Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Seite 389 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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389 dadurch vielleicht seine Bildung an den Tag legen will, daß er die Mängel eines Anderen der Welt zu zeigen suchte und mit seinem Abiturientenexamen sehr groß thut, als ob derjenige, welcher dieses Examen bestanden hat, wirklich das zu leisten im Stande sein müßte, was er vielleicht geleistet hat. Der Artikel in Nr. 46 d. A. Z. d. I. aber scheint vorzüglich darauf berechnet zu sein, den israelitischen Gemeinden zu Brieg und Oppeln „Sand, in die Augen zu streuen", die sich aber hoffentlich durch' Lobhudeleien nicht werden bethoren lassen; denn eine Gemeinde wäre wirklich gar nicht zu beneiden, wenn sie eine solche Aequisition, wie die der Gerühmten macht.— Um aber von mir den Verdacht zu entfernen, als hätte ich diese Zeilen als Feind geschrieben, so erkläre ich hiermit, daß ich weder Freund noch Feind des Stud. L. noch etwa selbst jüdischer Theologe bin, noch irgend Jemanden aus der sogenannten Clique der jüd. Theologen zu Breslau kenne, sondern daß ich diese Zeilen nur'deshalb geschrieben, um dem Ref. des Artikels in Nr. 46 d. A. Z. d. I. eine gute Lehre zu geben, und um der Wahrheit ihr Recht geltend zu machen. — —7. Breslau, 22. November. Das von dem Herrn Kommerzienrath Jonas Frankel, zugleich Namens seines verstorbenen Bruders David, zum ehrenden Angedenken an die verstorbenen Eltern errichtete jüdische Kranken- und Waisenhaus.', ein Gebäude, welches, wie der Arzt der Anstalt, Herr Dr« Grätzer in der trefflichen Monographie „Geschichte der israelitischen Kranken- Verpflegungs - Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu Breslau" richtig bemerkt, billig zu den großartigsten, die für leidende Menschen, von Privatpersonen erbaut wurden, gerechnet werden kann, wird im Laufe der Woche bezogen werden.' Die Waisen bewohnen es seit längerer Zeit. Nach der schon am 1. September 1841 erfolgten feierlichen Einweihung fand die Uebergabe an die Gemeinde zur Benutzung mehrfachen Anstand. Zugleich wurde, da sich die Trockenfäule im gesummten Holzwerk des Hauses zeigte, ein Umbau nöthig, bei dem, und dies zum Heile der Anstalt, durchgreifende Veränderungen in der inneren Einrichtung vorgenommen werden konnten. Wir dürfen nicht verschweigen , daß Herr Kommerzienrath Frankel auch diese wohl 25,000 Rthlr. betragenden Kosten zu dem ursprünglichen großartigen Bau-Kapitale, mit dem das Haus errichtet ist, gefügt, daß er ferner den Mehrbedarf an laufenden Ausgaben übernommen und zur Sicherung desselben für den Fall seines Ablebens —- der Himmel möge den würdigen Mann noch lange die Früchte seines edlen Wirkens sehen lasten! — Verfügungen getroffen hat. Das Hospital ist von der Waisen-Anstalt (in letzterer befinden sich zur Zeit 12 Knaben und 11 Mädchen) gänzlich isolirt. Zur Aufnahme von gegen 150 Kranken eingerichtet, gewährt die große Tiefe des Hauses, dessen innere Dimensionen durch das imposante Aeußere nur angedeutet werden, hinreichenden Raum, um alle nothwendigen wie nützlichen Einrichtungen in einer Art zu treffen, welche diesThätigkeit des Arztes unterstützt, erleichtert und befördert. Statt' großer Sale, in denen die Kranken das Leiden der Nachbarn und die eigene Lage niederdrückend empfinden,' sind kleinere lichte und freundliche Zimmer, von dem Wärter vermittelst einer Durchsicht zu beobachten, gewählt, die ansteckenden Kranken, wie sich von selbst versteht abgesondert und Zimmer in genügender Zahl für diejenigen Kranken vorr bereitet, die sich sin der Anstalt auf eigene Kosten oder auf Kosten wohlthätiger Anstalt, wie des Handlungsdiener-Instituts, verpflegen zu lassen gesonnen sind. Das ganze Haus wird mit erwärmter Luft geheizt, und sind die Abzüge zur Ableitung der schlechten Luft vorhanden, wie ein Eiskeller, Bade - Kabinette in den verschiedenen Stationen mit besonderer Sorgfalt eingerichtet, ein Operations-Zimmer, ein Leichengewölbe und die für die Oekonomie nothwendigen Räume: Küche zu Das Haus enthält ferner außer dem Konferenzsaale und dem Archive einen, wir möchten sagen, mit großer 'Eleganz ausgestatteren Betsaal für die Kranken. Es ist dies der Platz, an dem allein der edele Gründer für sich und seine Angehörigen ein bleibendes Gedenken durch fromme Gebete gewährt wissen will, mit denen die resp. Sterbetage begangen werden sollen, und hat er hierzu noch besonderes Vertheilungen an.Arme festgesetzt. Die Ehre seines Namens wird in unserer Stadt unvergänglich bleiben. (B. Z.) Oesterreich. Ans Db erring arn, 3. Novbr. Es hat uns vor einiger Zeit befremdet, als wir in der Augsburger Allgemeinen Zeitung die Anzeige lasen, daß zu der am 14. Juli l. I. in Frankfurt a. M. zusammengetretenen Rabbiner-Versammlung ein aus dem fernen Ungarn kommender Rabbiner nicht zngelassen worden sei. Mit der Statistik des jüdischen Kirchenthnms tut Vaterlande weniger vertraut, konnten wir allerdings nicht errathen, wer wohl der bcklagcnSwerthe Landsmann sein mochte, der im Vertrauen aus gastliche Aufnahme, die weite Reise nach der stolzen Patrizierstadt am Maine nicht scheuend, an der seine deutschen Kollegen versammelnden Berathungstafel keilten Platz ftnbcit durfte. Staunen ergriff uns, als wir vor wenigen Wochen in Erfahrung brachten, daß der Ausgeschlossene kein anderer, als der seit zwei Jahren im Sinne der gemäßigten Reform wirkende Rabbinc imb Prediger am israelitischen Tempel zu Eperies, Hr. Dr. phil. Sal 0 m 0 n Ri a r c u s Schiller gewesen sei. Unser Staunen wuchs, ja steigerte sich zu einer Art von Entrüstung, als wir aus glaubwürdiger Quelle über die eigentlichen Beweggrüllde dieser unfreudlichen Ausschließung näher unterrichtet wurden. Der Präsident jener, von verschiedenen Seiten her allerdings sehr verschieden beurtheiltcn, Versammlung soll sich bewogen gefühlt haben, dem in Rede stehenden Religionslehrer das Votum bei den berathenden Sitzungen deshalb zu