchem die Wehlthäter der Pe sto l azzi- S ti ftun g verzeichnet stehen sollen, zur dankbaren Erinnerung für die Enkel. Nie wird wiederkehren für Euch und mich solche Gelegenheit zur Vereinigung der Volksschullehrer in der Förderung eines durch einen Mann aus unserm Stande beabsichtigen Werkes. Denn in langen Bahnen zieht auch der pädagogische Genius, und es wogen Jahrhunderte verfließen, ehe ein Heinrich Pestalozzi wieder erscheint. Ist aber der Name und der Geist dieses Mannes noch fähig, die Volksschullehrer Deutschlands zu einigen und sie über landesmannschastliche, konfessionelle und andere Verschiedenheiten zu erheben, dann muß der große Gedanke einer, wenigstens geistigen Einheit der Bewohner unseres Vaterlandes für' ein. hohles Phantom oder für einen wüsten Traum erklärt werden. Verschone uns der Genius des Vaterlandes und der Pädagogik mit dieser Erfahrung! So laßt uns denn w ü rdig, d. h. lebendig im Herzen und durch eine That, ') Die Preußischen Posten befördern alle Geldsendungen, auch die kleinste sl), franco, wenn auf dem Begleitzetftl bemerkt ist: Angelegenheiten der Pestalozzi-Stiftung, frei, nach der Ordre vom 5. Mai 1845." An Herrn N. N. in N. feiern den Tag und das Jahr der Geburt Heinrich Pestalozzi's. Berlin, den 3. Juli 1845, (rc. re.) Adolph Diesterweg." Und nun, Ihr Menschenfreunde in Israel, ehrwürdige Volks- und Iugendlehrer! sollte es noch mehr als dieses Aufrufes, dieser Stimme bedürfen, um Euch zum Beitritt zu diesem menschenfreundlichen Werke zu bewegen? Gewiß nicht! Israel ist wohlthatig, ist mild und menschenfreundlich; das sagen ihm ja selbst seine Neider, seine Mißgönner, ja seine Feinde nach. — Israel schließet sich nirgends aus, wo es gilt, Menschenwohl zu fördern und kennt im Wohlthun konfessionelle Schranken nicht. — Wohl ist Pestalozzi keiner der Unfern nach dem Glaubensbekenntnisse. — Aber er ist ein Deutscher und wir sind Deutsche, und jener Aufruf ist an Deutschlands Lehrer doch gerichtet! — Zwar i st Pestalozzi nicht mehr. Ader sein Geist, sein emsig reges Wirken, sein Wort und seine Lhat, die Erfolge seiner höchst anerkennungswürdigen Bestrebungen und Leistungen, sie sind da und wirken fort in ihren Impulsen und Influenzen/ und werden lange noch recht nachhaltig wirken, und er selbst als Vorbild der Menschenfreundlichkeit, als Wohtthäter der Menschheit^ dastehen, so lange die Geschichte dauert. Zwar hat Israel der Lasten genug zu tragen, hat Opfer zu bringen immerdar, Institute und Vereine aller Art zu unterhalten, und ist in Allem auf sich selbst augewiesen. — Aber doch, doch legt Israel gern und bereitwillig noch ein Opfer auf den Altar der Menschenliebe und .fragt nicht erst nach t>em. Namen, nach dem Aussehen, nach dem Bekenntniß des Hilfsbedürftigen. — Lasset uns darumauch hier nicht Zurückbleiben! Lasset uns gleichfalls unser Scherftein beitragen zu dem menschenfreundlichen Werke des Meisters, der dazu einladet, der willens - und thatßra'ftig und würdig in dem Geiste Pestalozzi's zu wirken, dazu berufen ist. — Ist auch der Beitrag des Einzelnen nur geringe, so wächst er doch —Ihr wißt es Da durch die Zusammentragung. — 3a gewiß, wer irgend nur deutsche Bildung genossen, wird sich beeilen eine Gabe, wenn auch noch so klein, zu bringen. Es dürfte gern hier und da ein menschenfreundlicher Lehrer ~ und das sollen wir ja Alle sein -- zu einzelnen Beiträgen auffordern, diese an sich nehmen und baldmöglichst an ihren Bestimmungsort (unter dem angegebenen Rubro ohne Portoßosten) senden. In meiner Um-- gegend erkläre ich mich gern zur Empfangnahme derselben Behufs der Weiterbeförderung bereit. Doch dürste, was geschehen soll, bald geschehen mögen, denn der 12. Januar 1846 ist nicht mehr fern. Kempen, d. 20. November. Dr. I. H. Jakobson. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.