Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Seite 387 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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387 ist bereits s. Z, m her Leipziger Allgemeinen Zeitung is. a. a. D, berichtet.^ Wir bitten Sie, zur Ehre der Wahrheit von obiger Erklärung in dem Orient Vormerkung zu nehmen. Der Vorstand der hies. jüdischen Gemeinde PH. Solmitz. BveslttN, 28. Novbr. Der Kamps gegen das eingefleischte Pomrtheil ist ein Guerillaskrieg, der darum rste durch ein noch so entschiedenes Haupttreffen als beendet zu betrachten ist, sondern immer von neuem Zuvüstung und Wachsamkeit erheischt, Wir vermögen auch darum nie Siegesfeier über fccit irgendwo bekämpften nnd niedergehaltenen Judenhaß zu begehen, wir können uns nie dem ©muffe eines vollendeten Sieges Hingebell. Denn derselbe Kampf, der in einem der 46 europäischen Staaten und Staatlein ausgerrmgen ist, muß'in den andern der Reihe nach wiederholt werden; und hätten auch alle Staaten die Emaneipation der Juden als Kahinetsordre promulgirt, so würde inindestens jede deutsche Stadt ihr Ausnahmestatut geltend machen , und wenn auch diese der Wahrheit und Humanität ihr Tribut zollen würden , so wird's in einer deutschen Stadt immer einzelne Korporationen geben, hie ihr verbrieftes und garantirtes Monopol ans Judenhaß aufzugeben, sich sträuben würden. Dieser Gnerittaskrieg gegen die Emaneipation macht dm Kampf langweilig und verfümmert uns auch den Siegesrausch. Es ist daher doppelt erfreilich, wenn edle Christen, die auf der Höhe der Zeitjntelligenz stehen, uns dieses unerfreulichen und ermüdenden Kampfes überheben und durch ihre hohe Stellung und anerkannte Autorität unsere Mitberechtigung an den Lebensgütern durch kämpfen. Es ist Ihnen bereits früher berichtet worden, daß in der hiesigen philosophischen Fakultät die Bill wegen Aufhebung des für jüdische Philysophell ungünstige Statuts durchgefalteu und an derr Zöpfen einiger ergrauten Professoren gescheitert ist, die noch Wissenschaft und Doktorat als Privilegium vom heiligen römischeil Reich ausehen, woran hie Nachkommen der Christllsmörder kein Recht beanspruchen können. Aber der edle Professor Bernstein, her die Bist voriges Jahr eingebracht, verlor die Geduld nicht, hie Promotionsfrage unter der günstigern Kollstcllation. seines Dekanats, noch einmal anzuregen, und sie rvur.de zn Gunsten der Gerechtigkeit mit Majorität dnrchgesetzt, wobei abermals der lächerliche Sophismus vom christlichen Staat von einigen antediluvianischen Lehrern der Wcltweisheit verfochten wurde. Der durchgegangene Paragraph wegen Zulassung der jüdischen Sütdirendell. zur Promotion an. der philosophischen Fakllltäf erwartet noch die allerhöchste Bestätigung., Wenn, wie mqu. mit Zuversicht Hofft , diese Bestätigung nicht mMle.iheu wird, so dürste dieser Sieg, ein nicht unwichtiges Ere.igniß für. die Zukunft der jüdischen Theologie fcm, die. hei uns einen sehr, günstigen Boden gu ihrem Gedeihen finden könnte. Die jüdischen Theologen erfreuen sich hier dyr besonder^ Protektion des bereits genannten Prof. B. und noch anderer Lehrer der Orientalin,, wegen der rühmlichen, höchst befriedigenden Leistungen derselben in diesem Fache, so daß derselbe Prof, mit Bedauern die jüdischen Theologen als Promovendi nach einer andern Universitätsstadt auswandern sah. Auch genießen dieselben in der Gemeinde einen hohen Grad von Achtung, wenn sie sich nicht derselben durch niedriges Kneipenleben und Verpichtheit auf Kartenspiel an öffentlichen Orten, wie es wohl hier und da vorkommt, verlustig machen. Das schöne Bet Ha-Midrasch in dem reparirten Fränkel'schen Hospital gewährt ihnen eine reiche Auswahl der talmudischen Literatur, wobei nur mehr Ordnung und Kompletirnng der talmudischen Bibliothek wünschenöwerth wäre; ferner reicht die reichhaltige täglich mehr anwachsende Bibliothek des Lesevereins in ebendemselben Lokal den Theologen den -Apparat zu einer wissenschaftlichen Auffassung und Durchdringung der jüdisch - theologischen Disciplinen, Die Universitätsstadt Breslau dürste mit einem Worte die geeigneteste BitdungSanstalt für jüngere jüdische Theologen abgcben Und wird hoffentlich die Zahl derselben hier immer Mehr zu nehmen,, wenn sie nur ein vollgültiges Vorbild der praktischen und wissenschaftlichen Theologie Vorständen, dessen Leitung sie sich anvertrauen könnten. — .Uc.'6c* die rabbinistischen und reformistischen Wirren berichte ich Ihnen diesmal gar nichts, weil in der Oeffentlichkeit wenig darüber verlautet, aber desto mehr heimlich darüber gebrütet wird. Dafür fenbe ich Ihnen einen längern Artikel aus Nr. 275 der Breslauer Zeitung über das erwähnte Hospital, au dem ich weiter nichts auSznfetzen habe, als daß in denselben die erwähnten Anstalten des Lesevereins und des Bet ha-Mitrasch mit Stillschweigen übergangen wurden. Frankfurt er. Mt., 17. Nvbr. Aus verschiedenen Städten Polens liegen uns Schreiben vor, welche die Lage der dortigen jüdischen Bewohner auf erschütternde Weise schildern. Die Vertreibung der Landbewohner in die Städte, welche ohnehin überzählig sind, verbunden mit der aus dem heurigen MißwachS entstandenen HungerSuoth, ist ein Uebel, 'welches die eigene Kraftanstrengung dieses verarmten Landes nicht ausheben kann. Rur von ihren fremdländischen Glaubensgenossen erwarten sic Hilfe, und bereits sind Abgeordnete abgesendet worden, um einige hochherzige Männer zu vermögen, an Ort und Stelle sich von den Leiden ihrer polnischen Brüder zu überzeugen. —- Roch ist kein Jahrzehend verflossen als das Hilfgeschrei unserer Brüder in Osten ganz Israel zu thatkrästigem Beistand anfregtc, unb mit Begeisterung wurden die Edlen besungen, denen cs gelungen ist, einige Glaubeusgenessen aus Kerkersmauern7 und vom Martertod zu erretten, und jetzt, wo es sich um das Leben von Tausenden handelt, erhob sich noch 49 *