Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1845)
- Date
- 1845-11-19
- Page
- Seite 375 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 375 - gion bringe es nicht mit sich, Jemand mit List oder Gewalt zum Changement zu nothigen, wann es ihm nicht selber komme, nach vorhergegangener gründlicher Erkenntniß seiner Sünden, auch den Mittler zu suchen von dem Moses und die Propheten gezeugt haben, so woll ich ihn ihme selber überlassen; ich mochte nur einmahl ein bußfertig Herz bei ihm sehen, das seine Fluchwürdkgkeit erkenne und um Gnade schreye, stellte ihm darauf vor, wie viel Seufzer im Land er auf sich geladen rc. Jud: O! wenn er wüßte, daß das Land über ihn geseufzt hätte, er wollte ihme zur Satisfaclion sein Blut mit Freuden bis auf den letzten Tropfen vergießen. Z ch: Damit habe aber die göttliche Gerechtigkeit noch nicht Satisfaktion, die Todesstrafe mache an sich Niemand selig rc. Zud: Schwieg stille. Ich: Fuhr fort: Hat ihm das Gesetz 3. Mos. 2V: wer die Ehe bricht, der soll des Todes sterben, noch nicht angst und bange gemacht? sagt ihm sein Herz nicht, daß seine übermachten Sünden eine mehr als gemeine Buße von ihm fordern? Wie ängstlich thut doch David Ps. 38. Indem nun solcher gestallten mit ihm redete, schreye der Jud beständig darzwischm: er wolle mich ja nicht hören; ich habe ausgesorgt für feine Seele, ich soll keine Schuld an seiner Verdammniß haben: endlich brach er gar in diese gifftige Worte aus: er merke wohl, wir suchens an ihn, daß er sich in Worten vermehren oder gar vergreiffen solle, er wolle mich gewarnet haben. Ich: So wollt ihr denn Recht alle Kennzeichen der Verstockten an euch haben: einen erbitterten Geist, Augen, die nicht sehen, Ohren rc. Ex. 6, 19, Deut. 28, 65. — Als dieses sagte, ging der Jud: Mit großem Geschrei dem Tisch zu, wickelte den Kopf in feinen Pelzrock ein und blieb so, bis ich Abschied nahm, 'mit den Worten: Nun ihr wollt den Fluch haben, so irvkrd er auch kommen. Ihr wollt des Segens nicht, so wird er auch ferne von euch bleiben. Ps. 109. Nachdeme an dem Tage seiner Exekution sein Endurtheil verlesen war, ginge ich noch einmal zu ihm: traf ihn aber in äußerster Verwirrung und Verstockung an; und war sonderlich erbärmlich anzusehen, wie ihn die Todesfurcht am Henkerstrick in dem Zimmer herumtrieb. Ich bot ihm nochmal von Gottes wege Gnade an und Zuflucht in denen Wunden des Weltheilandes. Allein vergebens. Er schrie unaufhörlich sein: 2Cboiid Elohlm^und ul^ meiner loß zu werden, sagte er: Er vermache hiemit mir und dem andern Herrn Helfer 2000 fl. vor unsere Mühe: wir sotten aber auch den Hauß-Armen davon geben. Uebrigens wolle er als ein Märtyrer vor seine Religion sterben. Worauf ihn auch verließ. Auf dem Richtplah erwarteten wir des Malefikanten. Und da bot ihm Herr Diakonus Heller, der unter uns genommenen Abrede gemäß, noch einmal Gnade an in dem Verdienst Jesu von Nazareth, deklairte auch öffentlich, daß dieser arn;e Seele von uns nicht versäumt oder verwahrlost worden sey. Ich bat ihn gleichfalls, gegen seine arme Seele doch nicht so grausam zu seyn, daß er sie mit einer so elenden Buße, als er im Gefängniß von sich sehen lasser, jetzo vor den Richter gehen lasse. Und als er sein confuses hebräisches Gebet immer.so fort schrie, sagte ich: willc du denn, du Unglückseliger in deinen Sünden so dahin sterben? Als er die Leiter hinaufgezogen wurde, rief ich ihm zu: Du. verstockter Jud, weil du denn nicht anders willt, so fahre hm, Jesus, den du verläugnet hast, wird nun bald dein Richter seyn! und endlich: Du wirst in wenigen Augenblicken sehen, in welchen du gestochen hast! Jesus lebet! Zehn Jahre nach dem Tode des Süß Oppenheimer, den man mit Recht einen Justiz-Mord nennen darf, ward mein felg. Großvater, *) Alexander Elsaßer, Rabbiner in Stuttgart, Hochberg und Freudenthal. Mittelbar durch meinen selg. Vater weiß ich von ihm, daß die Juden aus Freudenthal und Hochberg, bei der Hinrichtung des Süß Oppenheimer, in Bauernkitteln gesteckt, anwesend waren, um die üblichen Sterbgebete zu verrichten, doch drohte ihnen die höchste Lebensgefahr, wenn der Pöbel nur Ahnung von ihrer Anwesenheit gehabt hätte. Mein verehrter Herr Kollege, Herr Lehrer Maison- Frankfurter, theilt mir mit, daß ein hochgestellter Beamte in Stuttgart den ganzen Proceß des Oppenheimer der Presse überliefern und auf dem Standpunkte des damaligen Rechtszustandes seine völlige Unschuld darthun wollte; doch sei hohern Orts aus der Druck des Buches eingestellt worden. Das Licht der Oeffentlichkeit, das die Motten aus den Archiven treiben wird, wird auch jene berüchtigte Geschichte-beleuchten und wenn auch nicht die Unschuld, doch das gelinde Verbrechen des jüdischen Staatsmanns darstellen, der vom Fanatismus zum Henkerstod verurtheilt wurde. Alexander Elsaßer. *) In rn»iTn jntt kommen mehrere von ihm vor. Perfonalchrouik und MiseeAen. Karlsruhe. Hier sind Herr Obergerichtsadvokat Ettling er u. HerrD. Kusel in den engen Bürgerausschuß gewählt worden. — * * Baiern. Die Juden in Baiern sollen jetzt auch landständische Wähler (aber nicht Gewählte) sein dürfen. — Königsberg. Die Korporation der jungen Kaufteute in Königsberg will keine Juden unter sich aufnehmen, jüd.