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Der Orient · 1845-11-19 · Heft 47 (19.11.1845) · p. Seite 370

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 47 (19.11.1845)
Date
1845-11-19
Page
Seite 370 (sequence 3)
Language
German
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370 ehrten Zuschrift mein Wirken bei der Rabbiner-Versammlung zu Frankfurt a. M. mit freundlichen*. Lobe, und meinen, daß cs überhaupt in den jetzigen, den väterlichen Glauben so sehr bedrohenden Zeitumstanden des Hervortretens bedarf. Ich nehme in Ihrem geehrten Schreiben das Zeichen der tiefen Bescheidenheit wahr, die die wahre Zierde des Volkslehrers ist, denn ich hege die feste Ueberzeugung, daß Jeder von Ihnen auf solche Weise gehandelt. Jeder von Ihnen sich gedrungen gefühlt haben wurde, seine Gesinnung, da c§ so Heiliges und Hohes galt, offen auszusprcchen und sie mit aller ihm zu Gebote stehenden Kraft zu verfechten; und wohl hätten auch Sie in sich den Muth gefunden, für eines der theuersten Erbstücke unserer Väter in die Schranken zu treten und sich jenen bedauerlichen Eingriffen zu widersetzen. Wenn ich daher Hochzuverehrende Herren Arntsbrüder! Ihr Lob als mir nicht gebührend zurückweisen muß, so fühle ich mich von einer andern Seite gedrungen, Ihnen offen dm^ Wunsch anszusprecheu, daß Ihre Bescheidenheit Sie nicht verhindern möge, sich Manches zuzutrauen /und Ihr Wirken auch über den Kreis Ihrer geehrten Gemeinden hinaus zu erstrecken. Weil die Zeit so aufgeregt und stürmisch ist, darum bedarf es des Zusammmhaltms und Zusammenwirkens, bedarf es des ernsten Wortes und der Vorschläge für das Allgenieine und genügt nicht, daß der Rabbiner nur in seiner Gemeinde lebe und wirke, dort nur den von der Vorsehung ihm angcwiesmm Standpunkt erblicke. Das Auge sei offen, schaue hinaus in daS Leben und seine Bewegungen; wir sind jetzt mehr als je für das Allgemeine da, weit dieses auch mehr als je bedroht ist. Denn cs kann nicht mit Recht behauptet werden, daß die Genußsucht und die Ungebnudenheit der Zeit die alleinigen Motive des gegenwärtigen Kampfes auf religiösem Gebiete seien. Es ist wohl richtig, daß diese untautem Triebfedern einen großen Bestandtheil des sogenannten Zeitgeistes ansmachen, der sich seiner eingebildeten Größe nberhebt und nichts Höheres und Göttliches anerkennen will; aber dürfen wir von der andern Seite in Abrede stellen, daß, wo der geläuterte und edlere Geist, der nicht in der Zeit entstehet, aber doch durch gereiftere Erfahrung und den Einfluß der Wissenschaft zum Bewußtsein kommt, wo er nun seine gerechten Forderungen geltend macht, auf sie, die weil sie nicht aus sinnlichem, ungebundenem Verlangen, sondern ans geläuterter Erkenntnis; hervorgehen., das Göttliche nicht untcrwnhlm und vernichten, sondern es erhöhen und in seiner wahren Würde Herstellen wollen, gehört werden müsse? Lassen Sie es uns offen aussprechen: es gicbt Manches zu thun, denn es wurde seit geraumer Zeit Vieles vernachlässigt, und wir wollen cs zur Ehre des Judenthums aussprechen, es läßt sich Manches im Einklang mit den Glauben thnn, fühlen wir uns sogar durch ihn hierzu aufgefordcrt. Für Gottesdienst, für Erziehung der Jugend, für manche Anforderung des Lebens, was kann nicht durch Zusammenwirken bewerkstelligt, was nicht ausgeführt werden durch Übereinstimmung von Rabbineu, deren Gesinnungen man vertrauet, deren Absichten man erkennt, denen der gute Ruf vorausgehet, daß nicht Eitelkeit und das Verlangen mit eingebildeter Aufklärung zu glänzen und durch öffentliche Schauspiele von sich reden zu machen, sie leitet, die eine feste über äußere Urtheile stehende Ueberzeugung mitbringen und von ihren Gemeinden geachtet und geliebt werden, weit sie sich als aufrichtige, warme Anhänger des Judentums stets bewährten und in deren ausgesprochener Absicht, dm Glauben zu erhalten und zu bewahren, man nicht eine vvrsätztiche Täusch ung, eine Unwahrheit erblickt? Ein solches Zengniß dürfen Sie, geehrte Brüder! sich geben und nach ihm auch Ihr Wirken, das nicht vereinzelt bleiben soll, einrichten. Es hat die badische Rabbincrvcrsalnmtung gezeigt, daß Rabbiner auch ohne zerstörende Tendellzen zusamnlmkommen und sich ein im wahren Interesse des Glaubens erfaßtes Ziel sehen können; wir wollen daher nicht nur mit einer Resignation, die jeden Aufschwung und jede höhere Kraft lähmt, in die Zukunft hineinschauen, sondern uns auch prüfen, ob nicht auch uns sich manche tröstliche Aussicht eröffne, ob nicht Zeit sei, daß auch von andern Rabbinm das Stillschweigen gebrochen werde, sie den Borwmf der Unthätigkeit, der: man ihnen, wenn auch mit Unrecht, doch so gerne macht, von sich abwätzen und das Ihrige zur Erhöhung des Glaubens beitragen. Ich meinerseits werde mit Liebe jeden Vorschlag, der von Ihnen gemacht wird, durchdenken und ihm, wie ich hoffe, auch beitreten. Ich glaube aber auch mich nicht zu täuschen, wenn ich auf ein williges Gehör bei Ihnen rechne, und werde ich nttr vielleicht in Zukunft erlauben, Ihnen Manches rmlzutheilm, das nicht maaßgebmd sein soll, sondern sich nur als Vorschlag ankündigt und sich Ihrer Prüfung unterwirft. Diese Hoffnung auf einiges Zusammenwirken hat vorzüglich Ihr Schreiben in mir erweckt und so sage ich Ihnen, sowie den geehrten Gemeinden, in deren Namen Sie es erließen, meinen herzlichsten Dank: Ihren Gemeinden, denen nach dem Geiste der sic leitenden Lehrer der väterliche ererbte Glaube über Alles gehet, und die ihn für alle Zeit erhalten wissen wollen. Genehmigen SieHochwürdige Herren! für sich und Ihre verehrten Gemeinden die Zeichen wahrer Hochachtung, mit der ich ergebenst verharre Dr. Z. Frankel, Oberrabbincr. , Dresden, dm 23. Oktbr. 1845. Schwerin a. S>« W., 11. Novbr. Es zeigt sich jetzt hier eine religiöse Rührigkeit, wie man sie bei einer neuen Rabbincrwahl nur erwarten kann. Banner von den verschiedensten religiösen Farben sttrd ausgepstanzt, und unter jedem kämpft eine Schaar von konfessionellen

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