Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1845
- Issue
- 48 (26.11.1845)
- Date
- 1845-11-26
- Page
- Spalte 757-758 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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758 757 Kritiken. Geiger's aocpia3 welche sich Einige von seinem Wolke angceignet hatten, Jnlos ArchelaoS, HerodeS der Ehrwürdige und der König Agrippas, denen er seine Geschichtsbücher zu lesen gegeben (eonti'n ^ptonein I. 9). JosephnS scheint darunter eine hohe Bildung und eine tüchtige Kcnntniß des Griechischen zu verstehen. Kömite man aber unter rw nDDH, illrjvixTi aocpia, auch den Mißbrauch der Bildung, die hohle rhetorische Künstelei, die sophistische Ueberredungskrrnst nach Art des Handwerkes der graecali verstehen, die mit der griechischen Sprache eng verwachsen schien: so hätte das Verbot in dein Parteieukampf des Hyrkanvs und AristobuloS seinen guten Grund, wo man sich dieser verderblichen Kunst bediente, Unheil zu stiften, und in den: letzten jüdischen Krieg mochte das in Vergessenheit gerathene Verbot wieder erneuet und aufgefrischt worden fein. ■— So hätte sowohl die Mischna als die Barajta ihr richtiges Verständnis. — Wenn aber der Vcrf. aufstellt, diese Barajta datire dieses Verbot von der Zeit der SyrevkrLege her, so ist das ein unverzeihlicher Schnitzer, denn der Parteikampf zwischen den Brüdern Hyrkanos und Aristobulos gehört wohl nicht zu den syrischen Kriegen, und die Barajta giebt auch nur die Abkunst der königlichen Brüder mit den Worten an: yirnD oupTin'rrn m by m nwidkjd m vbn vmo DMDDD DpDiDDnttl — Was deir llmftant) von dm christlichen Schriften betrifft, in Folge deren, nach de§ Vers. Ansicht, das Griechische den Inden verhaßt gewesen sein soll, .so ist hierauf ganz kurz zu bemerken, daß selbst wenn die synoptischen Evangelien bereits im ersten Jahrhundert uiedergcschriebm und verbreitet waren, das eine von ihnen, das Evangelium Matthäi in hebräischer d. h. ar a ura i s ch er Sprache, also nicht in griechischer abgefaßt war, das andere, das Johannisevangelium nur in Kleinasien und keinesweges in Palästina Verbreitung fand, so daß das Synhedrium es wohl schwerlich als Motiv zuur Verbot der griechischen Sprache nehmen konnte. In historischen Konjekturen ist der Vers, höchst unglücklich, und es wäre ihm zu rachen, davon ganz abznstehen. Der Inhalt der Nrn. 23 bis 31. ist der Art, daß keine Lorbeeren dabei zu pflücken sind, mit) sie mögen auch ohne Bemerkung hingehen. . Nur einen Umstand will'ich hierbei hervorheben, um den Geist des Buches zu charaktorisiren, daß der Vers, ans den goldenen Kernsprnchm der Abotabschnitte nur zwei ausgewählt hat, die gerade nicht zur Empfehlung gereichen können, die Sentenzen rvu tosi pjp (3, 18) und cnm ,twj/ ML7 mjn )trüS (5. 7). Der aufmerksame Leser erräth wohl, warum nur diese ansgewählt worden, und welche Absicht der Wahl zu Grunde lag. Bei der Letztern ist es dem Vers, offenbar darum zu thun, die Mischna zu persifliren, und darum muß der grundlosen Lesebuch zur Mischna. Behauptung' aufgestellt werden (S. 58) „es ist nicht unwahrscheinlich, daß die M. auch bei dm meisten dieser Gegenstände, (die am Freitag im Zwielicht geschaffen worden) biblische Andeutungen dafür gefunden ju haben glaubte, wenn sie auch dieselben nicht erwähnt". Der Vers, fährt fort. „Ich werde daher im Folgenden dieselben im Geiste der Mi sch n a (?) nachzuweiscn versuchen". Nun folgt die Persifflage. y.’pNrpD, der Mund, die Oeffnung der Erde, welche blos erst gebraucht wurde zur Verschlingung des Korach und seiner Genossen, aber schon früher da war; die Erde wird öffnen iT-2 ruv ihren Mund", sie soll ihn aber nicht erst erhalten (!!!). — DJOn , der Mund, die Oeffnung des im Felsen versteckten Brunnens; in letzterer Stelle heißt es:' er (der Fels) wird geben mow sein Wasser, also er hatte es immer in sieh, ließ es nur jetzt hervorspmdeln (!) —■ pnNH ’D der Mund, die Sprachfähigkeit der Eselin Bileams; auch hier heißt es: Gott eröffnete pnND ’D hn, den Mmrd der Eselin, den er aber nicht erst jetzt gab. (!) — Meinen Bogen vinJ habe ich in die Wolken gesetzt, heißt es, also schon früher, er ward aber nun erst sichtbar" (S. 58—59). —- Irr dieser persiflircnden Art fährt der Vers, fort die zehn in der Mischna anfgezähtten Zwielichtsgefchöpfe ans Bibelversen herzu leiten. Ich weiß nicht, wie man eine solche Parodie in einem trockenen „Lehr- und Lesebuch" nennen soll, geistreich ist sic mindestens nicht. In Nr. 32, der letzten des hagadi sichen Abschnittes hat der Vers, einmal eine richtige selbstständige Erklärung von der Benennung des Nikanorthvres, welche die Mischna von der wunderbaren Rettung der zum Tempel gebrauchten Thorflngel herleitet nrnnW? D'DJ ntypJ DUpJ (Soma 38). Der Vers, giebt sehr richtig den Grund für die Benennung an: den Sieg über den prahlerischen syrischen Feldherr» Ni karr or, welcher sogar am 13. Adar als ewige Erinnerung gefeiert wurde -iijpj üv (1 Makkab. 7, 49. 2 M. 15, 35—37. Megitlat Taanit 12. Taanit 18. Josephuö AnLlq, XII. .10. 5). — Nur schade, daß diese richtige Deutung mit der der Vers, so breit thnt, nicht neu ist, sondern bereits von dem PsendojosephnS aufgestellt und vom Verf. des nnnn tid «tat wird; Drmv nw isop p by lym -.u (vnjni nw njpy two) mn dm *-ip pwpq wxinn (Josefon c. 24. □wniiDXi D’son MD. Art. nipu). — Aber auch da wo der Vers, in den Hauptangaben Recht hat, verräth sich sein flüchtiges ungenaues Arbeiten. So laufen dem Verf. bei der Gelegenheit die Worte durch: „derKamps (gegen Nikanvr) mag in der Nahe dieses Thores entschieden worden sein, und das Thor erhielt von dieser Begebenheit Namen und Wichtigkeit". Aber warum hat sich der Verf. nicht belehrt aus den Makkabäerbnchern und Josephus: 1) 46 *