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Der Orient · 1845-11-19 · Heft 47 (19.11.1845) · p. Seite 374

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 47 (19.11.1845)
Date
1845-11-19
Page
Seite 374 (sequence 11)
Language
German
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374 „Auch die Zeit sei eine Bibel, durch deren Mund Gott zu Israel spricht," so können solche Äußerungen von den genannten Sperren mit dem größten Wohlgefallen ausgenommen werden, aber auf das religiös gesinnte Gemüth können sie nur den unangenehmsten Eindruck Hervorbringen. Religiöse Reformen sind gefährlich. Die Ideen der Politik und Wissenschaften werden nur von Auserwä'hlten mit Vorliebe ausgenommen und gepflegt; aber der Glaube wird durch die Erziehung das Eigenthum jedes Menschen, ohne. Unterschied des Standes, Alters und Geschlechtes. Darum kann auch bei den Israeliten eine zweckdienliche Reform ' nur mit Ruhe und Vorsicht, mit Schonung und ehrerbietiger Beachtung bn* bestehenden Gesetze und Einrichtungrn vorgenommen werden. Will uns eine Regierung emancipiren, so wird sie ihre edle Absicht vollziehen, .ohne Rücksicht auf unsre Gebete, denn die Erfahrung lehrt, daß sie noch nie einen Anlaß zur damagogischen Untersuchung gegen die Kinder Israels gegeben haben; hat sie aber diese Absicht nicht, so wird sie den Altgläubigen die Emancipation verweigern, weil sie nicht neugläubjg, und den Neugläubigen, weil sie nicht altgläubig seien. Ich aber schließe mit der sichern Hoffnung, daß Pufsendorfs Ausspruch zum allgemein gültigen Rechtsgrundsatze erhoben werden wird: Lonum et equum juris pars est et ad omnes homines pertinet, nuliaque ratio intelligitur, cur ad Judaeos communis juris participes non pertineat. Dr. S. M ay er, Rabbiner. Oesterreich. Paper, den 6. Nov. Nr. 40. der A. Z. d. I. brachte einen Artikel mit der Ueberschrift: ,,aus Ungarn und Oesterreich" in welchem unter mehreren nahm'hast gemachten Gemeinden der unfern folgendermaßen gedacht wurde: In Papa hielt der unlängst (?) verstorbene Rabbi Horowitz dem bessern Wollen der Achtbaren die Spitze und lähmte ste der Art, daß ste sogar jetzt Nichts (?) vorzunehmen wagen "(I). Wenn Berichterstatter die Zeit des am 24. Februar erfolgten Todes gedachten Rabbiners im September mit ,,unlängst" bezeichnet, so kann cs nicht mehr befremden, daß das Nächstfolgende ebenso unrichtig als e§ deutlich von völliger Unkenntniß der Bestrebungen und Vorgänge der hiesigen Gemeinde zeugt. Doch darf solches nicht ungerügt und unberichtigt bleiben; denn nicht genug, daß sich hier Stimmen orthodoxer Juden mit diesen Worten arrogantisch erheben und brüsten — es ist auch hierdurch dem so oft bemeldeten eifrigen Streben und Wirken so vieler Besserwollender mit Undank und Muth raubend begegnet. Weiß Verschterstatter doch bei Lebzeiten des Rabbiners Horowitz nichts, was zur Erhöhung und Veredlung des Judenthumö beigetragcn hätte, vorgeuoinmen werden konnte, da er diesen als "friedlicher Gegner gegenübertrat — und beißt dies doch, wenn man nun außerordentlich beflissen alle Nutzbarkeit für die Gemeinde, jedes Verschönerungsmittel fürs Gotteshaus, einen tüchtigen Meister für Regulirung des Gottesdienstes und der Schulen herbeizufchaffen: ,,Nichts vorzunehmen wagen", so komme er rnit seinem eisernen Arm und mächtigem Wort hierher, und fälle den Baum, sprechend : ,,Weide l" auf einmal und er erwirbt sich den Dank vieler Tausende l S. S. Ein Beitrag zu der Geschichte der Juden in Würtemberg. Motto: Am 4. Febr. 1738 wurde der Jude Süß Oppenheimer in Stuttgart gerichtet: Seit diesem Achtundreißigsten Jahr, Hat mancher, der kein Jude war, Fürst und Land um weit mehr Geld, Als der Jude Süß geprellt; Doch weil man sah die Schurken taufen. Ließ man sie stets als Herren laufen. Der Beobachter theilt Folgendes, aus dem Leben des Juden Süß mit : In einer 1738 in Eßlingen gedruckten Broschüre erzählt ein Stadtvikar in Stuttgart, M. Repetent H offmann, der neben einem Diakonuö Heller beauftragt war, dem Jud Süß in seinen letzten Stunden beichtvaterlich beizustehen und ihn wo möglich noch zu bekehren, den Erfolg seiner Bemühungen, und fährt, nachdem er die erste längere Unterredung mit ihm berichtet, in seiner Erzählung folgendermaaßen fort: Nachdeme nun von allem passirten der Fr'irstl. Kommission referirt hatte, so wurde befehligt, Montags wieder zu ihm zu gehen und noch weiters in ihn zu dringen; so auch morgends um 10 Uhr geschehen, allein, wie er die ganze Nacht durch gewesen, so fund ich auch Morgends nehmlich mehr als jemals wild und verstockt. Ich: Nun es geht immer näher dem Ende zu, hoffe demnach, er werde eiten und seine Seele retten. Jud: Sie stören mich in meiner Andacht, die ich in den Thephilofc habe; ich habe Sie ja gestern fußfa'lligst gebeten, mich gehen zu lasten. Ich: An der Andacht wolle ich ihn nicht stören, sondern vielmehr mit ihm beten, aus dem Psalter und denen Propheten; bemühete mich sonderlich aus der mitgenommenen ebräischen Bibel das GebettvanieUs c. 9. ihrne zu rekommcmdiren, in der Absicht, ihn hernach Gelegenheitlich auf die Weissagung von den 70 Wochen zu bringen; allem der Jud: Wollte sich absolute nicht mir einlassen, siel auf die Kniee nieder und sagte, er stehe nimmer aus, bis ich gehe, wolle mich auch nicht hören. Ich: Gieng der Ähüre zu: und sobald er ausstunde, wieder zurück mit dem Wort: Er macht mich nicht müde, ich kan Gewissenshalber nicht avlaßen von ihm, '.meine Relr-

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