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Der Orient · 1845-11-12 · Heft 46 (12.11.1845) · p. Seite 365

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Journal
Der Orient
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 46 (12.11.1845)
Date
1845-11-12
Page
Seite 365 (sequence 9)
Language
German
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- 365 - Ventura Maier (auch aus Baiern und derselbe, der vor einigen Jahren ein tolles Buch über die Juden schrieb) war kürzlich Ln Breslau und versicherte die frommen Juden der Gewogenheit des Pabstes, der sie den Protestanten bei Weitern vorziehe. Aber warum behandelt Seine Heiligkeit nicht vor Allem die römischen Juden, die doch gewiß an Frömmigkeit hinter den Breslauern nicht zurnckstehen, menschlicher? Breslnu, 3. Nvbr. Der Beschluß der hiesigen Stadtverordneten, Sirnultan-Volkssihuleu zurr: Unterrichte der katholischen, protestantischen und jüdischen Jugend zu gründen, scheint uns sehr zeitgernäß und lobenswerth zu sein. Nur so fiamt dem Vorurtheile der Konfessteum gegeil einander schon im Kindesalter vorgebeugt werden. Ein solcher Schritt würde die Geselligkeit ungemein fördcn. Nur reicht es nicht hin, daß der Retigionsunterricht bei Seite gelassen und abgesondert ertheitt Werde, cs müssen vielmehr neben den christlichen Lehrern auch (verhalülißmäßig viele) jüdische Lehrer angestellt werden, damit die gegenseitige Anerkennung auch praktisch geübt werde. Die Schüler werden einen: Juden als Lehrer, wenn er Achtung verdient und sie sich zu erwerben weiß, eben so freudig gehorchen wie einem Christen; weit mehr liegt aber darckn, daß sich die christlichen Lehrer an den Gedanken der Ebenbürtigkeit ihrer jüdischen Kollegen gewöhnen. Hamburg, 27. Oktbr. Lassen Sie mich auch wieder einmal einen Blick auf die kleinen Nachbarstaaten werfen. In Schleswig-Holstein neigt sich jetzt die öffentliche Meinung, besonders beim Bauernstände, der Idee der allgemeinen Wehrpflicht zu; dieJuden haben also Hoffnung, nicht länger im Sinne der Stände vor: dieser Ehreilpfticht ausgeschlossen zu bleiben. — Eine Versammlung von Bauern zum Zwecke der Entwertung voll Petitionen für allgemeine Wehrpflicht wurde kürzlich zu Nelllnünster (Holstein) gehalten. — In L ü b e ck herrscht jetzt wegen Verweigeriulg der Eisenbahnverbindungen mit Holstein und Lauenbnrg durch die königl. dänische Regierung bekanntlich eine theils trübe, theils gereizte Stimmung. Bei dieser Gelegenheit bekommen auch die Lübecker gesetzgebeudeil Gewalten (Rath und Bürgerschaft) sowohl in einer Korrespondenz aus Berlin in der D. A. Zeitung als auch im OldeSkoer Wocheubtatte (besonders scharf m der Nummer vom 25. Oktbr.) die Wahrheit in Betreff der Behandlung der Moislillgcr Juden und die verdieniell Vorwürfe darüber derb zu hören. — In Bremen nimmt die daselbst erscheinende Weserzeitung in ihrem Sonntagsblatte vom 26. Oktbr. die bürgerliche Gleichstellung der Juden im dritten Artikel eines Aufsatzes: „Der Konflikt zwischen Staat und Kirche" lebhaft in Schutz. — In Mecklenburg - S ch w erin haben die bürgerlichen Gutsbesitzer unter ihre Propofitionen auch eine zu Gunsten derJudenemaucipaLionausgenommen. — In Goldberg (Mekl. - Schwerin) ist am 13. September eine neue Synagoge mit Thürmcn, Uhr und Glocke durch Hrn. Rabb. Dr. Holdheim feierlich mit deutschen Gesängen eingeweiht worden. Die beiden bei dieser Gelegenheit gehaltenen Predigten des Dr. Hold heim sind unter dem Titel: „Der Segen des Gotteshauses und der Gottesdienst in der Wahrheit. 2 Predigten in Schwerin bei Kürschner gedruckt erschienen. — In Han-' n o v er ermächtigt ein Ausschreibell der Kon. Landdrostei zu Hamlover vom 24. Septbr. sämmtliche Obrigkeiten ihres Bezirks die Form der Vcrpflichtmlgscide der Israeliten betreffend, bei den Diensteiden und sonstigen allgemeinen Werpflichtnngseideir der Israeliten namentlich bei den Bürgereiden derselben von der in den §§. 9 und 10 des Gesetzes vom 24. Febr. 1845 gedachten Verwarnung Alrstand (Abstand) zu uehmen. C. Polen und Rußland. M'itau, Ende Sptbr. Da meine einzelnen Berichte, die ich von hier regelinäßig durch daS ganze Jahr cingesihickt, nicht richtig an Sie gelangt, so erlaube ich mir gegenwärtig, hier das Wichtigste in einer gewissen Reihenfolge folgen zu lassen: 11. Juni: Am Freitage, den 8. d. M. traf das Städtchen Kra k au n o w a im Kowno'scheu Gouvernement ein bedaucrungswürdiges Schicksal, indem in demselben plötzlich eine Feuerbrnnst auSbrach, welche in wenigen Stnllden mehre hundert Gebäude bis auf den Grund einäscherte. Auch die Synagoge, in welcher gerade die Genleillde wegen dortigen Regen-Mallgels eben einen Buß-Gottesdienst hielt-, ward mit mehren Rollen ein Opfer der Flanlnleu. Glücklicherweise hört man nichts, daß bei dieser Feuerötrunst Menschen umgekommen wären; jedoch besinden sich daselbst in Folge dieses Unglücks, leider, gegen 1000 jüdische Seelen ohne Nahrung ulld Obdach, und obgleich viele Menschenfreullde bedeutende Uilterstütznrlgen zum Besten der Abgebrannten bereits cingeseudet haben, so ist es demllngeachtet nicht hinreichend, daselbst alles Elend gallz zu beseitigen. — 22. Juni. Abermals hat Gottes gerechte Fügung ein fast ausschließlich nur von Inden bewohntes Städtchen nlit Feuer heimgesncht; nämlich das Städtchen Kros, im Witna'schen Gouvernement, welches plötzlich in der Nacht vom 18. Juni d. I. fast gänzlich ab-, brailllte. — 25. Juni. Obiger Tag war für die hiesige Stadt ein Tag der Freude und des Jubels; denn sie feierte an demselben nicht nur den gewöhnlichen Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers, sondern noch insbesondere das fünfzigjährige Jubiläum, seit sich Kurland dem russischen Sccptcr unterwarf. -— Auch die Israeliten dieser Stadt ermangelten nicht, sich ihren christlichen Mitbürgern anzusch ließen, und ihre allfrichtigen patriotischen

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