Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1845)
- Date
- 1845-11-19
- Page
- Seite 376 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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376 Familien von ihren Bällen ausschließen u. s. w.; doch ist dagegen von manchen Seiten her Einspruch geschehen. — Bosnien. In Serajewo, wo zusammen mit Lrawmk die Zahl der Juden sich auf 6000 beläuft, sind die Häuser der Juden geplündert, diese selbst gemishandelt und einige von ihnen weggeschlcppt worden. Ein türkisches Mädchen soll aus dem Laden eines Juden etwas entwendet und der Eigenthümer sie hinausgeworfen haben; darauf, erzählt man, habe sich das Mädchen auf die Erde geworfen, habe sich krank .gestellt und so seien denn die Türken, vom Pascha förmlich dazu autorisirt, in die Hauser der Juden eingedrungen u. s. w. Die Juden haben sich mit der Bitte um Entschädigung u. st w. durch den Ober-Rabbiner in Konstantinopel an den Sultan gewandt. — Breslau. Durch ein Ministerialreskript ist von nun an in Breslau Herr Dr. A. Geiger allein als Gemeinde-Rabbiner anerkannt, dagegen die Polizei beauftragt, dem Herrn Tiktin die Ausübung der Rabbinatsfunktionen nicht mehr zu gestatten. Frankfurt a.M. In Frankfurt a. M. soll die Mikrva aufgehoben worden sein. Berlin. Hier ist ein von Klumk gemaltes, von Cichens litographirtes Portrait Mannheimers, bei Lüderitz hier erschienen. Groß-Ka!nischa. In der hiesigen Synagoge ist im verflossenen Schemini-^'Azeret zum ersten Male die Begleitung mit der Orgel vorgekommen; nun wirkt sie regelmäßig an Sabbat- und Festtagen bei'm Gottesdienst in erhebender Weife. Sie wird durch einen Nichtjuden gespielt, und das ist auch der Grund, daß in der Gemeinde kein Einziger sich dagegen auflehnte. — * * Reform des Kultus. In Coblenz (der dortige Prediger, Ben-Israel, war Mitglied der Franks. Rabb. Versammlung) sind zum ersten Male an dem verwichenen Neujahrsfeste die Gebete in deutscher Sprache gehalten worden.-^ Frankreich. Hier hat ein Herr Bolwille (?) einen Aufruf an seine israel. Brüder erlassen, worin er Theilnahme der Krauen an den relig. Verrichtungen, Gebrauch der Orgel, Einführung der franz. Sprache bei den Gebeten, Modifikation^ der Beschneidung, Verlegung der Rabbiner Schule (von Metz? nach Paris) und — des Sabbats auf den Sonntag vorgeschlagen und anempfohlcn. Gesetzgebung. Die dritte Abtheilung der hannöv. Gesetzsammlung vom 16. Okt. d. I. enthalt das Ausfchrekben der könkgl. Landrostei zu Hannover, an sämmtliche Obrigkeiten, die Form der Verpflichtungseide der Israeliten betreffend. — Die Organisation der Verhältnisse der Juden in Algier steht nahe bevor. Herr Cremieux ist (als Privatmann?) dahin,, abgereist und auch Herr Altaras, ein geachteter Kaufmann und Präsident des fr. Consistoriums zu Marseiile, der sich vor .3 Jahren dort längere Zeit aufgehalten uud mit den Bedürfnissen und Wünschen der algierischen jüd. Bevölkerung vertraut gemacht hat, will wieder eine Reise dahin unternehmen. Herr Altaras, ein schon bejahrter Mann, hat der franz. Regierung einen ausführlichen Gefetzvorfchlag übergeben. — Die würtemb. Regierung bereitet für den nächsten Landtag einen Gesetzentwurf zur vollständigeren Emancipation der Juden vor und hat die Unterbeyörden (Oberämter) zur Sammlung der zu Grunde zu legenden Materialien aufgefordert. Posen. Die Herzogin von Ayarenza Pignatelli im Posenschen hat 35 Stamme Bauholz für die Schule der jüd. Gemeinde zu Schmiegel' geschenkt. Aus Baiern. Ungeachtet in ^der letzten Zeit viel von einem, der nächstens zusammen tretenden baierschen Ständer» ersammümg durch die Regierung vorzulegenden Emancipa? tionsges-etzentwurfe die Rede war, so dauern doch die Beschränkungen im Handel und Wandel nicht nur fort, sondern werden noch fortwährend verschärft» * * Paris. Die zur Einrichtung der kirchlichen und Gemeindeanstalten für die Juden in Algerien ernannte Kommission ist Ende August's von Paris nach Algier abgegangen. Bei ihr befindet sich u. A. ein deutscher Jude Namens Cohn, bisher Hauslehrer beim Freiherrn v. Rothschild in Paris. * * , * Berlin. Der Direktor Baruch Auerbach, der sich um das jüdische Gemeindeschulwesen und die Waisenerziehung in Berlin namhafte Verdienste erworben, ist, wie' früher von der Wetzlarschen Gesellschaft für Geschichte und Alterthurnskunde so jetzt von der königl. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt zum korrespond. Mitgliede ernannt, worden. Han.novelr. Der Kriegsagent Jakob Leffmann C.o'hen in Hannover hatte eine Stiftung zur Unterstützung inländischer Juden, die^sich ein^w Handwerke oder einer Kunst widmen (Handeltreibende sind vom Genüsse ausgeschlossen) begründet, welche nun bestätigt, von der Negierung mit Abgabensreiheit versehen und deren Administration unter Oberaufsicht der Landdrostci dem Sohne des Stifters, dem (bekannten) Dr. med. Hermann Cohen, übertragen worden ist. Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nage L.