Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1845)
- Date
- 1845-12-03
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- 386 - 5 Wttnkfurt a. M., 23t-Novbr. Ueber die Mn „Orient" bereits mxnHTjhtcu Konflikte'zwischen beiüVo^ stand. und der Schulbehörde auf der einen und Herrn Rabbiner Stein auf der ändern Seite, enthielt die „Hanauer Zeitung" Nr. 320 folgenden Bericht: „Frankfurt, 18. Nov. Nachdem die zweite Räbbinerversainmlung auf Betreibung ihrö Präsidenten, des hiesigen Rabbiners S t e i n, den Ausspruch gethan, daß m der Synagoge ebenso wie einst im Tempel zu Jerusalem, dem jener an gottesdienstlicher Berechtigung gleichstehe, die Orgel am Sabbat durch einen Israeliten gespielt werden dürfe und solle, wünschte der hiesige israelitische Vorstand den erwähnten Ansspruch praktisch ins Leben einzuführen usid die Einrich-. tung zu treffen , daß das seit dem 18. Oktbr. 1841 in der. Synagoge befindliche Aeolodikon künftighin durch den Gescmgwhrer Hrn. Hecht'zur Begleitung des Säbbatgottesdienstes verwendet würde, anstatt daß solches'bisher btos am Freitagabend und beim Eingänge der Feiertage geschah. Unerwartet genug widcrsetzte sich jedoch Hr. Rabbiner Stein dieser Neuerung, seinen in der Rabbinerversauttülung da für 'vorgebrachten Gründen zum Trotz, und da der Vorstand einerseits ein Zerwürfuiß mit den: Rabbiner zu vermeiden wünschte, andrerseits es aber auch;it inkonsequent fand, ein Instrument noch ferner im Gotteshause zn behalten, welches blos zur Accompagniruug einer cmzigeu Kantate wöchentlich, und zwar mit Ausschluß des Sabbat- und Festgottesdieustes, dienen sollte, so wurde beschlossen, das. Aeolodikon wieder aus der Synagoge zu entfernen, was auch bereits geschehen ist. — Weniger Nachgiebigkeit fand Hr. Rabbiner Stein dieser Tage bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Schulhauses, wozu er zwar auf ehrenvolle Weise durch eine Deputation von drei Personen eiugeladen ward, auf seine an diese Deputation gerichtete Bemerkung aber, daß er sehr bedaure, a l S P r i v a t invt n u n t ch t e r fch e i n c u z u k ö n n c it, w o er als Geistlicher keineFunktion zu verrichten ha be, keine weitere Rücksicht genommen, vielmehr , lun die statutenmäßig feststehende völlige Uu'abhängigkcit deS Schulinstitnts vorn Rabbinate aufrecht zn erhalten, die Eiuweihungsrede von dem hochverdienten Oberlehrer Hrn. Dr. M. Heß gehalten und die Einsegnung durch den. Religionslehrer der Anstalt, Hm. Dr. Auerbach vorgenommen wurde. Die Folge hiervon war, daß bei der Feierlichkeit, welcher viele Honvrationcu beiwohnten und bei der auch die christliche G e t ft l i ch k e i t ihre Vertretung hatte /der R a b b iuer nicht zugegen war, was freilich zu allerlei Bemerkungen Anlaß gab, der Würde und dem relig,lösen Ernste der Feier indessen in keiner Weise Eintrag that. —, Am Abend deö EinweihungStages gaben sich die Mitglieder deS Schulrathes ein Stelldichein zu einem Souper in der „Westend-Halle", wobei viele passende' Toaste das trhsflichest'.-Mahh würzten. SondMäMWise hatte mau zu"Äesein Schntause die eigentlichen Helden des Tages, .die Lehrer Iber Schule, bis auf den Oberlehrer allein, einzuladen unterlassen , welcher Letztere sich denn natürlich durch ein wohlbegreifliches Zartgefühl abgeh alten fand, der Einladung zu folgen." Hierauf folgte in Nr. 322 desselben Blattes folgende halboffieieil scheinende Erwiederung: „Frankfurt, 20. Nov. Die Angabe in einem Artikel Ihres heutigen Blattes, als habe der Hr. Rabbiner Stein der Einweihung des neuen jüdischen Schnthauseö ans persönlichen Rücksichten nicht beigewohnt, bedarf einer Berichtigung; dieses Ausbleiben hat vielmehr einen biblisches Grund. Im 5. Buche Moses Kap. 6. V. 9 wird den Juden befohlen, gewisse Bibelstellen an die Pfosten ihrer Häuser zu schreiben-. Diesem Gebote wurde zwar bis heute durch Anheftung jene Schriftstellen aus Pergament geschrieben enthaltender, Mcssusst genannter Kapseln an die betreffenden Orte tm -Allgemeinen, nicht aber an dem neuen Schul haust nachgelebt, und a ti e' 21 w m a h n unge n zur E tfii il it n g desselben, blieben e r folg k o s. Hr. Stein fand . es sonach.seiner Stellung und seinen Anteeedenzicn angemessen, sich von der Sache entfernt zu hatten." Jst's möglich? Sollte der ci-cleTant Präsident der Rabbinerversannmturrg einen so tiefen, unüberwindlichen Abscheu gegen eine mesnsalose Thüre haben? Sollte er wohl gar das Eindringen der OM'ti oder über die unverwahrte Schwelle gefürchtet haben? Wir können das nicht glauben, und wir fühlen uns zu diesem miserm Unglauben sehr berechtigt; denn wir erinnern uns noch sehr wohl, wie derselbe Hr. Stein im vorigen Winter in die gleichfalls unbemesusetcn Ftügelthuren gewisser Salons' cingetreteu,, mit mit seiner Frau die glänzenden Soimu' jener Famitieu zu verherrlichen, welche durch ihre Weigerung an einein Sohne ihres Hauses die Weschneidung vollziehen zu lassen , so viel Aufsehen erregt haben. - Vama.866iui8. MZ-rdhiauserr, 18. Novbr. In der 45. Nnmurer der von Ihnen redigirten Zeitung „Orient" wird mit kurzen Worten der Einweihnngsfeier der hier ucuerbanten Synagoge Erwähnung gethan und bemerkt, daß die Synagoge am 17. Septbr. und zwar durch Landesrabbiner, Herrn Dr. Herz feld, - cingeweiht worden sei. Diese Mittheilung bedarf jedoch einer Berichtigung. Die Feier fand nicht am 17. sondern am. 12. Septbr. statt, und wurde die Synagoge von dem hier suugirenden Religionslehrer und Prediger Herrn Cohn cingeweiht, welchem ebenfalls als Zeichen der Anerkennung von Seiten der Gemeinde ein silberner Pokal verehrt wurde. Herr Landrabbiner Dr. Herz seid hielt dagegen aus Ersilchen des Vorstandes am Sabbat nach, der Einweihung eine Predigt, lieber die Feier selbst, sowie über diese Predigt des Herrn Dr. Herzfeld